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Unsere Tribüne · 1926-01-18 · 1 (18.01.1926) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Unsere Tribüne
Volume
3 (1926)
Issue
1 (18.01.1926)
Date
1926-01-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweima monatlich Redaktion und Administration: Wien, IL, Blumauergasse 1/11 Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljahrig. S 1.20 halbjährig . . „ 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr.l. Wien, 18. Jänner 1926. 3. Jahrgang. Wird unsere Anregung Gehör finden? Wird die österreichische zionistische Partei unseren Vorschlag beachten? Werden die Zionisten. die die Partei verlassen mußten, unsere Anregung aufgreifen und Schritte zur Organisierung einer großen Palästina-Aktion unternehmen? Mag sein, daß man uns zunächst, wie oft in ähnlichen Fällen, mit Kopfschütteln und Zweifel begegnen wird, aber wir werden nicht ermüden, für das Sammeln aller zu gewinnenden Palästinafreunde unter der Flagge und im Zeicher. einer ausschließlichen Organisation für den Palästinaaufbau. Die Not unserer Brüder in Osteuropa, die unbedingte Notwendigkeit der ehebaldigen Erweiterung des Palästinaaufbauwerkes machen es uns zur unaufschiebbaren Pflicht. Wir werden dem Rufe unserer Brüder, linserer tapferen Pioniere folgen müssen. Je früher wir uns dazu entschließen, um so ehrender für uns, um so günstiger für unsere große Sache, für die Schaffung eines auf der Grundlage jüdischer Arbeit errichteten Palästina. L. K. Große Jubiläumsfeier anläßlich des .. . .. „.iL ~ 50 iähi igen n tri s. Wie kann die österreichische Judenschaft für den Palästinaaufbau gewonnen werden? Ein Mahnruf an die Berufenen. Mit der zunehmenden Einwanderung nach Palästina wachsen in raschem Tempo die Aufgaben, die die Fonds des Palästinaaufbaues im Lande zu erfüllen haben. Dem Nationalfond, dem Keren Hajessod, dem Palästina-Arb'eiter-Fond, der Konsumgenossenschaft der Arbeiterschaft „Hamaschbir", der großen Baukooperative „Solel-Boneh" etc. fällt die ungeheure Aufgabe zu, zehntausenden Einwanderern das Ansiedeln, das Umschichten, die Ernäh-* rung zu erleichtern. Versagen die Fonds, sind sie nicht in der Lage, immer neue Arbeitsmögliichkeiten zu erschließen, entsteht ein Chaos im Lande, wird der Aufbau gefährdet. Das müssen wir uns stets vor Augen halten und unserer Pflicht Palästina gegenüber eingedenk sein. Gewiß, die Tatsache, daß Palästina im jetzigen Zeitpunkte das größte Einwanderungsland für Juden ist, erleichtert bedeutend die Werbetätigkeit für die Aufbau- Samstag, den 30. Jänner, um halb 8 Uhr abends, in Conds. Was in Palästina inj den letzten 6 Jahren geleistet^ den Kunstspielen des Apolloneums, I., Pqstgasse 9 wurde, wirkt überzeugender, als die schönsten Reden. jAber es müssen eben Mittel und Wege gefunden werden, um die jüdischen Massen mit den Fortschritten des Auf- " bauwerkes bekannt zu machen. Es muß allen anschaulich gemacht werden, was aus unseren entwurzelten Brüdern in Palästina wird. Die von großer historischer Tragweite beseelte Arbeit unserer Pioniere soll Gemeingut aller denkenden Juden werden. Wir müssen die Herzen und die Hirne aller Juden für den Palästinaaufbau gewinnen. Dann, aber nur dann, wird der Palästinaaufbau in jeder Beziehung gegen alle Zu- und Rückfälle gesichert sein. Es mag sein, daß in vielen anderen Ländern die üeber den Keren-Hajessod In Oesterreich. bürgerlichen Zionisten berufen sind, an der Spitze dieser (Eine Zuschrift.) .... , , Au die •Erziehungs- und Organisationsarbeit zu stehen, hierzu- Redaktion „Unsere Tribüne", lande sind sie es keinesfalls. Erstens sind ein Großteil Werte Genossen! Ider Wiener Juden, insbesondere die Arbeiterschaft und Wahrend des jetzigem Drives für den Keren-Hajessod '■der Mittelstand, sozialdemokratisch orientiert, zu diesem ist man auch an mich herangetreten, . daß ich mich für Bereichen TeU der Wiener Juden ist dem Palästina. to Informierten Kreis« mitgeteilt wurde, gedanken, solange die bürgerlichen Zionisten seine Wort-, daß eine gewisse Zahl von K.