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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1937-12-01 · 23 (1.12.1937) · p. Seite 415

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
13 (Ausgabe B) (1937)
Issue
23 (1.12.1937)
Date
1937-12-01
Page
Seite 415 (sequence 7)
Language
German
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(angeschlossen dem Reichsverband der Judischen Kulturbunde in Deutschland) Ortsgruppe Aiiiiiclien Anschrift: Müncherv T3, Mejheidstraße 33 Mitteilung an die Mitglieder! Die Dezemberrate (1.50 RM.) des Jahresbeitrags ist fällig und wird bei denjenigen Mitgliedern, welche sie bis 15. Dezember nicht an der Kulturbundkasse entrichtet haben, durch den Kassier mit einem Aufgeld von 30 Rpf. in der Wohnung eingehoben. An der Kulturbundkasse liegen die Eintrittskarten für folgende reguläre Veranstaltungen auf: , Klavierabend Erich Landerer am 9. Dezember; 10. Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München am 27. Januar 1938. Ferner sind die Eintrittskarten für den Heiteren Abend Max Ehrlich (Sonderveranstaltung am 5. und 6. Januar) erhältlich; Preis 1.10 RM. für Mitglieder und Abwechsler. Aus räumlichen Gründen kann nur eine beschränkte Anzahl von Eintrittskarten ausgegeben werden; es wird daher empfohlen, die Karten schon jetzt zu lösen, r r . *; IP'Ää'? \ \ f>. ---J '/ Erich Land er er konzertiert am 9. Dezember. Konzerf An nie Steiger-Befzack Annie Steiger-Betzak ist längst als- Geigerin von hohen Graden in München bekannt und geschätzt; eine zahlreiche Hörerschaft fand sich zu ihrem Konzert ein. Die überlegene Technik, der kraftvolle, manchmal männlich herbe, dann wieder bezaubernd süße Ton, vor allem aber eine reife, verinnerlichte Gestaltungskunst, verbunden mit lebhaftem Temperament und unverbildeter, ursprünglicher Lust am Musizieren, sind die Eigenschaften, die den Vortrag der Geigerin charakterisieren. Das Programm gab der Künstlerin Gelegenheit, ihr vielseitiges Können zu entfalten. Wir hörten zunächst die Violinsonate von Maurice Ravel, der vielleicht als der bedeutendste französische Komponist der Gegenwart anzusprechen ist, Freilich gehört derade dieses Werk nicht zu seinen stärksten Eingebungen; aber es kennzeichnet deutlich und symptormatisch eine Übergangsperiode der modernen Musik, die auch heute noch besteht und längst noch nicht überwunden ist. Der erste Satz ist beherrscht von einem figurierten Thema Händelscher Art; die harmonische Anlage aber ist impressionistischen Charakters und weist manche unnnötige Härten auf. Seltsam kontrastierend wirken darin einige stimmungsmäßige Partien und opernartige Lyrismen von nicht allzu hohem Wert. Der zweite Satz ein Blues, dessen Banalität durch die häufig angewandten „falschen" Harmonien in keiner Weise gemildert wird. Vollends weist der dritte Satz — Perpetuum mobile — keinen Einfall auf und ist lediglich als technische Angelegenheit zu bewerten. Diese Sonate ist so recht ein Beweis für die bizarre Zerfahrenheit, welche die Lage der „modernen" Musik kennzeichnet; alte Formen sollen um jeden Preis gesprengt werden, ohne daß ein mehr-als bescheidenes Quantum von Einfällen oder gar wirklicher Originalität als Ersatz geboten werden könnte. Lediglich als Versuch, zu neuen Ausdrucksformen zu gelangen, ist solche Musik anzusehen. Da es sich dabei uhi keinen Einzelfall, sondern um eine höchst bedeutsame Situation in der Entwicklung der zeitgenössischen Kunst handelt, ist es richtig, sie gelegentlich in den Konzertprogrammen zu berücksichtigen. Es gehört Mut dazu, sich mit diesen Problemen auseinander zu setzen, und es schadet nichts, wenn manchmal die altgewohnten, oft sehr ausgefahrenen Geleise verlassen werden. — Fritz Kreisler gibt in seinem „Konzert im Stile von Vivaldi" ein frisches, munteres Musizieren, stilistisch nicht gerade steng- und einheitlich, aber von lebendigem und gesundem Empfinden erfüllt. Besonders gut gefiel darin der langsame Satz. — Die Violinsonate von Bernhard Sekles, dem allzu früh Verstorbenen, ist Annie Steiger-Betzak gewidmet; wir hörten die beiden Mittelsätze aus dem Manuskript. Das Andantino ist getragen von einer schlichten, kleinen Melodie; ein hübsches, romantisch angehauchtes Sätzchen. Hervorragend das, Scherzo, ein kleines Meisterwerk in der Erfindung wie im Aufbau. — Ein blendendes Virtuosenstück ist das ausgezeichnet gearbeitete Capriccio von Rimsky-Korsakoff (aus der „Legende vom Zaren Saltan");. da„- gegen mußte die allzu süße Meditation von Glasounow stark abfallen. — Zum Schluß gab es eine. Mozartsonate, die. in F- Dur mit dem Menuettschluß; überflüssig zu sagen, daß dieser Sprung in die klassische Vergangenheit die Krönung des Programms bildete. ' r Zeigte die Geigerin in dieser vielgestaltigen Vortragsfolge ein geradezu stupendes Einfühlungsvermögen und eine.unbeT irrbare Sicherheit in der stilistischen Ausdeutung, so gilt dies nicht weniger von ihrem Partner am Flügel, Paul Meyer. In ihm lernte man einen ausgezeichneten Pianisten kennen, der die anspruchsvollen Klavierpartien des Programms technisch und musikalisch hervorragend durchführte. Seine Begleitung war vollendetes Kammermusikspiel. a. Ein neues Werk des Dichfers Agnon S. J. Agnon: Jamim Noräim. Berlin, Schocken- Verlag, 1937: Das neue Werk führt den Leser zu den eigentlichen Quellen der Agnon'schen Kunst. Aus den ebenfalls im Schoeken-Verlag erschienenen Bänden seiner Gesammelten Werke ist schon ersichtlich, daß Agnons Meisterschaft auf der großartigen, umfassenden Beherrschung des altjüdischen Schrifttums, beruht, aus der seine Sprache und der so anheimelnde _ zarte Ton seiner innigen „Meliza" fließt. Während die. neuhebräische, Dichtung im allgömeinen den lebendig spürbaren Zusammenhang mit der

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