Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 9 (1.5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 205 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiid» Kulturbund in ItaytTii Ortsgruppe Mitglieder! Mitteilungen an unsere Die Mairate als letzte Rate des Jahresbeitrags ist nunmehr fällig und wolle baldigst an der Kulturbundkasse entrichtet werden. Hiezu ist unbedingt die Mitgliedskarte mitzubringen! Als nächste Veranstaltungen finden statt: Am 9. Mai abends, 10. Mai nachmittags und abends (Lag b'omer) eine heitere Veranstaltung im Museumsaal. Es wirken mit Elisabeth Springer, Karl Ettlinger („Karlchen"), sowie Sonja und Josef Ziegler. Am 21. Mai ein Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München in der Synagoge Herzog-Max-Straße. Das Orchester ist verstärkt durch 15 Mitglieder des Berliner Kulturbundorchesters. Musikalische Leitung: Erich Eisner; Solist: Boris Schwarz, Berlin (Violine). Am 2., 3. und 4. Juni ein Konzert Münchener Künstler im Museumsaal. Mitwirkend: Irma Stern (Sopran), Liselott Weiß (Klavier), Dr. Benno Flehinger (Violoncello), Walter Ries (Baß), Erich Eisner (Gesangsbegleitung). Am 9. Juni ein Klavierabend des berühmten Pianisten Bruno Eisner (Berlin) in der Synagoge Herzog-Max-Straße. Die Karten für die Maiveranstaltungen sind bereits erhätlich. Ab Montag, den 6. Mai, gelangen auch die Karten für die Juniveranstaltungen zur Ausgabe und zwar unentgeltlich an diejenigen Mitglieder, welche die Mairate des Jahresbeitrags entrichtet haben. Rezitation der Bibel in der Synagoge durch Edith Herrnstadt-Oettingen Die Freunde der Vortragsfcunst von Frau Herrnstadt-Oettingen konnten sich bei idler Kulturbund-Veranstaltung am 22. April vor allem an der prachtvollen Wiedergäbe auserlesener Biibelstellen und eines Stückes aus der Szenenüolge von Beer- Hofmanns Spiel „Der juinlge David" erfreuen. Das Experiment der Bibel-Rezitation in 'der großen Synagoge bleibt ein heikles Unternehmen. Die Sitmame der Künstlerin trug die mit Gedankengut umdl Stimmungen schwer beladenen. wohl bekannten Sätze überraschend gut durch den Raum. Die vier Bibel-Stücke waren vorzüglich »gewählt: Josef gibt sich seinen Brüdern zu erkennen — Die Einweihung des Tempels durch König Salome — Jesaias Verheißung „Juble, du Unfruchtbare" — Jecheskels Vision von Israels wunderbarer Wiederbelebung. Viel schwerer simdi die Zusammenhänge, Vorgänge und Personen aus Beer-Hofman'nis dramatisierter David-Historie allgemein verständlich zu machen). Maachas Lied: Schnee du, vom Hermon Treibst dich zu Tale —? Springst du ein eisiger Quell über Stein--? Frühling vom Berge, Steigst du hernieder —? Ruhst 'dur am Hange — Träumst du ottn Rain--? klang jedenfalls herrlich, ebenso diiie Schluß-Szene „Ruth zwängt David die' Krone auf". Manfred Sturmanns Gedicht „Bekenntnis" verfehlte in der Rezitation durch Fant Herrenstadt seine Wirkung nicht. Leider war es einem Teil der Zuhörer akustisch nicht möglich, in allen Teilen der Vortragskünstlerin zu folgern Der Kulturbund ist in der Wahl geeigneter Veranstaltungsräume außerordentlich eingeschränkt; die Wahl der Synagoge entsprang einem Notstand. Das jüdische Publikum muß noch mehr als es bisher geschehen ist, der besonderen Lage der Kulturbünde Verständnis entgegenbringen; an unausgesetzten Bemühungen, die aus 'der allgemeinen Lage sich ergebenden Heimmuinigen verschiedenster Art zu beseitigen, fehlt es nicht. — Reise nach Jerusalem vor 80 Jahren Zu den exemplarischen, in ihrem Sein und Gelteaifwollen die jüdische Gesamthaltung 'darstellenden Gestalten des westeuropäischen Judentums vor 100 Jahren, das sdch im Licht der emanzipatorischen Errungeins chatten sonnte und mit den besten Leistungen der Umwelt wetteiferte, gehört der in den letzten Jahrzehnten wenig mehr genannte „deutsch-österreichische Dichter" Ludwig August Frankl (1810—1894)', der als Ritter von Hoch wart im Jahre 1877 von Kaiser Franz Joseph in den Adelstand erhoben wurde. Seine Balladen, meist aus idler vaterländischen Geschichte ösetrreichs und des Hauses Habsburg, interessieren uns hier weniger; dlas breite, heute vergessene 'dichterische und politische Schaffen Frankls ist in dem 48. Niachtragshand der „AM^emeinien Deutschen Biographie" (1904; Seite 705—712) ausführlich «dargestellt. Mit Begeisterung hatte sich Frank! wie viele deutsche Juden, der freiheitlichen Bewegung des Jahres 1848 angeschlossen. Aber der Schukat der Residenzstadt Wien, der Ehrenbürger von Genua, der 'Begründer der Wiener Blindeninstituts und Anreger des ersten europäischen Blindenkongresses, der bedeutende Arzt, der 1837 in Padua zum Doktor der Medizin promovierte, der gefeierte Phlilantrop und Schriftsteller, war auch einer der unermüdlichsten Vorkämpfer für jüdische Rechte in Deutsch- Karl Ettünger („Kärtchen") Zu seinem Auftreten am 9. und 10. Mai )