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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-04-15 · 8 (15.4.1935) · p. Seite 181

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
8 (15.4.1935)
Date
1935-04-15
Page
Seite 181 (sequence 13)
Language
German
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Jii«l. Kulturbund in Bayern Konzerf Münchner Künstler Der gute Besuch des Abends bewies aufs neue, welches Interesse man gerade unseren einheimischen Kräften entgegenbringt. Das Programm war mit besonderem Geschick und Geschmack zusammengestellt, doch darf der Einwand nicht unterdrückt werden, daß es infolge seiner Länge etwas ermüdete. Nach den Romantikern Schumann—Schubert—'Mendelssohn kamen ausschließlich moderne Komponisten jüdischer Provenienz zu Worte. Zu der mehr durch äußerliche Bravpur als durch inneren Gehalt bestechenden Walzer-Etüde von Saint-Saens standen in schroffem Gegensatz drei herrliche Lieder von Gustav Mahler, darunter die beiden tief aufwühlenden, weitabgewandten Gesänge „Ich bin der Welt abhanden gekommen" und „Mitternach". Aus Schönbergs köstlichen „Gurreliedern" war der Gesang des Waldemar vertreten, ein übersinnliches Liebeslied, dessen verklärte Schönheit sich allerdings erst im Farbenspiel des begleitenden Orchesters so recht zu enthüllen vermag. Unmittelbar bezwingender Art sind Frankenburgers Lieder „Hörtest du denn nicht" und „War der Himmel trüb und schwer". Nach Texten vom Hoffmannsthal bauen sich diese Gesärge wirkungsvoll auf und zeugen von starker künstlericher Intuition, wenn auch da und dort eine gewisse Abhängigkeit von Wolf und Strauß nicht abgeleugnet werden kann. Schlicht und mit volkstümlicher Frische gibt sich Leo Blech in seinem Sang „Aus dem Walde". Aus der Opernliteratur begrüßte man Alfonsos Gesang aus Korngolds „Violanta", die Oper eines Wunderkindes, dessen Ruhm einem feurigen Meteor gleichend rapiden Aufstieg nahm, um ebenso rasch wieder in Vergessenheit zu erlöschen. Diese Arie beweist jedenfalls ein erstaunliches Können, wenn auch Routine das Eigenpersönliche zu sehr noch überschattet. Ein Duett für Sopran und Tenor aus Goldmarks einst umjubelter, heute vergessener Oper „Die Königin von Saba" beschloß die Reihe der Darbietungen, wobei man sich an der Melodik dieses äußerst dankbaren, tonprächtigen Stückes freuen konnte. Die Interpreten: Liselotte Weiß bestätigte neuerdings ihren Ruf als ausgezeichnete Pianistin mit trefflicher Technik. Im ersten Satz von Schumanns G-moll^Sonate schien eine gewisse Befangenheit noch das Modulationsvermögen der Künstlerin im Forte zu hemmen, dagegen trat in den langsameren und leichtbeschwingteren Sätzen starke Empfindungskraft zutage. Ernst. Mosbacher geht stimmlich .der Vollendung entgegen. In den Opernfragmenten konnte er sein prächtiges Material so recht aus dem Vollen spenden. Anspruchsvollere Gesänge Schuberts vermochte der Künstler mit entschiedener Stileinfühlung zu gestalten, wenn auch noch nicht alles restlos glücken wollte. Bei Irma Stern adelt die vorbildliche Kultur des Vortrags eine äußerst sympatische warme Stimme. Gerade in den Liedern Frankenburgers traf sie so recht jenen intimen kammermusikalischen Ton, der allerdings im Zwiegesang der „Königin von Saba" sich gegenüber dem tonlichen Übergewicht des Tenors nicht so recht durchzusetzen vermochte. Besondere Anerkennung verdient endlich Matthäus Urwand für die geschmackvolle Art, wie er sich für die stimmungsmäßig und technisch