-H.-Zahlera ihre Beiträge dem führer sind, der Weg völlig verrammelt. Aber auch im Wiener Büro nicht abführen, weil sie den Verdacht hegen, T ' j v» v u v * „iu,f i,Q^cWKf i™»in daß Teile des gesammelten Geldes für politische Zwecke Lager der bürgerlichen Zionisten selbst, herrscht kein östeiTeichis<fhcil Ziönigten verwendet werden, habe ich Zutrauen zur Palästinatätigkeit der zionistischen Partei eine Zeichnung abgelehnt. Oesterreichs. Wir wollen-uns hier mit den Motiven dieses Als mir entgegengehalten wurde, daß Vertreter unserer m,._ .,,r -j-u t a a;~ Organisation den Aufruf für den Keren Hajess'od mitore- Mißtrauens nicht befassen, wir sind uberzeugt, daß sie i<jh orkundigtj ob unsere Orgazum großen Teile berechtigt sind. Gibt es doch heute in nisation in der Leitungdes K. Ii. in Oesterreich vertreten Oesterreich eine ansehnliche Zahl von Zahlern des GereniHaiessod, diei hre Beiträge direkt nach London ablief ern, weil sie sie dem Wiener Büro nicht übergeben wollen. Und das sind durchwegs Leute, die über die Tätigkeit des Wiener Keren-Hajessod-Büros informiert sind. Die Büros der Palästina-Aufbaufonds, die unter der rÄegide der Wiener Zionisten stehen, sind nicht in der Lage, die jüdische Bevölkerung der Republik aufzurütteln Schalom Asch'. u0jälnigierr Jubila Dr. Ch. Schitlowskys Redner: Dr. S. Sokal, Dr. F. Sternberg. Reichhaltiges. Programm! Aufführung eines Bühnenwerkes von Asch. Karten zum Preise von 50 Groschen bis 2 S im Sekretariat, II., Blumauergasse 1, Tür 2. ist. Ich erfühlhierauf, daß wir keine Vortreter im österreichischen K. H. haben und bin der Meinung, daß wir unter diesen Umständen unseren Genossen abraten müssen, ihre Beiträge dem österreichischen K. H. abzuführen. Ich ersuche, in der Leitung unserer Organisation diese Angelegenheit endgiltig zu klären und meinen Brief in der nächsten Nummer „Unsere Tribüne" zu veröffentlichen. Mit Poale-Zion-Gruß: K. R. Bemerkung der Redaktion: Wir veröffentlichen gerne die Zuschrift des Genossen K. R., wenn wir auch und sie für Palästina zu gewinnen. Es müssen andere nicht bestreiten können, daß diese Angelegenheit uns nioht iWege beschritten werden. Sf^?dT 1a^neliml ist> aber schließlich ist ja „Unsere ° ei,- ,. Tribüne das Sprachorgan unserer Genossen und sie sind Wir schlagen vor, daß ehestens Schritte unternomberechtigt, ihre Bedenken den anderen Genossen und der nren werden, um die organisierten und nicht organisierten Oeffentlichkeit mitzuteilen. Zur Sache selbst wollen wir Juden, von denen wir wissen, daß sie sich mit Sympathie nur bemerken, daß uns bekannt ist daß von unserer Seite, ' . c wenn auch inoffiziell, der Wunsph geäußert wurde, im Palästinaaufbaue beziehen, zusammenzulassen, uer K R vertreten zu sein. Die Herren vom Keren Hajessod haben unseren Wunsch nicht beachtet. Angeblich erschien es ihnen für nicht zweckmäßig. . . erste Schritt wäre die Einberufung einer Kon ferenz der österreichischen Judenschaft für den Palästinaaufbau. Allerdings gilt als Voraussetzung für die Einberufung einer solchen Konferenz und für deren Gelingen, daß die Initiatoren jegliches Parteiinteresse zurückstellen und Veranstaltungen. Donnerstag, den 21. Jänner: Vortrag Singer: Fünf Jahre Histadruth. Anfang 8 Uhr. Samstag, den 30. Jänner im Apolloneum, L, Postsich auf