Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 20 (15.10.1935)
- Date
- 1935-10-15
- Page
- Seite 444 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 20 Eine unbekannte Wissenschaft Zu meinem Vortrag im Münch,ner Jüdischen Kulturbund Von Bezirksrabbiner Dr. Ernst Jacob Eine unbekannte Wissenschaft? -— „Mir ist nichts Menschliches fremd", wird mancher antworten. Glücklich, wer das Recht hat, so zu sprechen. Aber für die meisten Zeitgenossen ist die Welt in allen ihren ungezählten natürlichen und geschichtlichen Erscheinungsformen unübersehbar geworden und es dürfte für viele Menschen mehr als eine unbekannte Wissenschaft geben. Trotzdem ist es erstaunlich, daß auch die Wissenschaft von der Bibel dazu gehört. Die Bibel ist doch das am meisten gelesene Buch der Weltliteratur? — Das mag sein, aber das von den Juden am meisten gelesene Buch, wenigstens von unseren Juden des Abendlandes, ist sie bestimmt nicht. Es dürfte sogar trotz aller Propaganda und vieler neuer jüdischer Übersetzungen und der Neuauflage guter alter Übersetzungen mehr als ein Haus geben, das nicht einmal eine Bibel besitzt. Und gar von der Wissenschaft der Bibel hat der Durchschnitts jude, ja sogar der gebildete Jude keine noch so blasse Vorstellung. Dabei ist diese Wissenschaft hoch interessant, ja ihre Probleme besitzen oft geradezu den Reiz der Spannung. Romanhafte Entwicklungen sind in ihr etwas gar nichts Seltenes. Sie ist eine der allerwichtigsten Ausschnitte aus der Geschichte des menschlichen Geistes. Und es ist kaum zu glauben, wie sich von ihr Fäden zu allen möglichen anderen Geistesgebieten spinnen, ja welchen Einfluß sie auf die Formung des modernen Geistes überhaupt gehabt hat. Dieser Einfluß hat schicksalhaft die politische Entwicklung bestimmt und dadurch für jeden unter uns eine aktuelle Bedeutung. Er ist noch weit davon entfernt, sich etwa erschöpft zu haben. Seine letzte Form ist noch gar nicht abzusehen und wird wahrscheinlich die Zukunft des geistigen Europa und damit unsere eigene Zukunft stark bestimmen. Ist es da nicht eine dringende Pflicht für jeden Juden, diese Wissenschaft zu einer ihm bekannten zu machen? Es gibt viele Wissensgebiete, die auch ohne uns ihre Pflege finden werden, die von uns bestenfalls ein Liebhaberinteresse beanspruchen können. Aber hier handelt es sich für uns um ein Lebensinteresse, dem sich niemand entziehen darf. Es wäre eine Schmach, wenn wir auch weiterhin den christlichen Kirchen dieses Gebiet widerstandlos überließen, wenn wir nicht alle Anstrengungen machten, es für uns zurückzuerobern, wenn wir es nicht fertig brächten, auf ihm unseren Mann zu stehen, wie wir auf so vielen andern Gebieten menschlichen Geistes tun. Damit unsere Gelehrten erfolgreich in dieser Richtung arbeiten können, brauchen sie die Resonnanz eines größeren jüdischen Publikums. Sie zu schaffen, möchte mein Münchner Vortrag in bescheidenem Maße mithelfen. Levinger Zigarren haben ihre Stammkunden! S.LEVINGER, Bayerstr.21 im Höfel Rheinischer Hof Gegr. 1886 Fernsprecher 54897 Mod ernes Kaufh aus führt in allen Abteilungen Artikel des tag!. Bedarfs Tempo- Warenverkaufs G. m. b. H. Ecke Augusten-Theresienstraße Telefon 53344 MOBEL-BALLIN jetzt Theatlnerstraße 7, Eingang Maffeistr. Billige Preise bei gediegener Qualität Tägliche Ersparnisse durch täglichen Einkauf von Lebensmitteln — Textilien — Haushaltartikel bei KLEINPREISE Nymphenburgerstr. 128 * Tel. 62471 * Lieferung frei Haus REVISTA S. OPPENHEIMER Revisions- und Vcrwaltungs- Treuhänder Ges. m. b. H. Pettenkoferstraße 39 Telefon 59529 übernehmen nachweislich erfolgreich: Beitreibung von Forderungen Geschäftsauflösungen Sanierungen, Steuerberatung Haus- und Vermögensverwaltungen Bilanz- und Buchhaltungsarbeiten Beste Referenzen.