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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-02-01 · 3 (1.2.1937) · p. Seite 60

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
3 (1.2.1937)
Date
1937-02-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 9Jlap Stebermantt^ ^otenmaSfe Sunt j weiten hobest (ig 3>ie$ ifl bein mfy @eft(bt. S)e$ SBiffenö Stauern 2öirb alö ©efceimniö immer baratif Hityen. Unb beiner eblen 3«9« @d)tt>ewmtt nrirb uns bauem @o lang bic Reitern 55ttber. betneö £eBen$ ßlüBen. f^auflr ja nod) mit beuten toten 3Cugen, 2ftg fräumtefl bu *on beinen fünften färben Obwohl bie ewigen ©Raffen biä) «m^an^en, £)om QJläffergrött «nb StteeresMau unb @onnenftra#en* garkn... SQBemt fo baö Untlty eine«; berttoflenben Unb ftcb wie $)u erfüllen burffe um ein SÖerf, ©aö ben ®ef<yled)fern ftd> junt @tfeid)ntö wenben Unb SDtenfäjen troffen wirb am büftew Sage: 2Öaö bleibt bann unö Söerfoffenen, bie ben 35erg (£mpor ft<b müfen, befoben mit ber bumpfen Srage? 3<tfoo <Ptcarb synagogaler Motive eine durchaus originelle Schöpfung, deren musikalischer Gehalt durch den Chor und seinen umsichtigen Leiter eine erschöpfende Ausdeutung fand. Diese wurde auch zuteil dem von Winawer bearbeiteten Schalosch-S'udot-Nigun Nr. 8, Während aber dieser Nigün, in phrygischer Tonart sich bewegend, eine in Schwermut getauchte Stimmung hervorruft, durchzieht Nr. 9: Anu banu arza ein stürmisches Gefühl fesselloser Freiheit, ein Gefühl, das die jungen, tapferen Chaluzim beseelt, wenn sie dieses in freudigem Dur komponierte, schwungvolle Lied in die Luft hinausschmettern. Den Abschluß des Konzerts bildete Nr. 10: Das jüdische Lied. Die Golusnot des Juden wird darin geschildert, zugleich aber auch sein Bittochon, sein unverbrüchliches Vertrauen auf Gottes endliche Hilfe. In die Vertonung sind eingestreut unter anderen traditionellen Festgesängen auch die erhabene Kolnidrey-Melodie, deren Vortrag an Wirkungskraft nichts eingebüßt hätte, auch wenn von ihr die dynamische Übertreibung ferngehalten worden wäre. Trotz der Auffassungsdifferenz zwischen den ausführenden Kräften und dem Referenten bleibt die besprochene Konzertveranstaltung für uns in München ein denkwürdiges Ereignis. Dankbaren Herzens rufe ich den Sängern und ihrem Leiter zu: Auf recht baldiges Wiederhören! München, 14. l! 37. K i r s c h n e r. Jüdische Dichter in dieser Zeil Einfühlende, geschulte und geschärfte Analyse des erfahrenen Literarhistorikers und Kritikers wirkte zusammen mit der seltenen Sprechkunst des Rezitators, um ein schweres Experiment zum vollen Gelingen zu bringen. Erich Lichtenstein gab vor dem Kulturbund in abgewogener Sprache — wählend und verwerfend — einen Uberblick über die zeitgenössiche jüdische Lyrik im weiteren Sinn. Die Illustration war regelmäßig auf der Stelle durch die Rezitationen von Werner Bukofzer zur Hand. Zuerst das Dreigestirn Hugo von Hofmannsthal, Franz, Werfel, Alfred Mombert! Lichtenstein hatte nach einer fein ziselierten Vorerklärung über das Wesen des lyrischen Gedichts, über die Rolle, die dabei die Form spielt und über die nicht leichte Situation desjenigen, der ein Gedicht hört oder liest, an diesen drei großen Dichtern jüdischer Herkunft die Abwendung von Heinrich Heine klar gemacht. Gerade die bedeutendsten Dichter jüdischer Abstammung am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrunderts haben durch große Formstrenge, durch den kunstvollen, ja hymnischen Bau ihrer Strophen sich von dem leicht fließenden, scheinbar kunstlosen Heineschen Vers abgewendet. Der Vortrag der in der Tat berückenden Klänge Hofmannsthals „Manche freilich müssen drunten sterben", ferner des „Elternlieds" von Werfel und des „Kleinen Requiem" dieses Dichters, Momberts schwer zugängliche Verse („Es wölbt sich über mir" — „Altes Grab") gaben Zeugnis von jener radikalen Abwendung. Von eigentlich jüdischem Geist ist aber erst zu sprechen bei Else Lasker-Schüler und bei Wolfskehls neuen Gedichten „Die Stimme spricht". Zu den vom jüdischen Schicksal bewegten jüngeren Dichtern gehören in vorderster Reihe Ludwig Strauß und Manfred Sturmann. „Die Saat" und „Die Siedler" von Sturmann trug Bukofzer besonders eindringlich vor. Die Prosa von Martin Buber und Jakob Picard setzte Lichtenstein mit vollem Recht hierher. Es kam ihm im übrigen nicht darauf an, vollständig zu sein. Bis Begabung und Charakter zur künstlerischen eigentümlichen Wortwerdung eines starken Gefühls oder tieferen Gesichts werden, das ist ein besonderer Weg. „Wir sind nicht bereit" — das sprach Lichtenstein mit Nachdruck aus — „junge Leute, denen einige gute Gedichte gelungen sind, als Dichter auszurufen." Die dichterischen Proben des Nachwuchses enttäuschen. Aber die Töne einer kleinen Anzahl echter jüdischer Dichter ließen uns doch aufhorchen: Paul Mayer, Moritz Seeler, George A. Goldschlag. Zwei Frauen schließlich: Getrud Chodziesner und Martha Wertheimer! Wer dem Vortrag und den Rezitationen mit geschärfter Aufmerksamkeit folgte, war schließlich doch überrascht und bewegt von der Fülle von Talenten, deren angespanntes Schaffen sich hier kund tat. Dem Kulturbund gebührt besonderer Dank, daß er (jeder Popularitätshascherei tapfer trotzend) einen solchen Abend geboten hat, einen Abend ohne Sensationen, ohne Beifallstürme und ohne volles Haus, aber eine Stunde hohen reinen Künstler- und Dichtertums, die uns zu unserer jüdischen Verpflichtung der Pflege reinen Künstlerschaffens in unseren Reihen gebieterisch zurückrief. F. JÜDISCHE WINTERHILFE AUGSBURG Am 7. Februar, nachmittags 4 Uhr 45 in der Synagoge in Augsburg Konzert mit nur einheimischen Kräften. Plätze zu RM. —.50 u. RM. 1.— im Vorverkauf bed der Geschäftsstelle der Jöd. Wintferhilfe, Katharinengasse B. 173, odier bei der Geaneinide.

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