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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-05-01 · 9 (1.5.1937) · p. Seite 191

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
9 (1.5.1937)
Date
1937-05-01
Page
Seite 191 (sequence 7)
Language
German
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•liid. Kulturbund in IbiYcra Ortsgruppe Mitteilung an die Mitglieder An der Kulturbundkasse liegen die Eintrittskarten für folgende Veranstaltungen auf: 10. Mai: Liederabend Alexander Kipnis. 3. Juni: Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München. Für den Monat Juni wird keine Beitragsrate erhoben. Die letzte Monatsrate des Jahresbeitrags 1937/38 (Monat Mai) ist fällig und wird bei denjenigen Mitgliedern, welche sie nicht bis 14. ds. Mts. an der Kulturbundkasse entrichtet haben, mit einem Aufgeld von 30 Rpf. durch den Kassier eingehoben. Alexander Kipnis zu seinem Liederabend am 10. Mai Puppentheater Münchener jüdischer Künstler Im März gelangte im Kulturbund durch das Puppentheater Münchener jüdischer Künstler die Operette vom Jacques Offenbach: „Die Insel Tuliipatan" zur Aufführung. Auch der Anspruchsvolle wurde befriedigt und verspürte den geheimnisvollen künstlerischen Reiz der Puppen; man wurde sich darüber klar, wieviel Fleiß und künstlerisches Können nötig ist, u.m ein so geschmackvolles und1 reizendes Puppenspiel in Szene zu setzen. Zum Gelingen des Abends trug auch der gesangliche Teil bei; Dr. Josef Waildmier hatte die musikalische Leitunig. Die Gesangsrollen waren im übrigen wie folgt besetzt: Soniia Ziegler (Sopran), Renate Loeb (Alt), Rudolf Offenbacher (Tenor), Walter Cape/Ii (Baß) und Walter Riess (Baß). Die eingestreuten Scherze und baumlosen Anspielungen fanden ein dankbares Puiblikiuirn. In einer sorgenbeschwerten Zeit wie der heutigen wirkten sie erquickend in Verbindung mit der der Operette 'ohnehin innewohnenden Komik, insbesondere durch die Rolle der als Sohn aufgewachsenem Tochter umd des als Tochter aufgewachsenen Sohns, mit dem Höhepunkt ausgelassensten Jodete und Hüpfens, wo der Ausdruck tiefen' Schmerzes erwartet wurde. Last not least zu Ottenbach selbst! Wie alles, was dieser Komponist geschaffen hat, ist dlie nicht wie die großen Schlager bekannte „Insel Tuliipatan" voll musikalischen Reizes. Alles in allem: Ein gelungener Abend, der Frohsinn auslöste und den Erfolg der Marionettenbühne entschied, die eine wichtige Bereicherung des jüdischen Kunstlebens Münchens bedeutet. Moritz Heymann zum Gedenken Vor kurzem starb in München Moritz Hey man,m, eine im Münchener Kunstleben weitbekannte Persönlichkeit. Er gründete 1901 „die Sohule für zeichnende Künste und Malerei", die stets unter seiner persönlichen ausschließlichen Leitung stand und einen internationalen Ruif hatte. An seinem 60. Geburtstag konnte Heymann auf die stattliche Zahl von 5000 Schülern zurückblicken, eine Zahl, die sieh in den letzten Jahren noch vergrößerte. Die Schule begann im Zeichen der wiedererweckten Lithographie, der man neue zeichnerische und malerische Reize abgewann, bereits „fertige" Künstler besuchten damals die Schule, um sich die lithographische Technik anzueignen und gaben gleich zu Anfang der Schule ein besonderes Gepräge. Aus diesen Anfängen entwickelte sich eine Zd'Cheinsohule im besten Sinne; Heymann, ein glühender Verehrer Menzels, war dazu wie berufen. Die Schule war nicht auf