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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-10-15 · 20 (15.10.1936) · p. Seite 439

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
20 (15.10.1936)
Date
1936-10-15
Page
Seite 439 (sequence 11)
Language
German
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JiiiL Kultiirliiiml in Kaycrn Ortsgruppe Aiiiiiclieii Mitteilung an die Mitglieder! Die nächsten Veranstaltungen sind: Lichtbildervortrag von Dr. Max Osborn „Alte und neue Kunst in Palästina" am 28. und 29. Oktober; Liederabend Hermann Schey am 7. und 8. November; Rezitationsabend Otto Bernstein am 24. und 25. November. Die Eintrittskarten für diese Veranstaltungen sind bereits an der Kulturbundkasse erhältlich. Besuch in Livorno Von Max Osborn Der Verl isser des folg e n den Aufsatzes, der berliner Kunsthistoriker von Ruf, hält im Kulturbund am Mittwoch und Donnerstag, den 2 8. und 2 9. Oktober, einen Vertrag mit Lichtbildern über „Alte und neue Kunst in Pa 1 ästina". Fährt man von Florenz nach Westen, 'dem geschlängelten Lauf des Arno folgend, der seine gelblichen Fluten wie auf Eilbote nbeste 11 ung 'dem Meer zuträgt, so glaubt man schon zu spüren: dieser Weg muß in einer Hafenstadt münden, die das zurückliegende toskanische Land wirtschaftlich, für Ausfuhr und Einfuhr, mit der großen Welt draußen in Verbindung hält. Von Pisa an wird das noch deutlicher. Die Bahnlinie verläßt nun den Fluß, mit dem verkehrsmäßig doch nichts mehr anzufangen ist. Es ist ja mit den großen Flüssen ein Leid, sie kommen fast nie zu einer glatten, anständigen Mündung, sondern haben sich arg zu quälen, bis sie ihr natürliches Amt erfüllen. Nur wenige haben es so gut wie die Elbe und die Weser. Je großartiger sie sind, um so kläglicher pflegt ihr Ende zu sein; der stolze Rhein kann es aus eigener Kraft überhaupt nicht erreichen, er muß. bei Katvijk, dicht bei dem Spinoza-Städtchen Reinsberg, mühevoll durch Schleusen gleichsam „gemündet werden". Auch dem Arno wird es schwer gemacht, seine Binnenlandseele in der Vereinigung mit der See auszuhauchen. Ursprünglich beschloß er sein Dasein in einem lagunenhaften Delta, einem Haff, an dessen Ostufer einst Pisa gegründet wurde, eine Seestadt ähnlich wie Venedig. Aber Jahr um Jahr rückte das Delta vor, bis es heute kilometerweit von Pisa entfernt ins Meer übergeht. Die eigentliche Mündung, die bescheidene „bocca d'Arno", uns aus d'Annunzio's. „Gioconda" als verstecktes kleines Seebad bekannt, konnte nie eine Rolle spielen. Immer mehr füllte die Lagune sich aus, und schon vor einem halben Jahrtausend sah man sich genötigt, am Südende des ehemaligen Arno-Haffs das heutige Livorno als Hafenstadt auszubauen. Es waren die Medici, deren Handelsklugheit den Beruf Livornos erkannte. Ihnen dankt es seine Bedeutung und seinen Weltruhm. Sie haben im 16. Jahrhundert planmäßig den Grund zur Größe der Stadt gelegt, indem sie erfahrene Kaufleute aus aller Welt hierherzo-gen. Dazu gehörten in erster Reihe die aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden, die mit erstaunlichem Ergebnis die' Erwartungen der Beherrscher Toskanas erfüllten. Der Unternehmungsgeist und geschäftliche Sinn der jüdischen Einwanderer ist es gewesen, der recht eigentlich Livorno zu einem wichtigen Hafenplatz des Mittelmeeres gemacht hat, zu einem Geschäftszentrum namentlich für den Verkehr mit der Levante. Auch anderen Flüchtlingen boten die Medici hier ein Asyl, vertriebenen Mauren von der Pyrenäen-Halbinsel, unterdrückten Katholiken aus England, Kaufleuten aus Marseille, die ihr Leben aus den Wirren der französischen Bürgerkriege zu retten suchten. Aber das jüdisch-sefardische Element, bald verstärkt durch jüdischen Zuzug aus Nordafrika und aus dem Inneren Italiens, blieb der entscheidende Faktor im wirtschaftlichen Aufblühen von Livorno. Erst in jüngster Zeit ist die Gemeinde der Stadt, die früher außerordentlich groß war, kleiner geworden. Hatte Livorno sich Jahrhunderte hindurch im Wettbewerb mit den anderen Mittelmeerhäfen, selbst mit Genua, glänzend behauptet, so wurde es durch die moderne Entwicklung schließlich doch zurückgedrängt; undmit anderen Teilen der Bevölkerung übersiedelten auch zahlreiche Juden in die sonstigen italienischen Handelsplätze. Aber noch heute 'genießt die Judensohaft der Stadt im ganzen Lande hohes Ansehen, und zahlreiche Dokumente erzählen von der Zeit, da sie so viel für ihr neues Vaterland geleistet hat. Es war nicht nur ihre merkantile Tüchtigkeit, der sie diese Sonderstellung verdankte, auch auf anderen Gebieten stieg sie zu großen Leistungen auf. Die Wissenschaft vom Judentum fand hier eine weitberühmte Pflegestätte. Im 18. Jahrhundert, da sich in Italien wie. allenthalben eine engere Berührung und Beziehung der Juden zur Kultur ihrer Umwelt heranbildete, stellte die „Nazzione Ebrea" von Livorno den italienischen Wissenschaften, der Medizin, der Philosophie, der Physik und Mathematik, eine Fülle hochbegabter Männer zur Verfügung. Ihre Bildung und ihre weiten Interessen ließen sie an allen Aufgaben des geistigen Lebens lebhaften Anteil nehmen. Die wohlhabend und reich gewordenen Kaufleute erkannten ihre kulturellen Verpflichtungen. Sie wurden Schützer und Förderer der gelehrten Forschung wie der Künste und fanden selbst Zeit, sich auf beiden Gebieten mit Erfolg zu betätigen. Es entwickelte sich in diesem Kreis, der in nahem freundschaftlichen und brieflichen Verkehr mit den besten Köpfen Gesamtitaliens stand, sogar eine gepflegte und feinsinnige dichterische Übung. Sie fand sonderbarerweise ihre Äußerung vorab in gedankenreichen — Hochzeitsgedichten, deren Art beeinflußt erscheint von den italienischen „Arkadiern", so genannt nach der „Arkadischen Akademie" (Accademia degli Arcadi, meist kurz als „Arcadia" bezeichnet), der 1690 in Rom begründeten poetisch-literarischen Gesellschaft, die den verderbten dichterischen Geschmack bekämpfen wollte. Nach der Oberrabbiner von Livorno, Prof. Alfredo Toaff

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