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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-04-15 · 8 (15.4.1935) · p. Seite 179

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
8 (15.4.1935)
Date
1935-04-15
Page
Seite 179 (sequence 11)
Language
German
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 179 Aus dem Reiche Die Maimonides-Feiern der Berliner Gemeinde. Die Feiern der Jüdischen Gemeinde Berlin zur Erinnerung an Moses Maimonides fanden am 30. und 31. März d. J. statt. Am 30. sprachen in der Synagoge Heidereutergasse, der ältesten Synagoge Berlins, Rabbiner Dr. Freimann und Rabbiner Dr. Altmann. Dr. Freimann feierte in Maimonides den größten Halachisten aller Zeiten, der durch seine „Mischne Thora" die nach Untergang des Gaonats bestehende Gefahr der geistigen Zersplitterung beseitigt habe. Bei der Feier, die am nächsten Abend in der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße stattfand, wirkte auch das Kulturbund-Orchester unter Leitung von Joseph Rosenstock sowie die Rezitatorin Frau Edith Herrnstadt-Oettingen mit. Zu dieser Feier war als Vertreter der spanischen Botschaft Legationsrat Xammer erschienen. Einleitend wurde das Concerto grosso in a-moll von Händel gespielt. Sodann hielt Rabbiner Dr. Wiener eine Ansprache. Er schilderte die Stellung, die Maimonides zum jüdischen Gesetz einnahm und führte im wesentlichen folgendes aus: Das Gesetz wuchs so wie das Leben wächst. Maimonides hat es nicht erfunden, sondern vorgefunden. Er war kein Reformer, sondern hat zum Gesetz ein volles „Ja" gesagt; aber er verstand es besser als andere, das Gesetz klar zu machen. Gott hat das Gesetz offenbart, und als Gesetz Gottes bleibt es die ewige Richtschnur jüdischer Menschen. Man kann zum Judentum „nein" sagen; sagt man aber „ja", dann muß man auch das Gesetz in seinem vollen Umfang anerkennen. Deshalb braucht die, Vernunft nicht ausgeschaltet zu werden: auch sie ist von Gott gegeben, zu dem Zweck gegeben, um alles, auch das Gesetz, zu durchklären und zu durchleuchten. So hat Maimonides das Judentum neu auf dem Felsen des Gesetzes gegründet. Aber da er eine weltoffene, jeder geistigen Wahrheit zugängliche Natur war, konnte er auch die aristotelisch-neuplatonische Philosophie in sein System aufnehmen. Den kindlich einfachen Sinn als solchen schätzt er nicht. Er ist aristokratisch. Kontemplation, Anschauung, Betrachtung erscheinen ihm als die eigentlichen Aufgaben des Menschen. Diese Haltung des Maimonides, das- Festwurzeln im Judentum einerseits, das Himiberreichen in die Umwelt anderseits ist auch heute noch gültig, und in diesem Sinne ist Maimonides auch heute noch ejn Führer im jüdischen Schicksal. Nachdem Frau Herrnstadt-Oettingen Stellen aus den Werken des Maimonides rezitiert hatte, sprach Dr. Fritz Bamberger. Maimonides hat ein Vorhandenes übernommen. Dennoch ist er ein selbständiger und bis ins Tiefste wirkender Philosoph. Er hat sein philosophisches Gebäude auf der Grundlage des Judentums errichtet. So ist es denn auch kein Zufall, daß er sein philosophisches Werk erst nach dem halachischen Werk geschrieben hat: er wußte, daß es darauf ankam, diesen Block nicht für sich stehen zu lassen, sondern ihn mit der allgemeinen Bildung zu verbinden. So hat Maimonides eine Formung der Kultur von der Grundlage des Judentums aus vorgenommen. Dieses so geschaffene philosophische Werk hat jahrhundertelang und bis in die Neuzeit hinein auf die größten Denker und Philosophen der Welt gewirkt. Den Abschuß der Feier bildete die vom Kulturbund-Orchester vorgetragene 5. Sinfonie von Beethoven, die im Synagogenraum besonders gut zum Ausdruck gelangte und von den Teilnehmern der Feier mit ergriffenem Schweigen aufgenommen wurde. Nicht, unerwähnt mag bleiben, daß in den Räumen des