irgendwelche „Ismen" festgelegt, auch ohne Scheuklappen nach rechts und links. Heyrnann erkannte und wahrte die individuelle Begabung jedes Schülers und so entwickelte sich aus der internationalen Schülerschar Künstler von Namen aller Kunstschattierungen (Pascin, Deutsch, Seewald, Umold, der amerikanische Pressezeichner Robert Roth etc.). Um am Beispiel alter und neuer Meister einen wahren Qualitätsbegriff heranzuziehen, führte Heymiann seine Schüler regelmäßig, Vorträge haltend, durch die Galerien. Seinen ärmeren Schülern, deren Mittel nur für eine kurze Ausbildungszeit ausreichten, stand er unermüdlich zur Seite, um ihnen das Lehrlingspensum erreichen zu helfen. Neben der zeichnerischen Lehrtätigkeit in der Schule kam tun eigenen Schaffen der stänke innere Drang, seine malerischen Erlebnisse in Farben auszuleben, das lichte Venedig mit seinen farbigen Volksmassen und Badegästen, der Zirkus, Rennplatz waren die bevorzugten Motive seiner Bilder, nicht zu vergessen seine eigenen Hunde als Modelle. Heymann liebte das Tier und jeder, der ihn kannte, freute sich über das gegenseitige Verstehen, das zwischen ihm umd seinem umzertrennilichen Foxlpaar bestand. Als Mitglied der Luitpold-Gruppe sah man seine faTtbigen, originellen Bilder in den Münchener Ausstellungen; die Galerien München, Dresden, Worms neben vielen Privatsammlwngen aller. Länder erwarben seine Werke. Mit dem Wachsen der Schule wurde die Zeit für die eigene künstlerische Produktion natürlich recht gekürzt, aber seine Schüler sorgten ihrerseits dafür, daß Heymainm seine eigene Arbeit nicht aufgab, und Montags wurde im Privatatelier Heymanns von seinen Schülern Nachschau gehalten, was der Meister Sonntags geschaffen hatte. Heymann war 1870 in Breslau geboren, seinen ersten künstlerischen Unterricht erhielt er von Prof. Albrecht Bräuer in Breslau, dem Urbild Gerhard Hauptmanns „Michael Krämer", in dessen Schule sieh damals Talente wie die Brüder Erler, Münzer, Spiro, von Kunowsky etc. zusammentrafen, später war Heymann noch Schüler bei Prof. C. v. Marr an der Münchener Kunstakademie. Viele seiner Schüler und Kameraden werden Heymann ein treues Gedenken bewahren, er war vielen ein aufopfernder Freund und Lehrer. Sein Leben umd Wirken war ein Stück Münchner Kunstgeschichte, das nicht fortzudenken ist. Eine hebräische Uraufführung in Berlin Gespielt durch die Schüler der Theodor-Herzl-Schule Schulaufführungen, so sagt man, haben gewöhnlich ein dankbares Publikum; Väter, Mütter, Onkels, Tanten der kleinen Schauspieler beeifern sich, nach altbekannter Weise zu versichern, daß „unser Junge doch eben noch immer das begabteste Kind im Gheder" ist. — Aber hier schreibt jemand, der (zu seinem eigenen Leidwesen) weder Sohn noch Tochter, weder Neffen noch Nichten unter der kleinen Theatertruppe besaß: unbeeinflußt ist also das Urteil: Hier erlebten wir wirklich einen Abend von ganz besonderem Gepräge. Dabei hatte gerade diese Schulaufführung der Theodor-Herzl- Schule. wie die Schulleiterin in ihren einleitenden Worten offen hervorhob, in ihrer Vorbereitung mit besonderen Hindernissen zu kämpfen. Ein rein hebräischer Abend sollte es sein: würde man unter den Eltern und Freunden der Schule dafür Verständnis und willige Hörer finden? Ferner: was sollte man spielen? Selbst Anfragen in Palästina ergaben nicht viel Befriedigendes.

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