Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 24 (15.12.1937)
- Date
- 1937-12-15
- Page
- Seite 431 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/10638461-10638480-2728099--160-2744842- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jiid. Kulturbund m lt»Ycrii (angeschlossen dem Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland) Ortsgruppe itiiiiiclien Anschrift: München 13, Adelheidstraße 33 Mitteilung an die Mitglieder An ider^Rulturbundkasse liegen Eintrittskärten für folffenide Vefanstalturitge» .auf:- Heiterer Abend Max Ehrlich am 5. und 6. Januar (Sonderveranstaltung); Preis RM. 1.10 für Mitglieder und Abwechsler; 10. Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München am 27. Januar. Die Kulturbundkasse ist in der Woche vom 27. mit 31. Dezember geschlossen, ab Montag, den 3. Januar, wieder geöffnet. Mitteilung an alcfive Mitglieder des Reichsverbandes der jüd. Kulturbünde (Künstler usw.) - Die aktiven Mitgliedskarten (grau) für die dam Reichsverband jdler Jüdischen Kulturbünde angeschlossenen Künstler und Vortragende verlieren, am 31. Dezemiber 1937 ihre Gültigkeit. Die Ausgabe der neuen Karten (blau) für das_ Jahr 1938 hat bereits begonnen. Die -aiktiven Mitglieder 'des Reichsiverbandes werden hiermit ersucht, zwecks Erneuerung ihrer Mitgliedschaft für 1938 ihr Lichtbild' in Paßformat sowie den Jähres- . beitrag von RM. 2.— .an den Reichsverband 'der Jüidlischen Kulturbünde in Deutschland, Berlin SW 19. Stalilsehreiberstr. 44, Postscheckkonto Berlin Nr. 3648. einzusenden. Soweit idie Mitglieder ihre graue Karte zu Verairastaltungeui im Dezemiber nicht mehr benötigen, wind wm deren Einsendung an den Reich.9verband gebeten. Bei Einsendungen von Lichtbiilidlern muß auf der Rückseite der Name des Einsenders deutlich geschrieben sein. Max Ehrlich, Leiter der Kleinkunstbühne des Jüd. Kulturbundes Berlin, gastiert am 5. und 6. Januar Eine Erbschaft aus Amerika Ein Gedenkblatt für Meier Aaron Goldschmidt aus Dänemark Von Dr. Siegmund Hirsch „M a s e r" — so heißt ein kleines Prachtstück der Erzählungskunst Meier Aaron G o 1 d s c h m i d t s. Dieser bei uns kaum bekannte Schilderer jüdischen Lebens war ein dänischer Schriftsteller. Er gehörte einst als charaktervoller, wegweisender Leiter angesehener Blätter in Kopenhagen, als Schöpfer vortrefflicher Romane und Novellen zu den Meistern der Prosa seines Heimatlandes Dänemark. Meier Aaron Goldschmidt ist vor fünfzig Jahren — am 15. August 1887 :— gestorben, ,alber nichts Verstaubtes ist in 'dier gemütvollen Geschichte, inder es um die Pflicht zur Abgabe des Zehnten, des Maser, geht. Man fängt an zu lesen und wird von der Echtheit und Wärme der Stimmung wie von der Treue und Schärfe der Menschenzeichnung gefesselt. Der alte Junggeselle Simon Levi genießt nach der harten Arbeit der Woche in seinem dürftigen Heim den friedvollen. Freitagabend. Simon hat mit seiner ebenfalls unverheirateten Schwester Gidel nach dem Gottesdienst gegessen, dann das Dankgebet gesagt und ein paar Psalmen gesungen. Bei dem Mitsummen 'ist Gidel eingenickt; ihr Bruder sitzt, das verblichene Samtkäppchen zurückgeschoben, in seine hebräische Bibel vertieft da. Ab und zu greift er nach seinem Nachtisch, grauen Erbsen, die, in Salzwasser gekocht, einzeln, kalt genossen werden; er trinkt als große Delikatesse bisweilen einen Schluck Bier da^u. Einem Mann von soloher Genügsamkeit und solch einem Magen kann es eigentlich gleichgültig sein — sagt der Erzähler heiter —, ob der Reichtum oder das sogenannte „Glück" in sein Haus treten oder nicht. Aber das Schicksal will es nun einmal, daß Simon Levi jäh aus der so behaglich begonnenen Säbbatruhe aufgerüttelt wird. Ein fremder Herr erscheint in der ärmlichen Stube. Es ist ein Legationsrat aus dem Ministerium des Äußeren; er bringt die Nachricht, daß Simon von einem in Argentinien verstorbenen Bekannten, dem er vor Jahren mit seinem ganzen Vermögen beigestanden, zweihunderttausend Taler geerbt hat. Als die Geschwister wieder allein sind, sehen sie sich wie betäubt an. Sie haben beide die Fassung verloren. Nur in aufgeregtem unaufhörlichem Reden kann sich Simon Luft machen: „Reich? Zweimalhunderttausend Taler:... Gidel, kannst du das begreifen? Kannst du dir anmerken, daß du ein reiches Mädchen bist, — denn das bist du. Wenn ich reich bin, bist du auch reich.-- Aber ist eine Veränderung geschehen? ... Was heißt das, reich sein? Gidel, mir wird schwindlig. Kann ich mehr essen? Ich habe keinen Hunger. Kann ich mehr trinken? Einmal werden wir alle in unseren Sarg gelegt, dann bekommen wir ein Stück Leinen mit einem bißchen Erde drin unter den K'opf,--was ist denn Geld? Kannst du es mitnehmen? — Stuss!" Nur langsam beruhigen sich die verwirrten Gedanken Simons. Und bevor er. in sein Schlafzimmer geht, fällt ihm etwas Wichtiges ein: Gidel darf niemand etwas über die Höhe der Erbschaft sagen, denn Levi befürchtet, daß sein Bruder, der Windbeutel, dann .gleich 400 000 Taler von ihm borgen wolle. Dieser Bruder tritt in den Tagen, die auf den erregenden Freitagabend folgen, in den Mittelpunkt der Ereignisse. Er ist ein hübscher, für seine Umwelt aufgeschlossener Mensch, der das Leben leichter nimmt. Eigentlich heißt er Mordochai, bei seinen Geschwistern Mortche, aber er hat seinen Namen in Martin modernisiert, worüber Simon halb belustigt, halb verärgert, immer seine Glossen macht. Und die dritte „Windibeutelei" ist, daß Mortche oder Martin in seiner natürlichen Freude -am Dasein sich und seiner Familie vieles, gönnt, was sein anders gearteter Bruder für ganz überflüssig hält. So zum Beispiel die weißen Markisen vor den Fenstern, an denen Simon