Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Philipp Bloch
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Autorität auf zwei ganz voreinander getrennten wissenschaftlichen Gebieten, der jüdischen Religionsphilosophie und Kabbala und der Geschichte der Juden Posens und Polens. Ich habe im Verein mit Herrn Professor Julius Guttmann ein Bild seines Lebens und Wirkens sowie eine Würdigung seiner auf dem Grunde des Kant'schen Idealismus beruhenden Persönlichkeit in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 1924 veröffentlicht Hier mögen einige Angaben über seine uns zunächst interessierenden historisch-archivalischen Arbeiten folgen. Ich kann mir das Verdienst zuschreiben, Bloch in die archivalischen Studien hineingezogen zu haben. Als ich im Jahre 1882 an das Archiv in Posen berufen wurde, lernte ich ihn bald kennen; es gelang mir schnell, seine Freundschaft zu erwerben, die sich vierzig Jahre hindurch bis zu seinem Ableben immer fester knüpfte. Im Jahre i885 entstand in Posen die Historische Gesellschaft, zu deren Gründern Bloch und ich gehörten. Er wurde ein eifriger Mitarbeiter ihrer Zeitschrift, besuchte regelmäßig ihre Sitzungen, die er durch zahlreiche Vorträge befruchtete. Gleichzeitig wurdeer ein fleißiger Benutzer des Archivs, wo er systematisch die Quellen zur Geschichte der Juden sammelte. Die reichen Ergebnisse seiner archivalischen Studien verkiiüpfte er gern mit denen aus hebräischen Materialien zu musivischen Arbeiten von seltenem historischen Reize. Von seinen wertvollen Beiträgen für die Zeitschrift seien hervorgehoben: „Die Sage von Saul Wahl, dem Eintagskönig von Polen" und „Die Generaiprivilegien der polnischen Judenschaft''. Besonderes Interesse wandte er der Geschichte der Posener Juden in den ersten Jahren der preußischen Herrschaft zu; so entstand die Abhandlung über „Die ersten Kulturbestrebungen der jüdischen Gemeinde zu Posen unter preußischer Herrschaft" in der Festschrift zum siebzigsten Geburtstag von Grätz. Als die Historische Gesellschaft das monumentale Sammelwerk „Das Jahr 1798 Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte der Organisation Südpreußens" herausgab, übertrug sie ihm die Behandlung des Judenwesens, eine Autgabe, die er mit vollendeter Meisterschaft löste. Eine Geschichte seiner Gemeinde hat er leider nicht zu Ende geführt, wie denn überhaupt «ein großer Teil seiner umfangreichen archivalischen Sammlung noch der Verwertung harrt. Als im Jahre 1905 unser Gesamtarchiv gegründet wurde, konnte er seine reichen Kenntnisse auf archivalischen Gebiete bei den Organisationsarbeiten fruchtbar verwerten. Seine Stellung im Kuratorium betrachtete er noch bis in sein höchstes Alter nicht als Sine- 108