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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-03-15 · 6 (15.3.1937) · p. Seite 133

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
6 (15.3.1937)
Date
1937-03-15
Page
Seite 133 (sequence 13)
Language
German
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Jiiil. Kulturbund in Bayern Ortsgruppe „In den Sternen geschrieben" Jehuda Burla: In den Sternen geschrieben. Eine Erzählung. Aus dem Hebräischen übersetzt von Emanuel bin Gorion. Schocken-Bücherei Nr. 74. In Pappe gebunden RM. 1.25. Berlin 1937. Jehuda Burla, 1888 in Jerusalem geboren, ist der erste weltliche Erzähler sefardischer Herkunft in der modernen hebräischen Literatur. Er entstammt einer alten, seit mehreren Generationen in Jerusalem, ansässigen Rabbinerfamilie und ist, von Beruf Lehrer, als Dichter seit Ende des Weltkrieges hervorgetreten. Die Stänke Burlas liegt 'in seinen Milieu-Erzählungen, deren Stoff vornehmlich dem Lebenskreis der sefandischen Juidien auf dem Boden des Landes Israel entnommen ist. Die hier übersetzte Erzählung, deren Handlung sich unter dien sefardischen Juden in ider Altstadt von Jerusalem begibt, ist im Original „Maarachot" überschrieben, was wörtlich sowohl mit Szenen (aus dam Leben), Schlachtreihen (kämpfender Parteien) und Konstellationen (der Gestirne) wiedergegeben wenden kann. Slie wunde zuerst 1934 in der hebräischem Festschrift zu Bialiks sechzigstem Geburtstag veröffentlicht und erhiielt 1935 einem Literaturpreis. Bussa Raima, die Heldiin der Geschichte, gilt fast als Heilige wegen ihrer für ©ine Frau ganz ungewöhnlichen Thoraweisheit, ihrer reimen, selbstlosen Gesinnung, ihres selbstlosen Wirkens für die Armen und Bedrückten, idier Rat und Hilfe Suchendem, wegen ihrer ungewöhnlichen Selbstbeherrschung und Bekämpfung des bösem Triebes. Ihr Gatte, Chacham Geda 1 j a steht den Lüsten und Begehrlichkeiten des Lebens weniger widerstandsfähig gegenüber. Aber sein Wille ist gut. Er wird schließlich immer Herr über seine Leidenschaften, und ist er aiuch kein so großer Thorakundiger wie sein Weilb, so sammelt endiooh imimer uim sich Ttborabeflissene und Thoragelehrte. Auch ist er ein gottesfürchtiger Mensch, voll Erbarmen mit menschlichem Leid, voll Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Der Sohn wird in der Gottesgelehrtheit gründlich erzogen. Seine Eltern bilden mit ihm und zwei Schwestern die Hausgemeinschaft, die Gott unentwegt und inbrünstig dient. Da naht das Verhängnis. Bussa Reina erblindet. Sie versucht auch jetzt slich zu behaupten, vorwurfsvolle Fragen nicht aiuifkomimen zu lassen, Tränen zu unterdrücken. Doch gelingt es nur kurze Zeit. Und aus grauenvollem Düster sinkt sie im Satans Umstrickunig unid bezichtigt in der Meinung, um ihre Ansprüche als Gattin uimd Mutter betragen zu sein, Bussa Galana, die aus Dankbarkeit Haushalt und Kinder mustergültig betreut, nur auf ihren Tod zu warten, um' ihren Man« heiraten zu können. Diesem üurchtibaren Auslbnuch folgt 'die Einsicht in iibre Verwirrunig und sie bittet alle um Verzeihung, denen sie Lieblosigkeit vorgeworfen hat. Am sahlimmsten betroffen ist außer ihr Gedalja. der nicht begreifen kanin, wie sein herrlich reines Weib so hart verfolgt werden bann, und der sich als 'dien Schuldigen ansieht, dier durch seine Vergehen ihr Leid und ihre Demütigiunig verursacht 'habe. Er trauert und fastet und büßt und verschließt sich vor aller Welt, abseits der Stladt Jerusalem, in der Grabesnöhle Simon des Gerechten. Durch ein Traum/fasten will er von Gott die Antwort erflehian, warutm seine Frau sö ins Unglück gestürzt sei und er entnimmt aus seinem Träumen immer nur das Eine: „Gehe nach Hause, gehe nach Hause." Er verläßt die Grafoeshöhle, wo er drei Tage lang tralumfastete und eilt heim. Bussa Reina stirbt, -gefaßt und versöhnt mit allen, auch Bussa Galana. Doch für die, die zurückbleiben!, und für die Leser ist eine Antwort