Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 22 (15.11.1937)
- Date
- 1937-11-15
- Page
- Seite 395 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 395 Aus der-Darsteliiung 'der Finanzlage der jüdischen Organisationen in Deutschland und der Auffassung .unserer ausländischen Freunde, daß auch wir selbst zu wirklichen Opfern bereit sein müßten, haben die Zuhörer den Eindruck mit nach Hause genommen, daß eine verstärkte ideelle und materielle Mitarbeit jedes Einzelnen, der dazu noch irgendwie in der Lage ist, am allen öffentlich-jüdischen Einrichtungen drängend geboten ist. Der Vortrag schloß mit einer Würdigung der. vorbildlichen Persönlichkeit von, Felix Warburg, an dem sich, jüdisches Selbstbewußtsein aufgerichtet habe .und weiterhin aufrichten solle. W. C Jüdischer Turnu. Sportverein München e. V., Jtus" Geschäftsstelle: PlineanserstraBe 76. Telefon 72 6 99. Tennisplätze: 73 6 66. Sekretariat: PlinganserstraBe 76. Sprechzeit: 10—13, 15—22 Uhr. Sportplätze an der HarbachstraBe (Linie 6 Forstenriederstraße). PlinganserstraBe 76: Turnhalle- Box- Judo-. Tischtennis-Säle und Kegelbahn. Unsere Chanukkahfeier findet am 28. November, abends 20 Uhr. in unserer Turnhalle statt. Wir laden unsere Mitglieder und Freunde ein und empfehlen ihnen, sich rechtzeitig Karten an den Vorverkaufsstellen zu bestellen, da diese erfahrungsgemäß immer sehr schnell vergriffen sind. (Siehe Inserat.) Sport-Vorschau! •21. November: 9 Uhr und 14.3,0. Uhr Jugend-Turn-Meisterschaften der bayer. •Vereine, Turnhalle, PlinganserstraBe 76. 28. November: 20 Uhr Chanukkahfeier in der Turnhalle. Im Dezember werden unsere Rasenspiel-Mannschaften Rückspiele absolvieren. Unsere Jugend-Fußball-Mannschaft kämpft mit dem nordbayerischen Meister J.S.C. Fürth um den Titel des Bayerischen Meisters. Gleichzeitig spielen unsere Handballerinnen gegen Fürth. Weitere Wettspiel-Abschlüsse mit erstklassigen Mannschaften, sind in Vorbereitung. 'Sport-Rückblitok imuß wegen Platzmangel vorläufig zurückgestellt werden. Mitteilungen! Die Ski-Abteilung veranstaltet in den Weihnachtsferien Führungstouren für unsere Jugend, und zwar für Anfänger und Fortgeschrittene in möglichst schneesicherem schönen Skigebiet. Dauer 7—10 Tage. Fahrtkosten etwa 10 RM. Die Kosten für volle-Unterkunft, Verpflegung und tägliche Führung werden zwischen 4.50 und 5.50 MR. liegen. Der Betrag muß bei der Anmeldung, spätestens aber bis 13. Dezember in bar an der Geschäftsstelle entrichtet werden. Evtl. weitere Auskünfte sind ebenfalls an der Geschäftsstelle zu erholen. Unser früheres Mitglied Seppl Baß hat auch in seiner neuen Heimat sich sein erstklassiges Können erhalten. Zu unserer großen Freude gelang es ihm den Titel: C h a m p i o n of South Afrika (Meister von Südafrika) im' Geräteturnen zu erringen, wozu wir ihn auch an dieser Stelle herzlichst beglückwünschen. . , _ Die Judö-Abteilung übt fleißig jeden Montag und Mittwoch abend im Boxraum. Neue Interessenten können vorläufig noch am Training teilnehmen; ein in Aussicht genommener Kurs wird bald beginnen. Aus bayerischen Gemeinden Aus der Gemeinde Bamberg Jüdischer Kulturbund. Die Ortsgruppe Bamberg darf stolz diarauf sein, als erste Hinter den bayerischen Ortsgruppen berufsmäßige Theateraufführungen unter ihre kulturellen Darbietungen aufgenommen zu halben. An zwei Abenden — der zweite galt als Werlbeveranstaltung für den gesamten Rabbinatsbezirk — brachte idas Hamburger Kulturbund-Theater, das einzige konzessionierte jüdische Reisetheater in Deutschland!, unter der Regie von Dr. Haans Biuxbaum, einem Sohn Bambergs,- das reizende Lustspiel „Jean" von Bus-Fekete. Bin vorzügliches Zusammenspiel. prachtvolle Einizelleistungen, -die geschmackvolle Regie Buxbaums, das alles sicherte einen Erfolg, der seinen Ausdruck dn BeaifaJilsstürmen des an beiden Abenden vouV besetzten Saales fand. Aus dem Reiche Arbeitstagung der Reichsvertretung über Gegenwartsfragen Jüdischer Sozialarbeit Vom 29.