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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-11-01 · 21 (1.11.1936) · p. Seite 468

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
21 (1.11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 468 (sequence 16)
Language
German
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468 / Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 21 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig fi JAu tUjßtfelder CsniSy Wündjtn. imftorental in unserem Kreise zu behandeln, dann würde langsam aber sicher nach und nach eine Taubstummenanstalt aus uns werden. Da sitzen irgendwo zwei Väter beisammen, sie sprechen von ihren heranwachsenden Söhnen und überlegen, ob dieselben noch ihr Glück in Deutschland versuchen oder auswandern sollen. Gründe und Gegengründe werden angeführt, die Chancen im einen Auswanderungsland mit denen des anderen verglichen und abgewogen. Ja treiben denn nicht schon diese beiden Väter jüdische Politik, wenn auch vielleicht im weiteren Sinne? Wir alle haben stets mit großem Interesse die Vorträge unserer Kameraden Oestreich und Weiler gehört, gerade weil diese Herren über jüdische Politik sprachen. Ja selbst unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Baerwald hat uns durch seinen Vortrag über jüdische Hilfsorganisationen einen Blick in ein Teilgebiet jüdischer Probleme werfen lassen. Kurzum, wir kämen um die Beschäftigung mit jüdischer Politik nicht herum, auch wenn wir uns noch so sehr dagegen sträuben würden. Aber — und das sage ich mit aller Deutlichkeit — das Befassen mit jüdischer Politik darf in unserem Kreise nie und nimmer zu einem wilden Streit über diese Probleme ausarten. Meinungsverschiedenheiten irgendwelcher Art über das, was uns' Juden frommt müssen in den Gemeindeverwaltungen oder in der Reichsvertretung geklärt und ausgefochten werden. Es ist schon ein trauriges Zeichen, daß diese Probleme zur Spaltung in den Trunvereirien geführt hat. Wir aber wollen uns hüten, etwas Derartiges bei uns Raum gewinnen zu lassen. Ich mache aus meiner eigenen Einstellung kein Hehl. Ich bin Anhänger des C.V.-Gedankens gewesen, solange ich zurückdenken kann, ich bin es heute noch und werde es wohl immer bleiben. Mit Nachdruck aber will ich hier erklären, daß ich volles Verständnis für alle diejenigen habe, die anderen Ansichten huldigen. Ich bemühe mich, ihre Argumente zu würdigen und versuche ihrem Gedankengang zu folgen und ihn zu verstehen. Aber weder meine persönliche Einstellung noch die irgend eines anderes Mitgliedes sind von irgendwelcher Bedeutung. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten ist nach dem Sinn und Wortlaut seiner Statuten ein Treu- und Abwehrbund, nicht aber ein politischer Klub. Ob Zionist oder Revisionist, orthodox oder liberal, Anhänger des C.V.-Gedankens oder der Naumann'schen Richtung, das alles kümmert uns nicht und darf uns nicht kümmern. Frontkämpfer muß der Mann gewesen sein, der in unseren Reihen Platz nehmen will. Die Erinnerung an all das Furchtbare und doch auch Herrliche, das wir in vier Maiersche Papierhandlung Rudolf Stern Karlstraße 8, Ecke Barerstraße . Telephon 57 6 24 Die neuen Waren-Ausgangsbücher für Großhändler sind vorrätig. Kriegsiahren erlebt haben, diese Erinnerung ist das Band, das uns alle umschließt nud das so Gott will nie zerreißen wird. Jedem Frontkämpfer reichen wir in treuer Kameradschaft die Hand. Wer aber Parteizwistigkeiten ausfechten will, der möge unserem Kreise ferne bleiben. Wenn Sie. meine Freunde, mit diesem meinem Gedankengang einverstanden sind, dann bitte ich in diesem Sinne auf alle unserem Bunde noch fernstehenden Frontkämpfer einzuwirken. Jeder von Ihnen, der durch Aufklärung unserer Gruppe ein neues Mitglied zuführt, erwirbt sich dadurch ein Verdienst und unseren besonderen Dank. Nächster kameradschaftlicher Abend am 9. Nov. 1936 in der Gaststätte Schwarz, Schlosserst r. 2. Der Berichterstatter des Abends: Herr Kamerad Dr. Otto Weiler. 