Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 5 (1.3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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•liid. Kulturbund in ISaycrn Orts;|i'iiu»e „Das siebenfache Licht" Gestalten u n,d Stoffe des Judentums in der ,d e u t;s c b.:e n Dichtung (Schocken-Verlag, Berlin 1936) Selbstanzeige von E'manuel bin Gorion. Der Jude des deutschen Sprach- und Kulturkreises, der sich der Sprache und des Schrifttums, mit denen er aufgewachsen ist und an denen er gebildet wurde, nicht zu entäußern vermag, wird unabweisbar vor die Aufgabe gestellt, sein geistiges Dasein aufs .neue sich einzurichten. Die Frage lautet genauer: was an Büchern deutscher Sprache soll er lesen, ohne daß er selber das Gefühl habe oder von andern den Vorwurf verdiene: du nährst dich von fremdem Gute? Die einfachste Antwort müßte lauten: Allgemeinbesitz der Menschheit ist die Weltliteratur, zu der die deutsche.ihr gerüttelt.Maß beigetragen hat; beschränken wir uns darum, vom Hunger nach dem Worte gepackt, auf ihr ewig dauerndes,: unverlöschliches und unverwelkliches, wichtiges, weil gesprochenes Wort. In jener unsterblichen Reihe, die von der „Ilias" bis zu „Krieg und Frieden" reicht, stand und steht für uns im Punkte des goldenen Schnitts der „Faust". Daneben wird. nun freilich, i von der Summe des Werks des größten Dichters aller Zeit, 'für «uns erneute undin einer nicht erwarteten Art besondere Bedeutung gewinnen der „Westöstliche Diwan". Ein lange umstrittener Begriff, das Sonderdasein des jüdischen Dichters deutscher Zunge, ist jetzt, im Zuge einer Entwicklung, die wir selbst nicht bestimmt haben, zu einem festen geworden, und'damit wurde aus dem Schrifttum deutscher Sprache ein Stück herausgelöst und uns zur Betreuung übergeben. Eine zweite, kleinere Schatzkammer, dafür von uns allein zu verwalten;Schätze des Silbers neben den des Goldes, die der ganzen Menschheit gehören. Es wird unsere Aufgabe sein, das bescheidene Gärtchen grün zu erhalten, aber der Besitz soll uns nicht dazu verleiten, es zu einem Paradiese besonderer Art umzuträumen. Ein gewisser Ahnenstolz ist verzeihlich, und die fast legendäre Gestalt des Minnesängers Süßkind von Trimberg schaut vielleicht den oder jenen aus; der bebilderten Liederhandschrift hierzu aufmunternd ah; fangen wir aber doch lieber erst von Mendelssohn an zu zählen. Dabei wird sich ergeben, und wir tragen es als Lehre davon, daß gerade der beispielhafte Typus des Schriftstellers jüdischer Nation und deutscher Sprache fast nur im Beginn dieses Zeitalters sich zeigt, um im Laufe der Emanzipationsperiode, die uns hunderte von Autoren ähnlicher Kategorie zu bringen hat, allmählich zu verblassen. Allein im 18. Jahrhundert, mit dem wir die neue Rechnung anheben, blüht im Verborgenen der Dichter Moses Ephraim Kuh, der den Vergleich mit den Besten aushält; wirkt am Rande das Genie Salomon Maimons, dessen Lebensbeschreibung, mehr noch als sein System, zu den klassischen Leistungen gehört; lebt, die Epoche einleitend und ihr Ideal repräsentierend, Moses Mendelssohn, von zeitlichem Ruhme gekrönt, dessen Abglanz gedauert hat. Allen dreien gemeinsam, daß sie jüdisches und abendländisches Geistesgut vereinigt haben, daß sie hebräisch dächten und fühlten, ehe sie deutsch zu denken und zu fühlen begannen,, daß sie — ob wir nun glauben mögen, die beiden Elemente lassen oder ließen sich vereinen, ob wir .es verneinen — beides unvermischt in sich trügen,, es auf sich konnten wirken oder gar miteinander ringen