Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Journal
- Mitteilungen des Gesamtarchivs der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1926)
- Article
- Aus Warschauer Archiven
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 2)
- Language
- German
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jedes Ressort sein besonderes Archiv mit getrennter Verwaltung. Das bedeutendste in Warschau befindliche Archiv, das den Titel „Hauptarchiv' ' führt, ist eigentlich nur ein Archiv der Justizverwaltung und stand bis zum Aufhören der russischen Herrschaft unter der Oberaufsicht des obersten Gerichtspräsidenten des Landes. Nur der Umstand, daß in dieses Archiv alte Materialien, die in kein anders Ressortarchiv paßten, zusammengetragen wurden, gab ihm einen unsern Zentralarchiven einigermaßen ähnlichen Charakter. Von andern bedeutenden Warschauer Archiven, die teilweise auch für die Geschichte der Juden inbetracht kommen, seien genannt das Finanzarchiv, das Archiv für die innere Verwaltung, die Archive des russischen Generalgouvernements und Gouvernements, das Militärarchiv im Fort Wladimir und das Archiv für den öffentlichen Unterricht an der Universität. Nur die beiden erstgenannten Archive enthalten umfassende Materialien aus dem alten polnischen Reiche vor den Teilungen desselben, die andern Archive reichen in ihren Beständen nicht über den Anfang das 19. Jahrhunderts zurück. Einen wichtigen Bestandteil des Hauptarchivs bildet die mehrere hundert Handschriftenbände umfassende polnische Kronmetrik. Sie war dazu bestimmt, die von den polnischen Königen einzelnen Untertanen oder Kommunitäten verliehenen Privilegien in wortgetreuer Ausfertigung aufzunehmen und wurde von den Kanzlern und Vizekanzlern des Reiches geführt. Durch Abschrift von diesen Ausfertigungen wurden die Originalprivilegien unter dem königlichen Siegel für die Interessenten hergestellt und konnten, falls sie in irgend welcher Weise verloren gingen, aus der Kronmetrik gegen eine entsprechende Gebühr erneuert werden. So sind in der Kronmetrik auch alle von den polnischen Königen den Juden ihres Reiches im allgemeinen oder einzelnen Gemeinden oder Persönlichkeiten verliehenen Privilegien festzustellen, was umso wertvoller ist, als die Originale im Laufe der Jahrhunderte meist untergegangen sind. Der Inhalt der Kronmetrik ist gegenwärtig auch außerhalb Polens leicht zugänglich, da der frühere Direktor des Hauptarchivs, Professor Wierzbowski, unter dem Titel „Matricularum regni Poloniae summaria" Auszüge aus sämtlichen Urkunden der Kronmetrik in chronologischer Reihenfolge veröffentlicht hat. Bisher sind sechs Bände, die bis zum Tode Sigismund Augusts 1572 reichen, erschienen. Vortreffliche Register erleichtern die Benutzung. Judenurkunden aus der Kronmetrik in wortgetreuem Abdruck sind zusammengestellt in dem zu Petersburg erschienenen „Hebräisch-russischen Ar- 6