Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 21 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 470 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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470 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr.'21 Konzert Paula Lindberg Seitdem die jüdischen Kulturbünde in Deutschland sozusagen zum Monopolträger aller künstlerischen und wissenschaftlichen Belange des Judentums erhoben wurden, haben diese Verbände gegenüber der Öffentlichkeit eine bedeutsame Verantwortlichkeit übernommen. Der Rahmen sogenannter Vereinsveranstaltungen ist gesprengt; im Brennpunkt steht die kulturell-ethische Forderung: es geht um Sein oder Nichtsein der Kultur des deutschen Judentums. Aus dieser Maxime erwächst für /die Leiter der Kulturbünde die zwingende Notwendigkeit, daß nur die besten Leistungen jüdischen Denkens und Schaffens in die Öffentlichkeit herausgestellt werden dürfen. Alles Mittelmäßige oder Unfertige; alles mit Dilletantismus Behaftete ist rücksichtslos abzulehnen. Gewiß eine bittere Konsequenz gerade für diejenigen, welche noch im hoffnungsvollen Aufstieg begriffen sind. Aber im Kampf um das Ideal dürfen eben nur die besten Streiter in die Schranken treten. Die sittliche Pflicht, junge Talente zu fördern oder bedürftigen Künstlern zu helfen, soll damit keineswegs in den Hintergrund treten. Nur muß dies 'anderen Organisationen überlassen bleiben. Jedenfalls geht es nicht an, das künstlerische Niveau des Kulturbunds durch derartige Rücksichtnahmen zu gefährden. v Daß die" Leitung des Münchener "Kulturbunds sich dieser, Verantwortlichkeit in vollem Maße bewußt ist, bewies der die Wintersais.ön eröffnende Liederabend P äu 1 a L i ndb e r>g. Hier begegnete uns eine künstlerische Persönlichkeit., ganz außerordentlichen. .Grades.... Drei Momente - wirken zusammen, wodurch ,'die gesanglichen Darbietungen zum mitreißenden Erlebnis gestaltet wurden: eine wundersam, weiche, in allen Lagen vorzüglich durchgebildete Altstimme, ein. eminentes Stilempfinden und eine plastische Unmittelbarkeit des Vortrags. Nach einer Arietta von Pergolese, worin bereits die , herrlichen Stimmittel der Künstlerin aufhorchen ließen, erschütterte die Sängerin durch den eminenten Vortrag der Arie „O Abbild der Hinfälligkeit" aus Händers „Samson". Wie aufwühlend brandete dieses dramatische Rezitativ, wie rührend klang die Klage um die gefallene 'Heldengröße, Durch Schlichtheit überzeugte die Arie aus Mendelsohn's Elias „Sei stille dem Herrn", deren hoffnungsvoll gläubige Gefühle lebendig wurden. Den ersten Teil beschloß ein „Halleluia" von, Mozart, worin die Vortragende mit einem bei Vertreterinnen des Kontraalts nioht gewohnten Koloraturenfeuerwerk aufzuwarten vermochte. In siebeni Liedern von Schubert erwies sich Frau Lindberg als stimmungsformende Liedgestalterin. Man hörte im „Wegweiser" und „Jüngling an der Quelle" Pianos von wundersamer, Tragfähigkeit. Dominierte in „Tod und das Mädchen" eine pastose Tiefe, so kam in „Rastlose Liebe" die jubilierende Höhe zu ihrem Recht. Die düster resignierte Mutterklage in Gustav Mahler's noch immer vieL zu wenig gewürdigten „Kindertotenliedern" fand eine stilistisch außerordentlich fein gezeichnete, tief ergrei- - fende Verwirklichung. — Zum Schlüsse hörte man noch jüdische Volkslieder, ganz auf schlichtesten Volkston, eingestellt, Die große Künstlerin ließ das Kolorit für sich wirken und verzichtete auf naheliegende Unterstreichungen oder Übertreibungen. Das köstliche Wiegenlied „Schlof sehe mein Veigele", in J. Roskih's trefflicher Bearbeitung, fand eine ' Wiederholung. Herrn Kapellmeister Erich Erck waren als Begleiter am Flügel vielseitige Aufgaben gestellt. Er bestätigte aufs Neue seine stafke Musikalität durch .stilvolle Begleitung, - welchetrotz starkem Einfühlungsvermögen niemals persönliches Gepräge vermissen ließ. Das ausverkaufte Haus quittierte seinen Dank mit rauschendem Beifall. Ba. Werdet Mitglieder des Kulturbundes Die Vormerkungen für die dritte Gruppe der Veranstaltungen sind noch nicht so zahlreich erfolgt, daß die Aufführungen im Museumsaal dreifach gegeben werden können. Um allen, die es bisher versäumt haben, sich in die Vormerkungsliste eintragen zu lassen, hiezu Gelegenheit zu geben, wird die Vormerkfrist bis 15. November verlängert. An alle Mitglieder richten wir die Bitte, in ihrem Freundeskreis dafür zu sorgen, daß jeder, der noch nicht Mitglied des Kulturbundes ist, sich in die Vormerkliste eintragen läßt. Jedes Mitglied der Gemeinde gehört in den Kulturbund! Im Gemeindegebäude, Herzog-Max-Straße 7, ist von nun ab eine ständige Kulturbundkasse errichtet; die Kassenstunden sind Montag mit Freitag vormittags 9—1 Uhr. Alle anderen Zahlstellen sind aufgehoben. Die Eintrittskarten für die November-Veranstaltungen sind bereits erhältlich und werden bei Bezahlung des November-Beitrags abgegeben. Über den Zeitpunkt der Abholung von Eintrittskarten für die weiteren Monate wird an dieser Stelle regelmäßig Mitteilung erfolgen. Der November-Beitrag wird bei denjenigen Mitgliedern, welche ihn bis 15. November nicht an der Kasse entrichtet haben, von diesem Tage an durch den Kassier mit einem Unkostenauf schlag von 30 Pfg. eingehoben werden. w