lassen: ehe sie wurden, was sie wurden. Schon den beiden folgenden Generationen mangelte (diese Feststellung jetzt nicht als Tadel gedacht) jene natürliche Wurzel, und vielleicht ist dies die Ursache für den Widerstreit, den ihr Werk bestenfalls in uns heute noch zu erwecken vermag; die eine, einzige Ausnahme: Heinrich Heine, in dem alle Sünden und Vorzüge dieser Existenz so gesteigert erscheinen, daß sein Werk bleiben wird, schon weil es immer umkämpft bleiben wird. Aber Heine hatte wiederum Schüler und Fortsetzer . . . Erst heute, wo — deutlich und scharf wie nur selten in der Geschichte der Völker und ihrer Schrifttümer — ein Strich gezogen ist unter eine Epoche, die nicht wiederkehrt, und wo eine Gegenwart, die uns immer noch auf- und ansteigend schien, plötzlich und unwiderruflich .dekretiert. 13t zu längst Gewesenem, Abgeschlossenem: da lösen sich aus dem Dunstkreise, der das literarische Getriebe notwendig den Zeitgenossen verhüllen mußte, auch die Großen, wenn wir sie hatten, unserer jüngsten Vergangenheit heraus. Aus dem Nebel taucht, fest umrissen und abermals Beispiel gebend, die Gestalt Moritz Heimanns. Sein Werk,, an . der Schwelle des Umbruchs uns. geschenkt und so spät erkannt, daß wir erst beginnen können, es auszuschöpfen,. gibt dem geschilderten literaturgeschichtiichen Abschnitt, den es äußerlich abschließt, einen neuen Sinn, ob es gleidh, wie aller echte Ausdruck dtes Geistes, zu allererst für sich selber steht und zeugt und aus sich selber begriffen werden muß. * Mit dem neuen Lesebuch „Das siebenfache Licht" ist der Versuch gemacht, Nachförmungen jüdischer Stoffe und Schilderungen jüdischer Gesalten aus dem weiteren Bereiche der deutschen Dichtung wie aus dem engeren der jüdischen Dichtung deutscher Zunge zusammenzutragen und in Auswahl darzubieten. Der allegorische Titel bezeichnet zugleich den Charakter der meisten Stücke, die hier vereinigt wurden: ein jüdisches Symbol in der Wortprägung eines nichtjüdischen Schriftstellers (die Wendung ist dem „Klagegesang der Kinder Juda zu Rom" von Gregorovius entnommen). Die Gedichte sind von den Prosastücken getrennt. Beide Abteilungen beginnen mit der Wiedergabe des biblischen Stoff- und Vorstellungskreises, um dann zu Themen und Figuren der nachbiblischen jüdischen Geschichte überzugehen. Auch solche Dichter, die zu den klassi-, sehen nicht zählen,.aber ihr Thema schlicht abschildern und mit einfachen, ehrlichen Mitteln zu bewältigen suchen,, vermögen in einer Anthologie dieser Art, in der das Thematische im Vordergrund steht; neben den großen Meistern zu bestehen. Mehrfach wurde neben den Stoff das aus dem Stoff bereits abgeleitete Bild gesetzt. Möglichst alle Variationen der Betrachtung des zeitgenössischen wie des historischen Judentums sind zu Worte gekommen: wohlwollendes Verstehen wie kühle Sachlichkeit, Stimmen der Begeisterung wie der Kritik, auch gutmütiger Spott; die strikt ablehnende Haltung blieb, wie verständlich, ausgeschlossen, ebenso aber auch die blind-verherrlichende. Der Verzicht auf Apologie jeder Art, zu dem die Ereignisse von selbst uns igeführt häbeni wird! /für die kulturelle Arbeit innerhalb unserer Gemeinschaft zu einem wahren Segen: wir wollen auf niemanden mehr wirken als . auf uns, und da wir nichts dazutun brauchen, können wir um so entschiedener dem Werk unserer Bildung die Kräfte weihen. Ein Beitrag hierzu Ijtaneu Sii dii outt Bottt HhiduhO mmWBw^JUWW w^rfjr ■JfJVfjr ■yfrrfT ■FfFFff f wwwfwwfwwwwwkf tkutaktu Uudfium tatfe rfflrfWfVlWP ^wiwwwtwww»' ^^ww^bj^bp^bf