70. Geburtstag Direktor Jakob Seifensieder, München, kann am 6.Nov. seinen siebzigsten Geburtstag feiern. Jakob Seifensieder war dreißig Jahre hindurch Leiter der von Direktor Gombrich gegründeten, weit bekannten und angesehenen privaten Realschule in Nürnberg. Neben seiner umfangreichen pädagogischen Betätigung hat er insbesondere Arbeiten auf dem Gebiet der Beziehungen jüdischen Geisteslebens zum deutschen Kulturleben des 19. und 20. Jahrhunderts veröffentlicht. Unter anderem verfaßte er eine umfangreiche Biographie Gabriel Riessers und eine Erinnerungsschrift zum zweihundertsten Geburtstage Moses Mendelsohns. Seit 1933 lebt Direktor Seifensieder im Ruhestande in München. Vom Misrachi In München sprach Dr. Alexander Adler, der frühere Leiter des deutschen Misrachi, auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe über das religiöse Problem in Erez Israel. Der Redner ging von der besonderen Haltung des Jischuw bei den letzten Unruhen aus. Die misrachistische Arbeiterbewegung begnügt sich nicht mehr mit bloßem Erziehen und Lernen, sondern beweist tatkräftig, daß der gesetzestreue Jude gleich allen anderen zu jeder, auch der härtesten, Arbeit im Dienste des Aufbaus von Erez Israel willig und fähig ist. Der misrachistische Kibbuz Rodges, der sich unter besonders schweren Lebensbedingungen entwickelte, besteht nun 10 Jahre und umfaßt etwa 400 Menschen; dazu kommen noch weitere 7—8 Siedlungen des Misrachi mit abermals etwa 500 Chaluzim. Die religiöse Jugend-Ali jah hat bereits 60 junge Menschen aus Deutschland nach Rodges gebracht und wird weiterhin traditionsverbundene Jugendliche nach Erez Israel verschicken. Die Pläne eines religiösen Jugenddorfes des Misrachi werden durchgeführt und die übrigen misrachistischen Erziehungs- und Fach-Ausbildungsstätten allmählich ausgebaut. Justizrat Dr. Emil F r ä n k e 1, der Leiter der Versammlung, dankte dem Vortragenden, der mit sympathischer Schlichtheit und innerer Anteilnahme gesprochen hatte. Er wies darauf hin, daß das religiöse Aufbauwerk in Erez Israel, das der Misrachi, und der misrachistischen Jugend (Brith Hanoar) leisten, stets das allgemeine Verständnis auch über die Orthodoxie hinaus fand und auch weiter auf die Unterstützung aller Kreise angewieesn bleibt. Auswanderungsschule Groß-Breesen Im Anschluß an den Vortrag, den Herr Professor Curt Bondy, der Leiter des Jüdischen Auswandererlehrgutes Groß-Breesen. am Samstag, den 17. Oktober, über Das jüdische Auswandererlehrgut Groß-Breesen hielt, sind Anfragen von Eltern an uns gelangt, die beabsichtigen, ihre Kinder für das Auswandererlehrgut anzumelden. Wir bitten alle Eltern und Erzieher, die beabsichtigen, ihre Kinder nach Groß-Breesen zu bringen, oder die irgendwelche Auskünfte über das Lehrgut und die geplante Gemeinschaftssiedlung wünschen, sich an die israelitische Kultusgemeinde München, oder an Herrn Herbert Wolff. München, Notburgastr. 10 (telefonisch zu erreichen ab 18 Uhr Nr. 66630) zu wenden. Ludwig Rosenthals Antiquariat Von der weltberühmten Firma Ludwig Rosenthal's Antiquariat in München liegt uns ein bemerkenswerter neuer Katalog von allgemeinem Interesse vor. Dieses 1869 Nummern enthaltende, fachmännisch besonders gediegen bearbeitete Verzeich-

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