ausgeblieben. Wir stehen fragend und ratlos da. Vielleicht aus abendländischer, 'dem Leben mehr zugewandter Art, die gleichzeitig voll Bewußtheit ist, müssen wir fragen: Wo bleibt Gerechtigkeit und Erbarmen, wenn Gottesifürcbtigen ein solches Los besetuiedera ist? Man fragt sich ferner: Warum ist da kein Blick in eine andere Welt, in eine messianliische Zeit, in eine Zukunft aufgetan, die unser Gerechtigkeitsbedürfnis und unser Mitleid 'befriedigt? Kein Wort der Weisheit, das emporhebt wie etwa bei Hiobs Prüfungen', kein Hinweis, der versöhnend, erklärend, verklärend wirken könnte! Und so endet das herrliche Leuchten der Liebe und Sittlichkeit des Judentums im Anfang ' der Erzählung mit Fragen'und der Erkenntnis, daß wir nur glauben können, nichts wissen. Der Titel der Erzählung lautet: „In den Sternen geschrieben." Aber ein blindes Fatum erschiene als vollendeter Widerspruch zum Sinn des Judentums. Wundervoll, in realistischer und zugleich edler Sprache ist die Freude des Gottvertrauens geschildert, erschütternd das Leid und die Verzweiflung der Erblindeten und ihrer Umgebung. Es ist ein von Grund auf dichterisches Werk, das die Seele des Lesers gefangen nimmt. Hohes, künstlerisches Können und eine hinreißend jüdich-ethiische Grundhaltung, die das Werk durchströmt, 'vollbringen solche Wirkung. M. K. Jüdisches Thealer in der Weif Jüdisches Theater gab es — wenn die Chroniken zuverlässig berichten — immer und überall dort, wann und wo Juden als nationale, als soziale oder als religiöse Gemeinschaften in Erscheinung traten. Der jüdische Mensch, insbesondere der Städter, erwies sich stets als theater-widlig, als theater-prädestimiert, und zwar ebenso als ausübender Autor oder Akteur wie als aufnehmender Zuschauer. Im alten Israel und im alten Judäa sab es — in seiner Art — ein Theater. Freilich widersprechen sich die Ghronisten ganz wesentlich darin: ob die klassischen jüdischen Psalmisten und ihre Werke Bestandteile des Kults waren, oder — abseits vom-Kult — musischer, künstlerischer Institutionen. Die Überlieferung läßt ebenso den Schluß zu, daß der Psalm-Vortrag unabhängig vom Gottesdienst gepflegt wunde; 'dann hätte man sich (den Darstellungs-Stil als einen Vorläufer des europäischen Minnesangs zu denken. Andere Quellen wiederum zeigen dien Psata in ausschließlich religiöser Bindung. Jedenfalls mag 'die Vorstellung zutreffen, daß — in diesem oder in jenem Rahmen — die Psalmen als eine Art Melodram, teils gesprochen, teils gesungen, zum Vortrag gebracht, „aufgeführt" wurden. Sehr früh erkennt man jedoch auch schon die Tendenz zur scenisehen Gestaltung. Allerdings müßte der Versuch, die Emit wi ck lumg dies frühesten jüdischen Theaters zuverlässig aufzuzeigen, .daran scheitern, daß das Qiuellenmateria! Icein eindeutiges Bild liefert; die Chronik ist vieldeutig, und widerspricht siah geradezu, und die Lexika sind seihon deshalb nicht immer zu gebrauchen, weil sie häufig auf subjektiver Betrachtung, subjektiver Deutung beruhen. Eines jedoch darf man wahrscheinlich als theatergescthichtliches Faktum werten: Im Gegensatz zum antiken griechischen Theater, dessen Kult- Chanakter ziemlich einwandfrei feststeht, muß das frühe jüdische Theater eine durchaus weltliche Angelegenheit gewesen sein. Man mag diesen wesentlichen Unterschied schon in den Stoff-Gebieten erkennen. Das griechische Schicksalsdrama zeigt die Beziehung zwischen Gottheit und Menschheit. Die jüdischen Purimspiel.e etwa sind im Grund jedoch historische Dramen. Überhaupt scheint der Bilder- und Episodenreichtum der jüdischen Geschichte den Antrieb zur scenisohen Formung schon sehr früh und später immer aufs neue geliefert zu haben. Das Esther-Motiv soll mehr als fünfhiundertmal dramiatisch gestaltet worden sein! Auch auf die Gestaltung älterer Geschichtsepisoden wird in der Literatur hingewiesen: zum Beispiel auf dramatische Darstellungen des Aus-

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