Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (15.4.1937)
- Date
- 1937-04-15
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiitl. Kulturbund in Bayern Ortsnnippc Mitteilung an die Mitglieder! An der Kulturbundkasse liegen die Eintrittskarten für folgende Veransatltungen auf: 28. April: Streichquartett des Jüd. Kulturbundes Rhein-Main. 10. Mai: Liederabend Alexander Kipnis. 3. Juni: Symphoniekonzert d. Kulturbundorchesters München. Die Eintrittskarten können bei Entrichtung der April- bzw. Mairate des Jahresbeitrags abgeholt werden. Die Aprilrate ist bereits fällig und wird bei denjenigen Mitgliedern, welche sie nicht bis 16. ds. Ms. an der Kulturbundkasse entrichtet haben, mit einem Aufgeld von 30 Rpf. durch den Kassier eingehoben. , Der dramafisierfe „Pojaz" Roman von Franzos Zu der Dramatisierung von Georg Hirschfeld (München) Schwerer noch als der Epiker oder der Lyriker hat es heute der Dramatiker, sich in dem engen Ghetto seines Stoffgebietes zurechtzufinden. Nicht jedem kann es vergönnt sein, dichterischer Prandfinder von Erez Israel zu werden. Der in seinem Wirtsvolke schon generationenlang wurzelnde geistig schaffende Jude findet erst allmählich einen neuen Stoffkreis, besonders aber die Persönlichkeit, der es nicht nur um das Äußerliche, sondern urni das innerste Erleben seines Stoffes zu tun ist. Schon das Ghetto des Ostens ist uns westlich orientierten Kulturmenschen meistens völliges Neuland. Wir erinnern uns vielleicht an ein paar prägnante Mitstudenten an großen Universitäten, wir erinnern, uns deutlicher an ein paar meisterliche, erschütternde, von wahren Dichtem festgehaltene Geschichten über die Sehnsucht und das Leiden jüdischer Menschen des Ostens. Und so kam denn auch Georg Hirschfeld als reifer Gestalter, aber immer moch junger Sucher zu dem Stoff des Franzos'schen Romans „Der Pojaz". Es ist das bleibende Verdienst des regen Kulturbundes „Rhein-Ruhr", den Dramatiker Georg Hirschfeld zu einer Dramatisier.ung dieses im Verlaig Brandus vor kurzeim neu erschienenen Romans „Der Pojaz" angeregt zu haben. Trefflich gekonnt und iim Innersten neu gestaltet, erarbeitete sich der Dramatiker das Bühnenlebendige des Stoffes. Er schuf dem werdenden jüdischen Theater dieser schweren Zeit ein wahrhaftes Volksstück. Die Städte des deutschen Westens haben das Stück mit großem Erfolg erprobt . Die vorzüglich geleitete und sehr gut zusammengestellte Truppe des Kulturhundes „Köln" trug es von Stadt zu Stadt, immer, mit der gleichen Wirkung. Diese Bühne arbeitet mit den einfachsten Dekorationsmitteln und so können wir hoffen, daß auch der Münchener Kulturbund in Bälde eine Stätte findet, auf der wir das wirksame Stück lebendig gemacht sehen. Dieser sehnsüchtige junge Sender bleibt ein Erlebnis, eine wahre Inkarnation des tragischen Juden. Mit dichterischem Können weiß Georg Hirschfeld es uns tröstend glaubhaft zu machen: Kunst ist auch einem jungen Ahasverus Heimstätte. Es lohnt sich, für die Greifbarkeit des erfüllten Traumes selbst den Weg in den bitteren Tod zu gehen. H. H. Plalcafaussfellung jüdischer Künsfler Ausstellung im Jüdischen Museum' Berlin Das Berliner Jüdische Museum beweist erneut seine Lebensnahe durch die Ausstellung „Das jüdische Plakat". Es läßt sich darüber diskutieren, wie weit dem künstlerischen Schaffen auf dem Grenzgebiet der Plakatkunst in einem Museum Raum' gegegeben werden soll; da es sich bei dieser Berliner Ausstellung aber nicht um wahllos zusammengestelltes Material handelt, sondern ein wirklicher Überblick über die Plakatkunst gegeben wird, ist dieses Beginnen unbedingt zu begrüßen. