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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-05-15 · 10 (15.5.1935) · p. Seite 225

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
10 (15.5.1935)
Date
1935-05-15
Page
Seite 225 (sequence 9)
Language
German
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■Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindez'eitung 225 nachdenkliches Psychologisieren, sondern ein schujinäßig geordnetes Wissen der Erkenntnisprobleme und die - Fähigkeit selbst geordnet, von sich selbst distanziert zu denken wobei man wie bei der Erlernung einer fremden Sprache über längere Zeiträume Energien aufbringen, vor allem „die Anstrengung scharfer Begrfffsbildung" auf sich nehmen muß. Es ist auch für Erwachsene keine Schande.' sich dieser Anstrengung zu unterziehen. Man bedient sich am besten dazu einer „Einleitung in die Philosophie". An solchen „Einleitungen" ist kein Mangel. „Einleitung in die Philosophie" ist der Titel von Büchern, die, so befremdend dies klingen mag, immer von neuem geschrieben werden müssen. Der Grund ist präzis der: Da die Philosophie in keinem Stadium ihrer Entwicklung d i e Philosophie in dem bestimmten Sinne ist, daß sie sich als endgültige und keiner Fortbildung mehr fähige Fassung ihres ewigen Problembestandes ausgeben dürfte, so ruft jedes Fortrücken der philosophischen Bewegung die Forderung hervor, daß wieder einmal der Kreis der ihr Zuzuführenden sie in der Gestalt kennenlerne, die ihrem gegenwärtigen Reifezustande entspricht. Die „Einleitungen", die im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts unter den Gebildeten, zu denen die deutschen Juden im allgemeinen zählten, am gebräuchlichsten waren (die von Paulsen, Külpe, Becher, Simmel), sind heute durch eine Reihe anderer ausgezeichneter 'Werke ersetzt, die sich in gleicher Weise von dem Vortrag der eigenen Lehre wie von einer" „Übersicht über Philosophen" von Thaies bis Husserl fernhalten. Drei solcher Einführungen seien hier vorgestellt; sie erfüllen alle drei in hervorragendem Maß die Aufgabe, zu sauberen Denkgewiohnheiten anzuleiten und uns den hohen Wert eines distanzierten, leidenschaftslos erarbeiteten Gedankenzusammenhanges spüren zu lassen. Die Einführung in die Philosophie der Gegenwart des früheren Frankfurter Professors Fritz Heinemann „Neue Wege der Philosop h i e" (Quelle u. Meyer, Leipzig 1929) bietet eine klare, uns so oft wir sie zur Hand nehmen bereichernde Übersicht der schweren neueren Geistesprobleme von Hermann Cohen über Ernst CasSirer, Nikolai Hartmann, Croce, Gentile, Bergson, Dilthey, Klages, Scheler zu Heidegger. Heinemann tut besonders als Nachschlagewerk sehr gute Dienste, seine Gedankenführung durch die Philosopheme der Gegenwart ist nicht allzu schwierig. Ein prachtvolles, geschlossenes System zuverlässiger. Gediegenheit und absolut eigenen Geistes ist die „Einleitung in die Philosoph ie" des Leipziger Professors Theodor Litt (Teubner, Leipzig 1933). Das erregende und beruhigende Gedankengut der heutigen Philosophie wird darin in der Weise — nicht immer ganz leicht — vorgeführt, daß der Verfasser die Grundprobleme der Philosophie in dem sie verknüpfenden methodischen Zusammenhang sich entwickeln läßt, Man kann da schwer eine einzelne, für sich noch so fesselnde Frage (etwa über den „Gefühlston" oder über „Geschichte als überpersönHches Werden") herausnehmen; aber hat man erst das Ganze inne, so verblüffen immer wieder auch die einzelnen, nicht in die Zeitströmungen verfangenen Lösungsversuche. — Das dritte hier anzuzeigende Einführungswerk ist das von Professor von Aster (f-rüner an den Universitäten in München und Gießen). Aster geht so vor, daß er in fünf Kapiteln Neukantianismus, Phänomenologie, Neopositivismus, Gestaltphilosophie und Nietzsche- Renaissance erörtert und'1 damit — mit dieser Anordnung und Darstellung — mitten hinein in unser' Problem, nämlich in die Auseinandersetzung des 20. Jahrhunderts mit Kant führt. Jedes der 5 Kapitel bleibt trotzdem eine subtile Abhandlung für sich. Am schwierigsten daraus ist die Behandlung des Neopositivismus, einer naturwissenschaftlich an der modernen Physik geschulten Denkrichtung gegen die vorwiegend weltanschaulich-metaphysische Haltung, die das Philosophieren in durch fachmännische Aufbewahrung Neuhauserstr. 29^Tel. 10561/11809 der Weiterentwicklung des Neukantianismus und in der Phänomenologie, vor allem in der Existenzialphilosophie genommen hatte. „Philosophie" reduziert sich bei dieser Richtung auf mathematische Formeln und auf die scharfe Beobachtung des äußeren Verhaltens von Lebewesen in bestimmten Situationen; das ist das Ende von Metaphysik und Erkenntnistheorie. Carnaps berühmtes Werk „Der logische Aufbau der Welt" (1928) steht im Mittelpunkt des logistischen Neopositivismus. Eine weniger bekannte Gedankenwelt ist bei uns ferner die sog. „Gestaltsphilosophie" (Wertheimer, Koehler, Koffka). die am besten von ihrem Gegensatz her, der Assoziationspsychologie alten Stils, zu begreifen ist. Im Gegensatz zu ihr gibt es nach der Gestaltsphilosophie so wenig isolierte Reize wie isolierte Empfindungen, es gibt nach ihr Vielmehr nur den jeweiligen Gesamtzustand der Gehirnrinde und des Nervensystems sowie den diesen Zustand alterierenden Reiz, und auf der anderen Seite den jeweiligen Gesamtbewußtseinsinhalt in seiner spezifischen Gliederung, seinem Relief, mit seinem Ich- und Gegenstandspol. Die Elemente des lebenden Körpers bilden ein Ganzes, eine Gestalt besonderer Art. Daraus ergeben sich wieder sehr wichtige neue Aufgaben für die Psychologie, gewisse Grundgestalten des Bewußtseins herauszuarbeiten. Es kommt uns bei dieser Anzeige nur darauf an, mit Nachdruck zu sagen, daß es heute neueste hervorragende, im besten Sinn unzeitgemäße Hilfsmittel gibt, uns über die wichtigsten Denk- und Erkenntnisprobleme gut zu unterrichten, wobei weniger die Gewinnung von Ergebnissen wichtig ist als die Gewinnung einer distanzierten und überlegenen Haltung zu den Dingen, die um uns vor sich gehen, über die Tagesnotdurft M. SJOLSSRTHAIJ <& CO. KAUFINGERSTBASSE lO Das Haus für hübsche Geschenke in Uhren Schmuck Silberwaren REICHENBACH-BAD ReichenbachstraBe 8/1, Telefon 28781 Neu renovier! und vergrößert. Wannenbäder 50 Pfg-, alle Heilbäder, Massagen, Höhensonne, Schlankheitsvibration, Faßpflege. Besonders zu empfehlen ist das Gynmacolon«Dannbad Seit 1845 SäfTltj Sßldö Ulld Wollß gesclimackvoll. haltbar und preiswert bei HAIMANN am ScMllerdenkmal

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