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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-11-15 · 22 (15.11.1935) · p. Seite 498

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
22 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
Seite 498 (sequence 16)
Language
German
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498 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 22 Symphoniekonzerf am 12. Dezember Audi für Abwechsler zugänglich Zu dem Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München können die Mitglieder außer der ihnen zukommenden unentgeltlichen Eintrittskarte noch so viele Eintrittskarten zum Preise von 1.20 RM. käuflich erwerben, als Personen zur Mitbenutzung ihrer Mitgliedskarte berechtigt sind. Zu diesem Konzert, welches in der Synagoge Herzog-Max-Straße stattfindet, können alle zur Mitbenutzung einer Mitgliedskarte berechtigten Personen zusammen er scheinen; sie müssen jedoch die Synagoge gleichzeitig betreten und sich mit ihrer Mitgliedskarte zusammen ausweisen. Eine unbekannte Wissenschaff: Die Erforschung der Bibel Im Münchener Kulturbund sprach Rabbiner Jacob (Augsburg) über Bibelwissenschaft. Diese Wissenschaft, so führte er aus, sei überhaupt, insbesondere aber bei Juden, nahezu " unbekannt, obwohl die Bibel selbst ein vielgelesenes Buch und : der . Jude Spinoza in seinem Theologisch-Politischen Traktat rder Begründer der wissenschaftlichen Bibelkritik sei. Die '- Bibelwissenschaft habe einmal ihre sprachwissenschaftliche Seite, die der Erforschung der Sprachen der Bibel (Hebräisch und Aramäisch) durch die Mittel der Bibelkonkordanz, eines alphabetischen Nachschlagewerks für jedes Wort der Bibel und der vergleichenden Sprachwissenschaft dient. Bibelwissenschaft sei weiterhin die Frage nach dem richtigen Text der Bibel. Die „Massora" habe durch ihr System des Festhaltens. des überlieferten Konsonantentextes jede Abweichung der hebräischen Bibeln untereinander seit dem talmudischen Zeitalter verhindert. Welche Veränderungen aber der Text vor dieser Festlegung durchgemacht haben müsse, dafür biete allein ein Vergleich mit der griechischen Bibel, der Septuaginta, und der Bibel der Samaritaner, die in Tausenden von Fällen sowohl untereinander wie vom massoretischen Text abweichen, einen einigermaßen deutlichen Anhaltspunkt. Daneben gebe es aber noch eine große Anzahl aramäischer, syrischer und anderer Übersetzungen aus sehr alter Zeit. In höchst umfangreichen Untersuchungen habe sich die Bibelwissenschaft mit der Frage, wer die biblischen Bücher verfaßt habe, beschäftigt. Die Quellenkritik etwa der Wellhausenschen Schule habe beispielsweise unter Anzweiflung der Autorschaft Moschehs vier Quellen (I—E—D—P) der Thora unterschieden-, die nachher von anderen Forschern wiederum in eine Reihe xon Unterquellen abgeteilt worden sind. Das alles seien aber jiur. Hypothesen, die auf inneren Schlußfolgerungen beruhen und letzten Endes der Christologie dienen; in letzter Zeit habe auch in wissenschaftlichen Kreisen die Antikritik an dieser Kritik an Boden gewonnen. Die Krone bibelwissenschaftlicher Forschung sei schließlich die Aufhellung des Inhalts der Bibel. Die Ausgrabungen, die in den letzten Jahrzehnten an den verschiedensten Stätten des alten Orients gemacht worden sind, haben uns jene versunkene Welt mit voller Deutlichkeit, ja vielfach deutlicher als das alte Hellas oder Rom wiedererstehen lassen. In Palästina selbst ist freilich erst in diesem Jahr in Lachisch eine ergiebigere Ausgrabung durchgeführt worden. Wenn man die Darstellung der Bibel selbst mit jenen anderen Zeugnissen altorientalischer Umwelt vergleicht, wird jiicht, wie manche Gelehrte gemeint haben, „die große Täuschung" der Bibel offenbar, sondern ihr einzigartiger originaler Eigenwert. Aus allem Gesägten, so schloß Rabbiner Jacob seinen Vortrag, der mit großer Klarheit ein äußerst schwieriges Thema in einer knappen Stunde behandelte, sei die Folgerung zu ziehen, daß wir Juden mehr als bisher teilnehmen müßten an der Erforschung der Bibel. Denn es sei unsere Welt, um die es sich handle, und wir . könnten von Grundlagen ausgehen, die der christlichen Wissenschaft verschlossen sind. Ca. Musik zu Vorfragen Kunst und Wissenschaft sind eben doch nur Stiefgeschwister. Musik findet meist wenig Bindung zum gesprochenen Wort. Es führt weder ein Weg von einem Bach'schen Klavierkonzert zur Bibelforschung, noch von Hugo Wolfs Michelangelo - Liedern zur Lebensgeschichte Benjamin Disraelis. Wenn der Münchner Kulturbund im Interesse der Heranziehung einheimischer Künstler die streng einheitliche Linie der Vortragsabende ins Musikalische abzubiegen sucht, so erscheint dies als unorganische Verlegenheitslösung. Die Hörerschaft, welche sich für wissenschaftliche Vorträge interessiert, ist in ihrer Gesamtheit wohl weniger auf Musik eingestellt und empfindet die Einschaltung anspruchsvoller Tonwerke meist als unliebsame Verzögerung des Vortragsbeginnes. Falls aus wohlbegreiflichen persönlichen Gründen von einer musikalischen Einleitung bei wissenschaftlichen Vorträgen nicht abgesehen werden soll, dann möge man diese „Ouvertüre" doch auf kürzeste Zeitdauer beschränken, damit das Publikum in seiner Aufnahmefähigkeit keineswegs eine Vorbelastung erfährt. Dieser grundsätzliche, aus stilistischen Gründen gebotene Vorbehalt schließt jedoch eine dankbare Würdigung der musikalischen Leistungen nicht aus. Alraa'Weiß spielte das Italienische Konzert von Bach mit jener geistigen und technischen Überlegenheit, welche wir bei dieser Künstlerin stets hochgeschätzt haben. Walter Rieß erwies sich in den Wolf'schen Michelangelo-Liedern als geschmackvoller Liedgestalter, der, abhold jeglichem Effekt, den innerlichen Stimmungsgehalt dieser tiefgefühltesten Schöpfungen prächtig zu erschließen weiß. Ba. Menschliches Schicksal Schicksallos, wie der schlafende Säugling, atmen die Himmlischen; Keusch bewahrt In bescheidener Knospe, . Blühet ewig ihnen der Geist, Und die seligen Augen Blicken in stiller Ewiger Klarheit. Doch uns ist gegeben, Auf keiner Stätte zu ruhn, Es schwinden, es fallen Die leidenden Menschen Blindlings von einer Stunde zur andern, Wie Wasser von Klippe, Zu Klippe geworfen, Jahrlang ins Ungewisse hinab. I J Friedrich Hölderlin (aus dem „Hyperion").

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