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Unsere Tribüne · 1926-05-20 · 7 (20.05.1926) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
7 (20.05.1926)
Date
1926-05-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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aa**«*9 it«**' .ttö* & x. ^m «■Ulli Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, U., Blumauergasse 1/1! Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig.. ,240 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 7. Wien, 20. Mai 1926. 3. Jahrgang. Demokratische Revolution und konservative Demokratie. Was 1 ehren u n s d i e Ereignisse in Polen und in England? Was allgemein unter Demokratie verstanden wird, wiM sich weder mit Revolution, noch mit Konservativismus reimen. Unter Demokratie denkt man sich gewöhnlich eine schrittweise, durch friedliche Mittel hervorgerufene Entwicklung, während Revo 1 u t io n gewaltsame Umwälzung und Konfeervativisrnus starres Festhalten am Bestehenden bedeuten. Die Ereignisse der letzten Wochen aber haben bewiesen, daß die Wirklichkeit oft leimen kann/ was sich in der Theorie nicht reimen will. Mit Recht bezeichnen die polnischen Sozialisten «den Aufstand Pilsudskis als demokratische Revolution, Die Entwicklung in Polen hatte beinahe den Gefrierpunkt erreicht. Die wirtschaftliche Not und die politehe Ziellosigkeit der linken Parteien (die polnischen Sozialisten inbegriffen) haben die darbenden Massen mürbe gemacht. Die Ohnmacht der Volksmassen und Ihrer politischen Parteien wollte sich die Reaktion ^zunutze machen, um die letzten Restchen der Demorkratie auszumerzen.. Dem Faszismus wurden Tür und Tor geöffnet. Das war der Sinn des1 Kabinetts Witos. Wenn dieser Plan zunichte gemacht werden sollte, müßte eine Tat vollbracht werden, die die Volksmasse erschüttern und aufrütteln, den Glauben an einen Sieg gegen die herrschende Reaktion wachrufen soll Diese Aufgabe scheinj^der Aufstand Pilsudskis wirklich erfüllt zu haben. Es mutet geradezu unzeitgemäß an, wenn man .ökh angesichts eines Zustandes, wie er in Polen bei Ernennung der Regierung Witos geherrscht hat, auf den Standpunkt der formalen Demokratie stellt und die Bedenken gegen Putschismus in den Vorderjgrund rückt. Es gibt Zeitpunkte im Leben des Staates, in denen die Demokratie, infolge des Versagens ihrer Träger: die Volksmasse, erstarrt und es bedarf einer 'revolutionären Tat, um die Bahn für die demokratische -Entwicklung wieder frei zu machen. Das Bürgertum, die Reaktion verfügt auch in einem demokratisch regierten Staate über Machtmittel, um den Volkswillen niederzuhalten, und um diesen Machtmitteln entgegen- , zuwirken, wird man oft gezwungen, von der eigenen Macht den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. In einem solchen Momente ist nicht die Auflehnung gegen die gewählten Machthaber, sondern das Festhalten an das Formale eine arge Versündigung gegen die Demokratie. Wird!der Pilsudski-Aufstand den erwünschten Sieg der Demokratie bringen? Das hängt in erster Reihe nicht von ihm und den ihm ergebenen Soldaten, sondern vielmehr von den Kräften der Demokratie, von den Vertretern der Arbeiterschaft und des armen Bauerntumes, ab. Pilsudski gelang es, die Reaktion aus dem Sattel zu heben. Daß es ihm gelang, ist nicht zu allerletzt der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem System der Auspowerung der Bevölkerung für unproduktive Militärrüstungen, der Aufhetzung der verschiedenen Völker des Landes gegeneinander, dem ungestillten Landhunger des Dorfproletariats zu verdanken. Werden die Vertreter der Arbeiterschaft und des Dorfproletariats es verstehen, an diese Ausgangspunkte anzuknüpfen, die Massen in Bewegung zu setzen, um die Entwicklung in dieser Richtung fortzuführen, dann ist. kein Grund vorhanden, an einer dauernden Festigung der Demokratie in Polen zu zweifeln. Werden die Proletarier der Stadt und des flachen Landes es verstehen, der Mobilisierung Pilsudskis die Mobilisierung der Volksmassen folgen zu lassen, um die rascheste Durchführung der Agrarreform, die Versöhnung mit den Minderheitsvölkern und die Befreiung von der Last der wahnsinnigen Rüstungen durchzuführen, dann wird die Reaktion