Jüdischen Museums eine von der Gemeindebibliothek unter der Leitung von Oberbibliothekar Dr. Pessen veranstaltete Maimonide's-Ausstellung eröffnet wurde. Bei der Eröffnung, bei der gleichfalls' Legationsrat Xammer namens der spanischen Botschaft anwesend war, berichtete Dr. Klee von den bei trumpfladen am StachUS gegenüber Imperialtheater Max Schoenemann Schöne Strümpfe hübsche Wäsche u. sehr preiswert finden Sie im guten Spezüilgesdtölt seiner Teilnahme an den spanischen Maimonides-Feiern gewonnenen Eindrücken. Die Ausstellung zeigt eine große Anzahl alter Handschriften und Drucke, ferner u. a. ein Handexemplar der lateinischen Ubersetzung des „More", das Leibniz gehörte und mit dessen eigenhändigen Randbemerkungen versehen ist. Günther Loose r. Tagung des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes. Am Sonntag, den 7. April, hielt der Allgemeine Rabbiner- Verband in Deutschland seine diesjährige Hauptversammlung ab. Auf einer einleitenden Sitzung begrüßte der Präsident des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes, Rabbiner Dr. Leo Baeck, die zahlreich erschienenen Kollegen sowie den anwesenden Vertreter der Berliner Jüdischen Gemeinde, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee. Er hielt sodann einen Festvortrag über „Das Rabbinische in der Persönlichkeit des Maimonides". Dr. Baeck wies darauf hin, daß es für den Rabbiner eine dreifache Tradition gebe: die Tradition des Gesetzes, der religiösen Idee und des Gebetes. Verhältnismäßig früh sei die Tradition des Gebetes vom Rabbiner auf die Gemeinde übergegangen; geblieben sei ihm die Tradition des Gesetzes und der religiösen Idee. Der echte Rabbiner müsse beides in sich vereinigen. Die Persönlicheit Maimonides sei ein Beispiel hiefür, Mischne Thora und More Nebuchim seien eine Einheit. Auch der Rabbiner unserer Tage müsse diese Einheit aufrechterhalten. Es gebe keinen wirklichen Rabbiner ohne Tradition des Gesetzes und ohne Tradition der religiösen Idee. Beides sei voneinander untrennbar. Rabbiner Dr. Dienemann erstattete den Jahresbericht, Dr. Wreschner den Finanzbericht. In der Diskussion wurden im wesentlichen Schulfragen erörtert. Dr. Neumark berichtete über die Duisburger jüdische Volksschule, Dr. Simonsohn vom jüdischen Schulwerk in Breslau. An der Diskussion beteiligten sich außerdem Dr. Freund (Hannover) und Dr. Fuchs (Chemnitz). Zu Schriftführern der Versammlung wurden Dr. Augapfel und Dr. Jacob gewählt. Präsident Dr. Baeck schloß die Versammlung mit einer Ansprache, in der er auf das zehnjährige Jubiläum der Universität Jerusalem hinwies und seine Amtskollegen dringend bat, für die Förderung dieser großen allgemein-jüdischen Sache überall und mit allen Kräften einzutreten. Einschränkung jüdischer Veranstaltungen. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Die Reichsvertretung hat vor einiger Zeit, wie bereits mitgeteilt, bei den jüdischen Gemeinden und Organisationen, den jüdischen Zeitungen und den Gemeindeblättern eine Aktion unternommen, um Zahl und Form der jüdischen Veranstaltungen der Läge des deutschen Judentums anzupassen. Diese Anregungen haben, wie wir mit Befriedigung feststeilen könnten, bei nahezu allen in Frage kömmenden Stellen Verständnis und. Bereitschaft zur Durchführung gefunden, und wir dürfen erwarten, daß die Zahl der Veranstaltungen aller Art noch weiter. vermindert werden wird. Bedauerlicherweise gibt es noch immer einige wenige Kreise, darunter leider , auch Untergruppen jüdischer Oganisatioiieri, die es mit dem Ernst der Zeit für Vereinbar halten. Fest- und Bällveranstaltüngen abzuhalten. ' J. KAUFFMANN/VERLAG UCIIJDI/U I EUI E Jüdische Jagend *v iWWtl-^'HsPWI? nEiraiCI\ni LEPILE im Aufbruch RIW. 0.75 N E U E K S CHE! NU N G

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