Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 3 (1.2.1937)
- Date
- 1937-02-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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.Md. Kulturbund in Ibivcru Ortsgruppe dlOaclien " < Mitteilung an die Mitglieder Wie schon bekanntgegeben, konzertiert am Montag, den 8.Februar, die Berliner Pianistin Grete Sultan in unserer Ortsgruppe. Das Programm der jungen Künstlerin, die in letzter Zeit wiederholt auch im Ausland mit besonderem Erfolg aufgetreten ist, umfaßt Werke von Beethoven, Schumann und Arnold Schönberg. Am Dienstag, den 16. Februar, wird erstmals das Orchester der Jüdischen Kulturbünde bei uns gastieren. Dieses Orchester, aus 40 jüdischen Berufsmusikern bestehend, wird von den Kulturbünden des ganzen Reiches unterhalten und hat seinen ständigen Sitz in Frankfurt a. M. Es steht unter Leitung von Generalmusikdirektor Professor Julius Prüwer, dem langjährigen Leiter des Breslauer Opernhauses. Die Künstler werden Werke von Mozart, Beethoven und Mendelssohn vortragen. Die Eintrittskarten für diese beiden Veranstaltungen liegen ab Montag, den 1. Februar, an der Kulturbundkasse auf und sind gegen Entrichtung der Februarrate des Jahresbeitrages abzuholen. Chorkonzerf Chemja Winaver Im Rahmen des Jüdischen Kulturbundes in Bayern, Ortsgruppe München, veranstaltete am 12. Januar in der Synagoge Herzog-Max-Straße Chemja Winawer mit seinem aus 30 Sängern bestehenden Männerchor ein Konzert, dem mit hochgespannten Erwartungen entgegengesehen worden war. Schon von Beginn des Konzertes an erwies sich Winawer als temperamentvoller Leiter seiner wohldisziplinierten, zumeist durch vortreffliches Stimmaterial sich auszeichnenden Sängerschar, die jedem Wink ihres Meisters in virtuoser Weise gerecht wurde, die zuweilen durch besondere tonliche Effekte imstande war, instrumentale Wirkungen zu erzielen. In ihrem ersten Teil brachte die Vortragsfolge fünf Nummern, von denen 1—4 liturgischen Gesängen vorbehalten blieben, wäh- , rend Nr. 5;die Bearbeitung eines jüdischen Volksliedes von Winawer brachte. An die Spitze des Programms war Lewandowskis harmonisch und rhythmisch einfacher, aber ungemein schwungvoller Jubelhymnus, der 150. Psalm, gestellt worden. In diesem vereinigten sich volltönend mit des Basses Grundgewalt die durchdringenden Tenöre zu einer wohltuend geschlossenen Einheit, die allerdings eine Trübung erfuhr durch den überhetzten Schlußteil, für den der Dirigent das vorgeschriebene Tempo: Allegro maestoro willkürlich in Prestissimo umgeändert hatte. Die folgenden Nummern 2—4, dem polnisch-jüdischen Gesangstil zugehörig: Omnom Ken von Boruch Schorr, Böro-^ch haschonoh und Weschomru von A. B. Birnbaum verraten phantasiebegabte, kompositionstechnisch geschulte Musiker, deren Schöpfungen ausgezeichnet sind durch Hauptmerkmale dieser Stilgattung, von denen u. a. hervorgehoben seien: das chromatische Mollgeschlecht mit seinen kleinen und übermäßigen Sekundintervallen, die den Gesängen ebenso elegischen, 'schmerzerfüllten Charakter, wie reichen modulatorischen Reiz verleihe^. Weiche, schmelzende, von synagogalen Motiven und slavisch^r Musik beeinflußte Lyrik wechselt ab mit wild dahinstännend<§, leidenschaftlicher Glut, die sich nicht selten zu ühejä^§ eindrucksvoller dramatischer Gewalt steigert. < f Bemühten sich erfolgreich Solisten wie Chor um die Herau|- arbeitung dieser Hauptmerkmale, so soll nicht verschwieggi werden, daß Winawer in die gesanglichen. Darbietungen ejn formal-stilistisches Element hineintrug, das die Gefahr fn sieh birgt, bei fortdauernder Anwendung zu reiner Artistik abzugleiten. Diese Wahrnehmung drängte sich dem Hörer irisbesoiidere dann auf, wenn einem machtvollen Forte oder Fortisssinto unvermittelt ein säuselndes, fistulierendes Piano oder Pianissinip folgte. Wohl zeitigte diese Singweise bei den eben besprochenen wie folgenden Nummern mitunter verblüffende Effekte, die i|- doch, so will es mir scheinen, mit dem Charakter unä>iWesen einer sakralen Musik unvereinbar sind. - -.- Die zweite Abteilung vermittelte in Nr. 6 die Bekanntschaft mit einem eigenartigen spaniolischen Synagogengesang, dessen herzergreifende Melodik erheblich verschieden ist von der traditionellen im aschkenasischen und polnischen Ritusgebiet. Der bereits genannte A. B. Birnbaum gestaltete in Nr. 7: „Talmudische Rhapsodie" mit Verwendung des Lern-Niguns und Grete Sultan Zu ihrem Klavierabend am 8. Februar (Photo: Erna Stoss, Berlin-Chärl.)'