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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-03-01 · 5 (1.3.1936) · p. Seite 110

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
5 (1.3.1936)
Date
1936-03-01
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
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110 Bayerische Israelitische. Gemeindezeitung Nr. 5 will „Das siebenfache Licht" sein, das der-jüdischen. Schule wie dem rjüdischen Hause gewidmet, ist:- eine? Anthologie aus dem - deutschen Schrifttum für den jüdischen Leser des deutschen Sprachraumes; ein Spiegel der mannigfachen Erscheinungsformen alten und nei^n Jude^ zur Kenntnisnahme, Unterhaltung und Belehrung. , . . ... Max £ Liebermanh-Ged :ira Berliner jtädfafrx^ Am 8. Februar jäh»te> sichu zuta}?eff<e$f Mater -der.- Todestag. Max Lieb6imann*s,' und1' »die Beniner Jüdische Gemeinde hielt es für ihre Pflicht, raus diesem Anlaß ^rae^Gedächtnis-Ausstel-:, hing -zu veranstalten- , j Mit größter Liebe, unterstützt durch die Bereitschaft der Familie des Künstlers, durch den sachkundigen Rat des Licbermann-Biographen Hanke und) die Mitarbeit Prof. Franz Landsbergers und Dr. Max Osborns, haben sich die Berliner Gemeinde und1 das Jüdische Museum dieser Ehrenpflicht unteTzogen, des großen Berliner Malers, vielleicht des größten jüdischen Malers überhaupt, durch eine Schau seiner Werke zu gedenken und^die'Se Verehrung auch der neuen Generation zu zeigen und an sie weiterzugeben. i»]E§"£onnl^.^|t^r1adi >&eiÖe'-,sö' umfassende -^AusstellungwerdjeatiV^wie xtxalcr -sie'früher dem Gedächtnis des Meisters gewidmet hafte, gezeigten Arbeiten — etwa 60 Gemälde und einijge Pastelle und -Zeichnungen —^stammen aus dem Jüdischen Museum selbst oder aus Privatbesitz, so daß gerade eine stattliche Anzahl'derj endigen -Werke fehlt, die zu den Standardarbeiten des ^Künstlers, gehören^und siclr ,m/öffent-' Üchen Sammlungen! betfintöeni 'Anderer^ rade ein'besonderer Reiz, eine viel persönlichere Note, daß uns besonders Arbeiten gezeigt werden, die aus der nächsten Umgebung des (Künstlers stammen, die intime Seite seines Schaffens . ^beleuchten: Familienbilder, .Atelierdarstellungen, Wanseebjlder und Studien zü den rberuiühten Werken, wie den Netzflickerintoen, ►den Waftsenfeausmädchen; usw. — Aus allen Schaffensperiodeh Max Liebenmanns, vom 18. Lebensjahr an, leben wir Arbeiten; wir verfolgen ihn von" seinem Anfängen m Berlm -und Weimar über seine holländische Zeit zurück nach Berlin, beobachten Einflüsse verschiedener Richtungen, deheri er " begegnet," erkennen1 aber vor allem immer wieder die Richtung, den Weg, der dem Maler Liebermann bestimmt war: ^Seine persönliche Pfeilführung, d&s Einfanden' dies Lichts, der.Irnjjressipjiist, sprechen sich schon 'iii--de,i]j'vf.r^h^enrArbeiten aus, wenngleich z. B. das „herrliche "Gemälde" der', tößutter rniit> Kind, ein Höhepunkt der ersten;Periode, deutlich Liebermanns Studien der 'alten hbtiändisehen Malerei erkeranen lassen*.- Das; Nebeneinander von Porträts, 'beispielsweise! aus den verschie-j densten Schaffensperiodlen, Jäßt auf diesem einen Gebiet alleint Üie EntwiöTdunig - des'- Küri«78ejisi begreifendie cVerschiedenheit der Selbstporträts von 1938 und 1933 zeigen die Richtung, in1" die 'der Altersstil Liebermanns tendierte1; schon hier (fügt er die lichten, fast grellen, (blauen und grünen Striche ein-, die uns* atn den letzten Arbeiten des Meisters, seinem) beiden Fassungen des Tobias-Themas, auffallen. iDaß Liebermann) gerade in1 seinem letzten Lebensjahr dieses Thema ■gestalten wollte, mag fnit den äußeren Ereignissen und der dadluroh ausgelösten innerem Reaktion zusammenhängen; denn, wentntgleich er auch häufiger jüdische Themata gewählt hatte — es sei nur auf den prachtvollen, auf „ der.. .Ausstellung gezeigten .„ Amterdarner. Markt jmft;vseinen jüdischen Type^i, hingewiesen; oderauf*,ddie ^kanMen =DaTitellu^en «ei1 iaaaengasse:«-^ sV!s^ das %il)lis'etieoSer iüdischfe Thema höchst, selten im Oeuvre Liebermanns* anzutreffen. — Es-erhöht oder-schrnälert nicht den Wert eitnes^ Großen, des •großen jüdischen Künstlers, wie sta<nk das jüdfiscbef Clement in seinem' Schaffen erscheint, ibzw. wie j?jveit, es sein Schaffen bestimmt. Das sind Fratgen, die afeei^in-für dals Schaffen jüdischer Künstler erst einmal leäiijg^efifl untersuch! werden müssen.