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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1937-11-15 · 22 (15.11.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
13 (Ausgabe B) (1937)
Issue
22 (15.11.1937)
Date
1937-11-15
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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•Nid. Kulturbund in Bayern (angeschlossen dem Reichsverband der Judischen Kulturbünde in Deutschland) Ortsgruppe Atüiiclicii Anschrift: Mönchen 13, Adelheidstraße 33 Mitteilung an die Mitglieder! Als nächste Veranstaltungen sind vorgesehen: Am 9. Dezember 1937 ein Klavierabend des Pianisten Erich Landerer (Berlin); am 27. Januar 1938 das 10. Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München unter Mitwirkung von Bläsern der Kulturbundorchester Frankfurt a. M. und Berlin, Dirigent Kapellmeister Erich Eisner. Um den Mitgliedern trotz der Saalschwierigkeiten auch eine heitere Veranstaltung bieten zu können, ist der beliebte Berliner Kabarettist Max Ehrlich-für 5. und 6. Januar zu einem Gastspiel eingeladen worden. Die Abende werden als Sonder- Veranstaltung im Turnsaal des Jüd. Turn- und Sportvereins stattfinden. Die Eintrittskarten für vorstehende Veranstaltungen werden ab Mittwoch, den 1. Dezember, an der Kulturbundkasse abgegeben. n Tib erias ii Aus dem neuen „Palästinensischen Tagebuch" von Manired Sturmann Manfred Sturmann, Palästinensisches Tagelblich. 8°. 58 Seiten. Brandus'sche Verlagshandlung, Berlin 1937. Preis kartoniert RM. 1.60. Rechtzeitig vior Chanukkah läßt der Brandus'sche Verlag in ansprechender Ausstattung das Tagebuch, von Sturmann erscheinen. Hier sieht ein Dichter das Heilige Land jenseits der politischen und wirtschaftlichen Sorgen. Wir veröffentlichen aus dein Tagebuch den Abschnitt ülber Tiberias, wo sich zwei uns allen Bekannte aius München wieder begegnen. -. Tibeiiias ist als Stadt so anders, als die Städte Jerusalem, Tel-Aviv und Haifa, daß .man sich in eine neue Welt versetzt glaubt, wenn rhlan sich, von Afulle über das malerische Naizareth kommend, diesem Orte nähert. Tiberdias, rinigs von Bergen eingeschlossen lund unter dem Meeresspiegel liegend, mutet wie eine" versponnene idyllische Märchenlstätte an. Es ist wahrlich so, als wären die Stürme der Zeit über die Stadt hinweggebraust. ohne sie anzurühren. Hier treffen wir auf unverfälschten Orient. Mir schien es, da ich aus dem Autobus stieg, als wären wir in 'einer Stadt aus Taiuisenldundeine Nacht gelandet. Bezeichnend für Tibenias ist der alte Jisohuw: Schon im Bet Chlofiim bei Afiule wurde mir . ein Fischer aus Tibenias gezeigt, der Turban -und Burnus trugt dessen dunkelbraunes Gesiebt von einem wundervollen Bart umrahmt war und der, an echter orientalischer Ruhe auf einem niederen Stuhl hockend, vor sich himsanh. Selbstverständlich hielt ich ihn für einen Araber. Es wlar aber ein Jude. . -' So wie die Stadit feien Charakter bewahrt hat, haben auch die Juden ihr an die Araber assimiliertes Leben bewahrt: sie sind äußerlich kaum von ihren nichtjüdischen Mitbürgern ziu unterscheiden, kleiden sich wie sie und sprechen arabisch als Muttersprache. Sie wohnen nicht in getrennten Bezirken wie in Haifa oder Tel-Aviv, sondern leben zusammengedrängt mit ihren arabischen Nachbarn..... .Tiberias ist wirMioh die Perle des Landes. Schöner und malerischer 'kann es nirgends auf der Erde sein, unid ich frage mich, ob das alles in Wahrheit vor mir steht, oder ob es nicht nur eine trügerische Luftspiegelung ist. Geborgen von den Bergen Galiläas, die übertürmt sind von der schneeigen, in den blauen Himmel tauchenden Spitze des Libanon, und gesobmiegt an das weiche Uferidles Sees — welch'ein Bild! Tibenias ist die Stätte der Ruhe und Heilung — man begreift, daß hier Religionen gegründet werden 'und Wunder geschehen konnten. Der See leuchtet wie ein blauer, in der Sonne funkelnder Edelstem, hohe Königspalmen grüßen den Ankommenden, und durch das dunkelgrüne Laub der Pardessim schimmert die goldene Fälle der'Orangen. Ich frage nach einem Bekannten, der hier in Tiberias ein Hotes besitzt. Das Haus aber ist van_ englischen Truppen besetzt, und ich finde nach langem Suchen die Besitzer in einer kleinen Mietswobnung, in der sie sich indessen notgedrungen eingerichtet halben. Die Idylle Tiberias ist brüchig, wie ich sehe. Man soll sich in diesem Lande vor Romantik hüten — und hatte ich es mir nicht auch vorgenommen? Die Zeitumstände und die Unruhen sind nicht ohne Folgen über die Märohenstaldlt hinweggegangen. Ich merkte es später nochmals, als die englischen Panzerwagen mit ihrem ScheinwerferMoht die schlafende Stadt durchlärmten. Mein Bekannter hat aus erwähnten Gründen im Augenblick viel Zeit. Das kommt mir zugute, und ich habe an ihm einen umsichtigen Führer durch die Stadt — und einen kenntnisreichen dazu, denn er war früher in Deutschland Kunsthistoriker. Zunächst gehen wir auf den Markt. Dort wogt es vor kunterbuntem Leben. Es ist Orient in reinster Form: Araber, braune und schwarze, Juden — solche ans Damaskus und aus Persien, solche aus dem europiisohen Osten nud solche aus Deutschland. Sie kaufen und verkaufen, und gemäß ihrer Herkunft tun sie es aufgeregt und mit Geschrei, oder 'kühl und still überlegend. Dazwischen promenieren englische Schutzleute, gelaiiigweilt ihre weißen, wohl nur als Zierde dienenden Spaizierstöckchen schwingend. Beduinenfnauen stillen, auf der Erde hockend, ihre Säuglinge. Eine Kamelkarawane bahnt sich .gleichmütig ihren Weig durch die Menge. Ich bin geradezu betäubt von so viel Leben und Buntheit. Wir gehen zum See .hinunter. Durch winzige Gäßchen mit uralten halbverfallenen Häusern. Eine neue Straße, breit wie eine Uferpromenade, führt dem Ufer entlang. Wir können den ganzen See überblicken, er ist glatt wie ein Spiegel. Im Wasser stehen Fischer, Idlie bis zu den Lenden nackt sind'. Sie reparieren ihre Netze und belügen sich in die Boote. Einer von ihnen singt — wieder auf 'diese seltsam monotone Art, die das Ohr des Europäers irritiert. An den Friedhöfen vorbei — sie sehen in Palästina, ohne Blumen und Schmuck und gar oft verfallen," wirklich wie 'die Stätten des Todes aus — kommen wir zu den Bädern. Wir besichtigen die neuen, von Juden gebauten Anlagen. Das Wasser, sauber in Beton gefaßt, kommt dampfend zu Tage. Es ist so heiß, daß man gerade noch die Hand in den Wasserstrahl halten kann. Welch eine Geschichte haben diese heißen Bäder von Tiberias! Juden und Römer benutzten sie. und dann die Söhne Mohammeds.

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