schwierig zu behandelnden Gesänge von Mahler einsetzte. Man bedauerte nur, daß dieser außerordentlich hoffnungsvollen Baßstimme keine bessere Gelegenheit zu Entfaltungsmöglichkeiten geboten war. Wärmsten Dank Erich Erck, welcher diesen interessanten Abend mit hingebungsvoller Arbeit vorbereitete und sich wieder als jener ausgezeichnete Begleiter erwies, als den wir ihn längst kennen, Ba. Vortragsabend Offo Bernsfein Die Erwartungen, die man allgemein in diesen großen Künstler nach seinen Rezitationen im Kulturbund im vorigen Jahr gesetzt hatte, wurden durch den neuen Vortragsabend übertreffen. Welche Sprechkunst und welche Auswahl! Thomas Mann haben wir vieles abzubitten; ein leichtes Aburteilen von obenher über diesen Dichter und seine biblischen Bücher verrät weder Kennerschaft noch Geschmack. Die beiden großen ersten Romane der Trilogie „Joseph und seine Brüder" zeigen vollkommen deutlich, daß hier nicht mehr versucht wird, die biblischen Geschichten zu rationalisieren. Die Frage: Wird der Verstand von Thomas Mann der biblischen Dichtung nicht zum Verhängnis werden?, ist beantwortet. Kein wissenschaftliches Kommentarwerk, keine Übersetzung dient so der Ehre und Würde der Bibel wie die Romanschöpfung von Thomas Mann. Auch in „Joseph und seine Brüder" fehlt es nicht an der aufblitzenden Ironie, die sich plötzlich beobachtend außerhalb des dargestellten Gegenstandskreises stellt, — in einer überlegenen Formulierung oder einer erkenntniskritischen Anmerkung. „Es ist zum Nachdenken" — spekuliert der Dichter mitten in der unerhörten Geburtsszene, die uns Bernstein so vollendet vortrug —, „ob der Gefühlvolle eigentlich mit Bewußtsein Freiheit und Ruhe mißachtet, wissentlich das Verhängnis gegen sich aufruft und nicht anders als in Ängsten und unter dem Schwerte zu leben wünscht. Offenbar ist ein solcher vermessener Wille das Zubehör der Gefühlsseligkeit, denn daß diese große Leidensbereitschaft voraussetzt und es nichts Unvorsichtigeres gibt als die Liebe, sollte jedermann wissen. Der hier waltende Widerspruch der Natur ist eben nur der, daß es weiche Seelen sind, die dies Leben wählen, gar nicht geschaffen zu tragen, was sie herausfordern, — während die, die es tragen könnten, nicht daran denken, ihr Herz bloßzustellen, so -daß ihnen nichts geschehen kann." — Bei Bernstein ereignete sich das Wunder, daß diese höchst unepischen, beobachtenden und raisonierenden Stellen, die die Dichtung zu spalten drohen, die Kraft und den Eindruck des Ganzen eher steigerten; denn der Verstand in diesen Romanen — das offenbarte die großartige Rezitation Otto Bernsteins — verneint nicht, sondern hebt die magischen und märchenhaften Dinge aus einer dumpfen oder scheinbar geläufigen, „theologischen" Sphäre in eine lichte freie Höhe, nämlich in die der absoluten geistigen Freiheit, die nun einmal die Atmosphäre ist, in der wir am liebsten atmen. Darüber hier nicht mehr. — Dem prachtvollen Schlußkapitel „Benoni" aus den „Geschichten Jaakobs" ging eine Bubersche Legende „Das dreimalige Lachen" voran, und den Schluß des Abends bildete der Vortrag von Kleists kristallener Prosa „Das Erdbeben von Chili". Wie Otto Bernstein das alles vortrug, auswendig, mit letzter gespanntester Hingabe, daran teilzunehmen war ein hoher Genuß und eine nachhaltige Erschütterung. F. Ijumbh Sin die oute B<uk-kt£idukä fftwwyi« m vv wwwir "nfvif wnwwww fww%fwwwwwww^m touaUe* SM«*** Utcfr

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