Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 23 (1.12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 518 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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518 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 23 Itcisen »ach Nordamerika Südamerika Südafrika Palästina etc. durch l»silcstiiicUx|»rcss€o. Vertretung: Reisebüro Carl Bierschenk Nachf. München, Karlsplatz 3 Telefon 13377 Besorgung von Visen, Kreditbriefen, Bahnkarten, Hotelgutscheinen. Kostenlose Beratung. Klassizismus, das Biedermeier, die Makartzeit, alle diese Epochen prägen den. Dargestellten ihre stilistischen Merkmale auf, nur mit dem Unterschied, daß es sich in dieser Zusammenstellung nicht um Menschen unserer allgemeinen Umgebung handelt. Es sind die Darstellungen unserer Vorfahren, mögen sie vornehme Privatmenschen, angesehene Bürger, wohlhabende Kaufleute, Rabbiner oder Gelehrte gewesen sein. Es ist ein persönlicher Kontakt, der auf den Beschauer übergreift; vielleicht kennt er die Familie der Dargestellten durch die heute noch lebenden Nachkommen, vielleicht hat der Dargestellte auch in der Umwelt einen Namen von Klang gehabt, oder ist der Betrachter selbst gar ein Nachkomme der im Bilde Festgehaltenen. Über 150 Gemälde sind in der Berliner Ausstellung vereinigt, und dennoch — trotz dieser Fülle des an sich durch das Sujet gleichen Materials — ist der Museumsleitung und den anderen veranstaltenden Institutionen eine lebendige, abwechslungsreiche Schau gelungen. Nur einige Beispiele sollen hier näher beschrieben werden, wobei elrenso kunsthistorische wie kulturhistorisch-genealogische Gesichtspunkte die Auswahl bestimmen mögen. In die Vergangenheit am weitesten zurück reicht das scharf pointierte Porträt des berühmten Kabbalisten Jonathan Eibenschütz, von einem Unbekannten, vermutlich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gemalt. Erst aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts haben wir reicheres Material: das wohlhabende Bürgertum, die in der jüdischen Öffentlichkeit wirkenden Männer erscheinen in Porträtdarstellungen. Der auch durch ein Mendelssohnbild bekannte Berliner Hofmaler Johann Christoph Frisch malte den berühmten Berliner Kantor A r o n Beer — mit dem Notenblatt, gleichsam als Berufsattribut, in der Hand —, Rabbiner Samuel Egers, aus der Familie Rabbi Ekiba Egers, erscheint auf zwei verschiedenen Gemälden und auf einer feinen Porzellantasse; der aus Öttingen stammende Rabbiner Steinharter (aus dem Besitz Justizrat Wassermanns in Bamberg, -dem das Berliner Museum auch das eine Egers-Porträt als Leihgabe verdankt) und das Porträt seiner Gattin gehören zu den frühen von ungenannten Künstlern dargestellten Persönlichkeiten, die durch die Frische und persönliche Auffassung der Darstellung Einblick gewähren in das — anonyme — Kunstschaffen des 18. Jahrhunderts. — Das Bildnis des Arztes Dr. Isaak Lehwess mit seiner Frau aus dem Hause Lipmann-Wulff und seinem Sohn, dem späteren Berliner Hofrat und Arzt, geben ein Beispiel von der qualitätvollen Kunst einer Susanne Chodowiecka, vermutlich der Schwiegertochter des berühmten Daniel Chodowiecki; die Darstellung Abrahams alomo Rathena u's, des Großvaters des Begründers der AEG, wirft — kulturhistorisch gesehen — Schlaglichter bis in unsere Tage; der Oberlandesälteste der preußischen Judenheit. Jacob Moses (Berlin 1724—1802) in der modischen Tracht des ausgehenden Rokoko