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Abteilungen: Deutschland—Palästina. Der Berliner Kunstfreund und Zahnarzt Dr. Hans Sachs hat für die Abteilung „Deutschland" aus seiner großen, wohl einzigartigen Sammlung das Material geliehen, die ausgestellten Plakate aus Palästina verdankt das Museum dem Palästina-Kulturarchiv umdi der Sammlung Rosenb 1 ü t h. Zunächst ist der Besucher erstaunt, wie zahlreich die Betätigung jüdischer Künstler auf dem Gebiete der Plakatkunst war und ist, wieviele der ausgestellten Plakate uns heute im täglichen Leben begegnen, ohne daß wir ahnen, es mit der Arbeit eines jüdischen Künstlers zu tun zu haben. Die Ausstellung gibt gleichsam eine Ubersicht über die Entwicklung des Plakatbildes überhaupt in Deutschland, da gerade einige der Schöpfer (der frühen Plakate hier jüdischer Herkunft waren. Hatte die moderne Plakatkunst in Paris ihren Ursprung, (1890 ca.), so ging man Ende der neunziger Jahre auch in Deutsch- Land an die künstlerische Gestaltung des Anschlagibilides, und zu Beginn treten uns gleich jüdische Künstler entgegen: Edmund Edel, Julius Kling er, Lucian Bernhard — Edmund Edel's „B.-Z.-Ausrufer", sein Neujahrs-Plalkat der Berliner Morgenpost sind von ausgezeichneter Wirkung, ebenso sein Blatt „Marcell Salzer am Vortragstisch", das durchaus literarischen Charakter trägt, wie wir ihn bei vielen der früheren Plakate finden: sie weisen nicht nur auf literarische Ereignisse hin, sondern ihre Ausdrucksmittel sind auch aus diesem Bereich gewählt; hierher gehören u. a. Ernst Stern's Plakat der „Münchner Uberkunst" oder Th. Th. Heine's „11 Scharfrichter", auf dem uns elf schwarze Teufelsfratzen von hellblau-grünlichem Hintergrund entgegentreten, und eine modische Dame mit spinnenartigen Fingern sich vom leuchtendroten Hintergrund abhebt (1897). Ein Stück Kulturgeschichte aus der Zeit der Jahrhundertwende und der ersten beiden Jahrzehnte wird durch Plakate von Bällen, Ausstellungen, Filmen etc. vor uns lebendig. Wir sehen ferner interessante Arbeiten von jüdischen Künstlern, die an sich nicht Plakatkünstler waren: E. M. L i 1 i e n (Arbeiten von 1899 und 1911), Hermann Struck (das Plakat für Ober-Ost-Obst, eine Kriegserinnerung vom 1916), Lessers U r y's Plakat zu seiner eigenen Ausstellung 1905, von Julie W o 1 f t h o r n das Plakat einer Wäschefabrik. — Neben diesem künstlerisch-literarischen Plakat entwickelte sich gleichzeitig das sachliche Plakat, dessen Hauptvertreter der Frühzeit, Lucian Bernhard, in dieser Ausstellung sehr reich vertreten ist. Es werden nicht mehr gedankliche Assoziationen vom Plakat gefordert, nicht durch einen Scherz wird für die Sache geworben, sondern sachlich, der Gegenstand selbst in knappster Form spricht uns an, d. h. ein einziger Schuh z. B. für ein Schuhhaus, ein Stück schön fallende Seide wirbt für eine Seidenfirma, zwei einzelne Streichhölzer sollen uns eine bestimmte Marke einhämmern. Diese Gegenstände sind klar, in wirksamen Farben durchgearbeitet, die Namen der Firmen oder die Marken erscheinen in klarer Schrift. Diese beiden Momente machen das Plakat einprägsam, haben also Werbewirkung. Julius K1 inge r, Louis Oppenheim, Hans Li n - denstaedt seien hier als Hauptvertreter dieser sachlichen Plakatkunst genannt. Von ihnen bringt die Ausstellung gute Beispiele: den Sarotti-Mohren, den Michels-Löwen, den Zigarren-Palm-Neger, Priester-Streichhölzer etc. Plakate und Firmenzeichen, die vielen von uns geläufig und vertraut sind, deren geistiger, künstlerischer Urheber aber meistens anonym blieb. Kann man bei den ausgestellten Plakaten aus Deutschland klar die beiden Hauptgruppen — literarisch, sachlich — erkennen, so ist naturgemäß von einer so klaren Scheidung bei den Palästina-Plakaten nicht zu sprechen. Deutlicher spürbar ist hier die Beeinflussung durch die Plakatkunst anderer Länder: Deutschland, Frankreich, Rußland. Überblickt man die ausgestellten Arbeiten, so fällt zunächst eine andere Farbigkeit auf: weniger krasse Farben, Zwischentöne, teilweise fahlere Nuancen, und teilweise Farben, wie z.B. ein helles lila, die uns als Plakatform wenig geläufig sind. Sicherlich mögen hier die ganz andere Luft, die demgemäß anderen Lichtreflexe im Lande eine Rolle spielen, die diese Auswahl treffen lassen. Weiter bemerkt man sogleich die stark dekorative Wirkung der hebräischen Buchstaben, ihre Formschönheit, die Möglichkeiten zu ihrer Stilisierung. Hierin erscheint mir aber zugleich eine