Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 21 (1.11.1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 380 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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380 . Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinderi in Bayern Nr. 21 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig p üst* Umfelder Qjtub.fr mündjen. im Woiental P acques Kosenl thal 1 In München starb 83jährig der Nestor der europäischen Barch- und Kunst-Antiquare, Herr Jacques Rosenthäl. Ein Leben van seltener Erfülitiieit ist mit ihm erüoschen. Seine Leidenschaft für das alte Buch, insbesondere für. mittelalterliche Handschriften und frühe Druckwerke führte ihn frülu zeitig auf Wege, welche bis dlahin niemals ein deutscher Antiquar beschnitten hatte. In Deutschland war nicht, wie in Frankreich und England, eine ausgedehnte Samimertraidition vorhanden und so hieß es bald die Haupttätigkeit nach dem Ausland zu verlegen. Der erste größere Aufenthalt in Paris fiel in das Jahr 1878. Von da an verbrachte Jacques Rosenthäl viele Jahrzehnte hindurch einen großen Teil des Jahres, mit Stadien, Einkauf und Verkauf beschäftigt, in diesen Ländern und in Italien. Für das schwierige Gebiet der mittelalterlichen Handschraftenkunde, das er als Autodidakt erlernen mußte, erstand ihei in Leopold Delisle, dem berühmten Leiter der Brbliotheque Nationale, ein stets bereiter Lehrer. Während1 er auf diese Weise zum besonderen Kenner der Miniatur-Handschriften sich ausbildete, gestattete ihm seine unermüdliche Beschäftigung mit den •Frühdrucken eine Ansammlung solcher Bücher, wie sie niemals vorher in der Hand eines Antiquars sich vereinigt hatte. Zur Guitemberg-Feier des Jahres 1900 vermochte er in einem Katalog auf 1500 Frühdrucke seines Besitzes hinzuweisen. Samt, Seide und Wolle geschmackvoll, haltbar u. preiswert bei HAI M ANT N am Schillerdenkmal # Ihre Ausstattung von BengeiY Prof. Jfiger, Ribana, Bleyle, Heinzelmann bei AdolpKScIlleSillgerjPrielmayerstr. 12 Spezialist für Unterwäsche, Strumpf- und Strickwaren Waren die Anifäoge in gemeinsamer Arbeit mit dem älteren Bruder Ludwig Rosenthal in München geleistet worden, so. drängte es den sich so stark und eigenartig Entfaltenden-zur vollkommener Selbständigkeit. 1895 gründete er seine eigne Firma in München und 1911 wurde das berühmte Haus ain der Brienner Straße bezogen, ein wahrhaft museales Antiquariat, in welchem sich auf eine nie dagewesene Art die wissenschaftliche Forschuinig und der Handel zusammen verbanden. Keine große Bibliothek der Welt, zu welcher nicht Beziehungen erhalten worden wären! Keim großer Sammler, wellcher nncht in iflen Kreis dieses Hauses gezogen worden wäre! Für die Preussische Staiatbibliothek erwarb Jacques Rosenthäl1 d'as berühmte Karolinische Evangeliarium Prumense; für Wilhelm IT: .eine umlänigreidhe Korrespondenz Voltaires m;t Friedrich dem Großen. Ein Guteiiibergdonat, heute ebenfalls der Berliner Bibliothek gehörig, geht in der Literatur unter seinem Namen. Nichi': minder wichtige Handschriften konnte Jacques Rosenthäl der Bayerischen Staatsbibliothek vermitteln, so ein Evanigeliar aus Tegernsee und. vor wenflgen Jahren noch, die VershiandSchrift eines mittelalterlichen bayerischen Dichters. Den inländischen und ausländischen Bibliothelken gegenüber trat Rosenthäl vielfach auch Spender von kostbaren Werken auf. Diese seine reichen Verdienste wirrten.- durch Verleihung 'besonderer Medaillen und Ehrenurkunden (Universität Berlin. Universität München) gewürdigt; durch den oreussisehien wie den bayerischen Hof erfuhr . er besoniiere Auszeichnungen und Ordensverleihungen: von ausländischen Bhrunieren sei auf eine solche" des Paostes verwiesen, sowie auf seine Ernennung zum Offizier d'Acaidemie durch die französische Regierung, welche ihm für wertvolle. Soenden an die Bibliotheque Nat:oneile besonderen Dank schuldete. Jacques Roseuitihal srriff auch als Verleger in d'ß Welt der Bücher ein. In der Erkenntnis, daß die Inventarisierunie der Inkunabeln drinigerid1 emer Überarbeituni<r und' Vervollständigumg bedürfe, gah er Reiohlinig den Auftrae. den gesamten Inkunabel-Bestand des Kontinents zu überprüfen, was zu den 7-Mnidiigen Nachträgen zu Hain führte. Alle weiteren» Verlaigswerke, wie die Vcln Apoonyi. .Duri-ieu. Haebler. sowie die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift ..Beiträge zur Forschung" dienten der Erkenntnis des alten Buches, der Handschrift wie des" Frühdrucks, aber auch der frühen Graphik, der Miiniiaturmalerei. . Bisweilen nahm Jacques Rosenthäl auch .schriftstellerisch an diesen Gebieten Anteil. Wir nennen kurz eine Arbeit: ..Dani'e und die deutschen Prototypognaphen". solche über den fran- . zösiseben Sammler Grolier sowie über den gelehrten Büdherdieb Libri; viel ungedruöktes Material .ist insbesondere dlern Frühdrucker Johann Numeister gewidmet. Forschuimgen. in welchen Jacques Rosenthäl durchaus neue Wege einschlug; vor fünf Jaihren setzte er sich in seinem aufsehenerregenden Artikel mit dem Schicksal der aus Nürnberg stammenden deutschen Reiehskleincdien auseinander. Wir möchten den heutigen Nachruf mit einem Saltz beschließen, welchem ein berühmter Schriftsteller zum 75. Geburtstaig Jacques Rosenttals seinem Lebenswerk widmete: „Hier handelt es sich Ulm mehr als um eine kuin«i'.wirtschaftliche Tatsache ersten Ranges; hier handelt es sich auch um; eine Tatsache der Münchener Geistesg, e schichte.; um eine Tatsache von hohem ideell e n- Wert. Denn Jacques : Rosenthäl ist von Antöanlg an nicht kurzhin ein „Händler" gewesen; er war von Anifamg an, war vor allenn ein Gelehrter von Ramg, und im Laufe seines langen Lebens hat er in einer für Deutschland bis dahin nicht eben gewohnten Weise den Typus des wissenschaftlich gebildeten, am Objekt auch geistig, gelehntenmäßiig mit Leidenschaft initeressierteini Haudels-Antiquars ausgebildet"