in Polen für absehbare Zeit ausgespielt haben. Der Aufstand Pilsudskis gegen die gewählten Repräsentanten des Volkes würde zum Segen für die Demokratie, für die friedliche Entwicklung Polens, für die Beruhigung Osteuropas werden. Hat der Aurstand in; polen die Erscheinung einer demokratischen Revolution, so hat der Streik in England die krasseste Form einer konservativen Demokratie an den Tag gefördert. Es mag sein,, daß das Mißlingen des Streikes auch auf rein .gewerkschaftliche Unzulänglichkeiten zurückzuführen sei, die tiefste Ursache ist, unserer Meinung nach, anderswo zu finden. Der englische Arbeiter lebt noch in der Illusion, als ob die Verfassung des Landes und jeder abge-. schlossene Vertrag heilig seien, und daß sie nur mit den vorgeschriebenen Mitteln geändert werden dürfen. Das gilt auch für die ungeschriebenen Gesetze, dije sich durch das bürgerliche Regime im Lande eingebürgert haben. So gilt es z. B. als Verbrechen, wenn etwa Arbeiter einen Streik mit politischen Zielje'n führen. Von revolutionären Bestrebungen der Arbeiterschaft darf natürlich überhaupt nicht gesprochen werden. Der Weg des demoki-atisch-parlamentarischen Kampfes ist für den englischen Arbeiter das aliein seligmachende Mittel für den Kampf um die Macht der Arbeiterklasse. Leider gilt das nicht nur von den Arbeitern, sondern auch vom größten Teile ihrer Führer. Sie halten an der erstarrten formalen Demokratie, die vom herrschenden Bürgertum bestimmt wird, unerschütterlich fest. Was Wunder, wenn es den Arbeitern dann nicht .einleuchten will, welchen Zweck ein Generalstreik haben soll? Generalstreik ist ja ein gewaltsamer Eingriff der Arbeiterschaft in das Wirtschaftsleben des Staates, ein Bruch der Abmachungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, warum sollen dann die an einem Generalstreik teilgenommenen Arbeiter nicht angehalten werden, ihren Arbeitgebern eine Entschädigung zu leisten? Warum soll man streikende Arbeiter nicht disziplinieren dürfen? So legt die konservative, formale Demokratie die Macht der Arbeiterklasse lahm und liefert das Schicksal des Staates, zumindest auf sehr lange Zeit hinaus, der Machtgier der herrschenden Bourgeoisie aus. Das ist^gewiß nicht der Weg, der zum Sozialismus führt. Der Aufstand in Polen und der Generalstreik in England haben Probleme aufgeworfen, die für dasl Proletariat von großer Bedeutung sind. Sie sollen, uns als Lehrbeispiele dienen. M. S. Esa^qp?=^l^^E^i Freie jüdische Volksböhne. Der Verein „Freie jüdisch© Volksbühne" vefcanstalteti Dienstag', <len 2ö.. Mai 1. ,T., von 8.15 Uhr abends im Theatersaal, II., Praterstraße 60, einen SmalomtflejchGrmeeöenftabenö bläßlich de« 10. 'Todestegeis des Dichters, zu welchem dief Mitglieder und Freimde herzlichst eingeladefn werden. Programm:. Gedenkrede: Dr. Z. Fiakelstein. Gesang: Frau Hilde Dulitzkoja. Vorlesung-: Dr. I^rwtojard Wittlefr. Ferner gelangen die Einakter „Die Dj-ze" \in;d „Tojwje^- der Milchigei-" zur Axvffübrung. Die Vereinsleitung. liebensversidiepungssGesellsdiaft | Wien, I., Riemergasse 2 Telephon 79:5=65 Serie Telephon 79:5:65 Serie Aktien-Kapital S 4,000.000. — Versicherungsstand am 1. Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling. SSmtildie Rrfen uon Bebens» unö Renfenutrsitherungen, Unfalls Auto» und Haftpflichtoersiiherungen. Heimprämien- Versicherung ohne ärztliche Untersuchung Tagesprämie: 20 Groschen bei 20jähriger Versidierungsoauep, 30 Groschen bei 15jähriger Verslfherungsdauer. Leistungen der Gesellschaft: Im flblebensfalle sofort nadi dem Tode: 1000 S oder 5 Viertel (125 Prozent) Oer Insgesamt entrichteten Prämien, je narhöem, welcher Befrag höher Ist. Im Erlebensfälle: 1750 S bei 20jahriger Dauer, 1850 S bei 15J8hrlg$r Dauer. Kostenloser Einschluß der Prämienbnfreiung im Invaliditätsfalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Todesfallssumme. Kostenlose Ausfolgung einer Heimsparkasse! Prospekte unö nähere Auskünfte bei 9er Direktion o9er bei Jeöer 62sd»äMsstelle. CÄÖÄCÄTO« C£d«utfO«CK«)9<W«>«» CMö« CMKOm CUK>* CJSföO 5cn53tionctlc Ft^jahrsangcbotc ßrjjößr Sdliffnunn II.Jaborslraße48 Telephon-Nr. 47.171 En gros - En detail

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