- Wesenitliidh ist -vielmehr zu'betonen, wie auch: •aus däesen^taier,. itt^erj^Serfee^ A^sstelluajg "ge^ekten Werken' die «a«?elieiierJ4ta^,*ftii' sdcfe geschlossene Persoh^chikeit Ma» Liebermanns zu uns spricht, .und diesetoiKünstler'zu den unseren rechnen zu dürfen, ist es, was uns mit verpflichtenden i^Ä^M^j»^■<^^iPt Lotte PÄermacher. Briefmarken mit unseren Augen gesehen Von Dr. Willy Cohn, Breslau Wir haben alle diese bunten, Meinem Fäpierstücke schon als Jungen geliebt. Wenn wir in der Enge der- Schulstube .saßen und iile unter der Bank betrachteten, heimlich natürlich, dann träumten wir uns hinaus in weite Fernen,' in die Pampas oder "die Gordiilieren oder sonst wohin auf "der weiten Erde.1 — Aber ein eigentliches jüdisches. -Erlebnis waren, sie nicht.- , " Vielieicfit hur einmal m'Mnfg -Postbote ein kleines. unscheinbares Päckchen'brachte mit einer österreichischen Marke, .die.türkischen Aufdruck hatte und als Ortsangabbe Jerusalem! Daß die heilige Stadt' ein Postamt haben sollte, wo man Briefe' abstempelte, war ganz unfaßbar! In diesem Päckchen lag etwas aus Zedernholz, ein Büchlein mit dem gepreßten Blumen Palästinas, undl ein eigenartiger Dürft stieg auf, ein schwerer, dunkler Duft. — Es lag auch ein Schreiben dabei in krausem Deutsch, man solle etwas einschicken 'für dfie Frommen im Lande. Und der gute Vater, er wäre heute bald 100 Jahre, tet es wohl auch. — Das war wohl das einzige jüdische Erlebnis, das Briefmarken uns gaben. Das ist.heute ganz anders.,geworden. Heute haben uns die Briefmarken vieles zu sagend Heute sind sie nicht mehr ein kleintes buntes. Stückchen Papier, das wir wohl . Besitzerstolz ' inlmser Albuin einkleben, heute sind sie Schicksale'Jüdisches Schicksal. . : . .. .Mauken von .San. Salvador! Irgendwo. Am .heißen, tropischen Mittelamerilka zimmern sich Juden m Einsamkeit'-ein/ Stüök Zukunft. Tropen, Wärme, Feuchte! Der-Brief, au!f den die Marke geklebt wind1, soll die ganze Sehnsucht .über das Meer zu denen, tragen, die man daheim 'gelassen hat... Brasilianische Luftpostmarken, via Condor, steht auf dem Umschlag. Hauchdünn ist das Papier. Fingpostgebünrem sind hoch, aber man ist doch iglüokliilch über die Flugpost, denn in wenigen Tagen hat eine alte versorgte Mutter den Bräeif, dersonst Wochöre zu ihr reisen müßte. Jüdische Sehnsucht nach dien Daheiirngebliebenen trägt Luftschiff und Flugzeug eingeschlossen in einem leichten Brief schwer übler den großen Teich. 'Briefmarken der Südafrikanischen Union! Sie kommen häufiger hierher, dorthin sind viele gewandert, sind fast Antipodlein ihrer Liebten geworden. Burisdh oder eniglisch ist die Sprache der Marken. Ein wenig erzählen sie vom Lande selbst, voln seiner Ar tund den Judlen, die tapfer denen helfen, die . nach ihnen kommen. Ein aufrechtes Judentum scheint dort zu erstehen. '-'-fA■? -.'. v- .' Wo sind nicht Juden hinigestreut worden in diesen drei i Jahren! Mariken von 'Chile», begeghlelrii sich mit sochen aus In-; dlien ün der, Tasche, des" Briefträgers." der'sie in jüdische Häu^- ser. bringt, an Persiehs Chausseen arbeiten jüdische Ingenieure uiÜKi' ''ikfeben. aerne-; .eigena-rl^en. jP^r^eijr, nach harter Arbeit als Geileitzeichien dem Briefe auf die weite Reise. Ale "diese'^Marken^^- aber; sind'.uns,Fremde. Was sie, bergen, ist uns lieb-, aber sie selbst sitnid) Exoten. Aber ihr, Marken aus Erez Israel, ihr habt Heimatrecht in unserem Herzen befcoimimera, ihr seid ein- Stück der Zukunft : unseres Volkes geworden. Blaue Marke von Erez Israel', Omarmoschee, was erzählst du uns von den Arbeiten und Kämpfen unserer Kindter! Du bist so hoch im Wert, dlaß du; allein einem Brief Jreimachen kannst...Vcn dier. Marke mit Ra- : chels «Grab -müssen viele zusiammenfcoimmen, um dem gleichen , Zweck zu dienen. Vielleicht, daß darin, ein tMes Symbol .liegt: ' so wie' Rachel abseits, liegt, jfern -v.on;den anderen ^Erzvätern und Mütterni. so bleibt sie auch einsam .in ihrem Abbild, und : selten nur 'kommt sie zu uns. . ■ , Marken von- Erez Israel! Euer kliimgt uns wie Heimat-; klang. Markenbilder kommen^und gehen, vielleicht, daß einmal neue Marken von' unserem *Lanidie, ZUi 'künden wissen, von : dem Werdlen 'unserer; Städte und. Dörfer, vom Wiederfinden unseres Landes. —- Abef/'.soJ.aftge"' Sie .'liochi nicht da sind, wol- ' leli"■: war1 uns., freuen/.'Venn Vre mit :der; Omanmoschee Gutes bringen voh 'den Menschen, mit denen . wir in.'Liebe, vereint und diie doch getrennt sind weit durch das; Meer.. "'.':'{,."''', ' r ''.•' ',"Jj

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