zeigt deutlich die Anlehnung an den Zeitstil. Für den Besucher ist die Darstellung der Ahnen des Hauses Mosse, Rathenau, Liebermann oder Reichenheim nicht minder interessant und bis zur Gegenwart Fäden spinnend als die warme, lebensvolle Darstellung der Gudula Rothschild, der Mutter der fünf Frankfurter, die Moritz Oppenheim, der „Maler der Rothschilds und der Rothschild der Maler" in ihrer ganzen Fraulichkeit uns Heutigen vor Augen führt. Dank gebührt der Leitung des Frankfurter Jüdischen Museums, daß sie gerade durch die Leihgaben der Oppenheim sehen Arbeiten — außer der „Guttel" Rothschild noch das jugendliche Selbstporträt des Künstlers und das Bildnis seiner Gattin :— es ermöglichte, in die Arbeit dieses ersten bewußt jüdischen Künstlers tieferen Einblick zu gewinnen. — Daß Porträtdarstellungen eines Julius Schoppe, August Ferdinand Hopfgarten, Carl Nahl, Hans Canon, Ludwig Knaus, Franz von Lenbach, Stauffer-Bern oder Karl Steffeck — der mit der frischen, eleganten Darstellung der nachmaligen Exzellenz Wilhelm Herz als Reiter zu Pferde das Schema der üblichen Porträtdarstellungen durchbricht —, daß diese genannten Künstler ein gewisses Niveau halten, dafür bürgen ihre Namen. Ebenso gilt das für unsere jüdischen Künstler wie Oppenheim, Meyerheim oder Liebermann, dessen frühes Bild seiner Großmutter Betty Haller (gest. 1870) zu den schönsten Stücken der Ausstellung zu zählen ist, erscheint dem Betrachter fast selbstverständlich. Daß wir aber in einem Maler wie Julius Moser oder Meyer Michaelson ausgezeichnete Porträtisten besaßen (beide arbeiteten in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts), diese Erkenntnis verdanken wir der Berliner Ausstellung. Diese wenigen Hinweise auf die Mannigfaltigkeit der ausgestellten „Ahnen"-Darstellungen mögen .genügen; nicht unerwähnt bleiben dürfen aber die Beiträge, durch die das Gesamtarchiv der Juden in Deutschland und die Gesellschaft für jüdische Familienforschung das Bild der Ausstellung bereichern und abrunden. In zwei Vitrinen sind Schriftstücke, Urkunden aus drei Jahrhunderten ausgestellt. Ein Passierschein aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges, die ersten Aufzeichnungen der Berliner Chewra Kadischa (ab 1675), das älteste Totenregister, west- und süddeutsche Memorbücher, das mit dem Jahre 1706 beginnende süddeutsche Protokollbuch aus der berühmten Offenbacher Officin, Judenschutzbriefe, das Bestätigungsprivileg der Berliner Judenschaft von Friedrich Wilhelm I. (1714) beleuchten u. a. das öffentliche jüdische Leben ebenso, wie eine Sammlung von Besuchskarten, Hochzeitsgedichte oder ein Verzeichnis einer Aussteuer einer jüdischen Braut in das private Leben unserer Vorfahren Einblick gewähren. — Einige besonders schöne Kultgeräte und Gebrauchsgeräte geben Kunde davon, mit wieviel Liebe — und. auch wieviel Zeit — man damals diese Dinge verfertigte. Genealogisch interessant sind einige Stammtafeln, die die Jüdische Familienforschung zur Verfügung gestellt hat, und die den Besucher zugleich mit der Arbeit dieses Forschungsgebietes bekannt machen. Bebilderte Ahnentäfeln, exakt gearbeitet, zeigen die Verästelungen einerseits und Verbindungen andererseits eines Stammbaumes und vermögen es, diese Familienkunde lebensnah zu gestalten. HERREN-STOFFE DAMEN-STOFFE Feinste Massqualitäten. Moderne Musterungen WEINBER6ER & BISSINGER Das bekannte T u c h h a u s bester Qualitäten MÜNCHEN, RINDERMARKT 7 AUGSBURG, LUDWIGSTRASSE D 210