die Schaffung einer tatkräftigen, die weitesten ^g^13^^^ ZU EW Chaim *Wto***y Kreise der jüdischen Bevölkerung umfassenden Orga- Restliche Karten im Sekretariat, II., Blumauergasse 1, nisation für den Palästinaaufbau beschränken. Tür 2. Die Lage in der Wiener jüdischen Gemeinde. Von Dr. Rudolf Glanz. Die Oeffentlichkeit, die durch unser Auftreten im Wahlkampf der jüdischen Gemeinde eine größere Aufmerksamkeit widmet als je vorher, hat, dank dem krampfhaften Bestreben der herrschenden Parteien, in der Gemeinde, entscheidende Kämpfe hinauszuschieben, sich über die wirklichen Kräfteverhältnisse daselbst noch kein richtiges Urteil bilden können. Andererseits mußte unsere Opposition int ersten Jahr sich auf die wirksamste Verwaltungskontrolle, Formulierung unserer Forderungen in Anträge und Organisation unserer Anhänger in der „Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit" beschränken. Erfahrungsgemäß brauchen Wahl rech tsan träge — ich greife da den wichtigsten unserer Anträge heraus — eine geraume Zeit, bis der Boden reif wird für Entscheidungen. Und doch hat nicht ein einziger unserer Anträge seine Wirkung verfehlt. Die gesamte jüdische Oeffentlichkeit "Wiens ist in einem bestimmten Maß aufgerüttelt, man wartet auf Entscheidungen. Unterdes wächst g.ie Verlegenheit unserer Gegner immer mehr. £ lßupe lange noch kann man der üerferi üichktii hu twort auf die Wahlrcchtsfrage vorenthalten? Zuerst gemahnt, dann stürmisch gefördert, zuletzt erkämpft, das ist die Geschichte des allgemeinen Wahlrechtes in allen Vertretungskörperschaften. ■ i Aber die Verlegenheit unserer Gegner ist nicht nur eine ideelle, die Schwierigkeit, eine prinzipielle Antwort auf die Wahlrechtsfrage zu erteilen, die wenigstens lalle ihre eigenen Anhänger befriedigt^ von der Oeffentlichkeit, die im steigenden Maß für jüdischen Angelegenheiten gewonnen werden kann, gar nicht zu reden. Sie ist vor allem eine Tatsachenfrage, die jederzeit imstande 'ist, ganze Parteien vor die Frage der Herrschaft oder Nichtherrschaft zu stellen. Die Zionisten, die einem öffentlichen Bekenntnis zum allgemeinen Wahlrecht nicht werden ausweichen körinen, hoffen vielleicht insgeheim, von der „Union" in dieser Frage überstimmt zu werden/ Aber auch für die „Union" ist die Sache nicht so einfach. Denn, einer geschlossenen Front aller übrigen Parteien in der Wahlrechtsfrage würde ihr Anhang in der jüdischen Bevölkerung Wiens nicht standhalten können. Eine nächste Wahl würde sie sogar bei unverändertem "Wahlrecht in eine Minorität drängen und damit wäre ihre Herrschaftsrolle ausgespielt. So geht denn die Rolle unserer beiden großen Gegner dahin, aus purer Verlegenheit die Entscheidungskämpfe hinauszuziehen. Aber die Angst ist immer ein schlechter Ratgeber, auch im politischen Leben. Sie schafft eine Atmosphäre von Verdrängungen, die sich im politischen Leben als Unwirklichkeiten auswirken. Und so bietet sich dem Beschauer in der jüdischen Gemeinde eine seltsame Lage dar, eine Regierungskoalition aus Angst und ein Regierungsprogramm aus Angst. Die derzeitigen Streitfragen in der Gemeinde sind nur vorgeschoben, um die wahren Streitpunkte zu verdecken. Insbesondere ist die von den Zionisten geheuchelte Angriffslust nichts anderes als ein Versuch, die eigene Angst irgendwie abzureagieren. Die Partei ohne Anhänger sucht krampfhaft nach Devisen, Schlagworten, die ihr eine neue Anziehungskraft auf die jüdische Bevölkerung verleihen sollen. Die morsche Partei hat gegenwärtig eine Anwandlung von Selbständigkeitswillen, eine innere Stimme täuscht ihr vor, sie könne gesunden, wenn sie nur auch erst in

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