—31. Oktober fand! fei Heim des Jüdischen. Fraiuenbunldes in Lehnitz eine, von der Reichsyertretung der Juden M. SII^BEÜTHAII «fc <JO. KAUFIXGERSTRAS8K 10 Das Haus für hübsche Geschenkt in Uhren Ächnmck Silberwaren Ohanukkalenchter in allen Preislagen in Deutschland einberufene Arbeitstagung der jüdischen Fürsorger und Fürsorgerinnen statt. Etwa hundert Mitarbeiter der jüdischen WohlfaihrtssteMen und Wirtsohaftshilfsstelllen im Reich sowie. die PravraziaKürsonger und -tosoreerönnen der Reichsvertretung nahmen daran teil. Bei den Tagung, die von Dr. Pauli Eppstein und Dr. Georg Lubiniski geleitet wurde, wurden Gegenwartsfragen der jüdischen Soz-iaterbeit, insbesondere der Ausbau der Gesundheitsfürsorge, 'die Auswanderungsvorbereitung und Wirtschaftshilfe behandelt. Prdf. Dr. Erich SeMganann gab einen Uberbliclk über den gegenwärtigen Stand der Jüdischen Gesundiheitsfürsorge und begründete die Notwendigkeit und die Wege für -ihren Ausbau. Dr. Pauli Eppstein behandelte Probleme der Aiuswanderungsvorberertung im Zusammenhang, mit der Entwicklung der Auswanderungsmöglichkeiten in wirtschaftlicher, sprachlicher und wanderungstechnischer Hinsicht. Für 'die außerpaftästinensische Wanderung 'ist die allgemeine Auswanderungsvorberedtung gegenüber einer spezifischen Berufsausbildung in den Vordergrund getreten. Zur Förderung der Auswanderung im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten müssen neben , der beraifKchen Fortibildiung die sprachliche Vorschulung der Attswanderangsanwärter systematisch' in Angriff genommen, die Möglichkeiten einer Vorfinanzierung der Auswanderung durch Liquidationskrednte und die Erschließung zusätzlicher Transfermöglicbkeäten wahrgenommen werden. Käthe Roisenheim berichtete im besonderen über den Stand der Unterbringung von Kindern in den Vereinigten Staaten und neuerdings auch in Australien, sowie über 'die Erforderisse für eine Auswahl und Auswanderungsvorbereitung der Jugendlichen. Über das Problem der Answarfderungsvorbererfcung, die derzeitige Ordnung des BerufsausMdungswesens sprach Dr. Georg Josephthal. Er gab einen Überblick über die wanderungspoiHtischen und pädagogischen Probleme. Besonders ging er darauf ein, wie ursprünglich die Berufsausbildung eine möglichst große Anzahl junger Menschen zu einer NbrroaiMisierung der Berulfsstruiktur führen sollte, während praktisch, nicht zuletzt aus finarazfieWen Gründen, von den Schulentlassenen jeden Jahrganges nur ein Teil einer Berufsausbildung in Lebrgüterni und Lehrwerkstätten zugeführt werden konnte. Dabei wurde betont, wie notwendig es sei, bei den Jüngeren die Berufsau'sbilidung in den Mdttelpunlkt der Auswanderungsvorbereitung zu stellen umld alle Kräfte der Gemeinschaftserziehung, auch für die außerpalästinensische Auswanderung, einzusetzen. Über Möglichkeiten und Grenzen einer Prodiufctivierung im Rahmen der Wirtschaftshilfe, insbesondere über neue Formen der Kredithilfe wurde von Dr. Ernst Weissenberg-Breslau, Dr. Bruno Mendedsohn und Gerächtsassessor a. D. Martin Brasch- Benlin berichtet Im Anschluß an die Referate erfolgte ein Erfahrungsaustausch über die Einsatzmögliobkeiten der KredithiMe unter Berücksichtigung derjenigen, wirtschaftlichen Betätiguugsmöglichkeiten für die nicht oder noch nicht auswanderungsfähigen Juden in Deutschland . Dr. Georg Lubiniski ging in seinem abschießenden Referat „Wie kann die (jüdische Sozialarbeit künftig ihre Aufgaben erfüllen?" davon ans, daß durch de feimer stärkere Beschränkung der verfügbaren Mattel ein geschlossenes System der jüdischen Fürsorge zweifelhaft werde, und daß es daher dringend erforderlich sei, rechtzeitig die verfügbaren Mittel so zusammen zufassen und den einzelnen Sachgebieten der jüdischen Sozialarbeit zuzuorldtnen, daß die unzureichende Erfüllung von Aufgaben der Sozialarbeit (wie etwa bei der Berufsausbildung oder Gesundheitsfürsorge) möglichst vermieden werden könnten. Um die vorhandenen Mittel möglichst rationell zu verwenden, wurde die Forderung begründet, eine Koordinierung der Sammlungen herbeiziräühren, eine Anpassung der Steuer-' sätze bei den jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbänden in die Wege zu 'leiten und eine Etatkontrolle im Sinne der Mit-, Wirkung eines zentralen Organs bei deisAufstellung von Haushaltsplänen der .Gemeindein und sonstiger Institutionen durchzuführen. Nur wenn -diese Forderungen auf Grund allgemeiner Einsicht-in freiwilliger- Zusammenarbeit verwirklicht werden, wind die jüdische Sozialarbeit auch unter künftig noch schwereren Voraussetzungen ihre Anfgaben erfüllen können. Bei der Tagung wunde angesichts des Ernstes der zur Erörterung stehenden Tatsachen und Fragen erneut eh» starkes Gefühil der Verantwortung lebendig, das die jüdischen Sozialarbeiter in Erfüllung ihrer Aufgabe verbindet.