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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-02-15 · 4 (15.2.1935) · p. Seite 82

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
4 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
Seite 82 (sequence 14)
Language
German
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S2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. A Mission seines Volkes vorbereitenr im Fernblick auf Kanaan besiegelt er sein Lebenswerk mit dem Tode. Moses als Marionette muß all diese psychologischen Entwicklungen dem Zuschauer schuldig bleiben. An -die starre Maske gebunden, können wir nicht das Aufleuchten seiner triumphierenden Seele erleben; die Unwandelbarkeit der Puppe verurteilt ihn zur Eintönigkeit. Diese Monotonie übertrug sich leider auch auf die Stimme des Herrn. Welch sparsamen Gebrauch man vom Ubersinnlichen selbst auf der lebendigen Bühne machen muß. beweist Goethes Faust in seinem „Prolog im Himmel". Auch die Romantiker des 19. Jahrhunderts, besonders in der Oper, wußten nur zu gut, daß der mystische Zauber einer unirdischen Erscheinung an dramatischer Wirksamkeit um so mehr einbüßt, je öfter das Wort aus Geistermund ertönt. Bin glänzendes Beispiel hiefür, das schattenhafte Aufblitzen des wilden Jägers im Weberschen „Freischütz", dem man als mißratenes Gegenbeispiel den geschwätzigen Geist Asmodi in Pfitzners „Herz" gegenüberstellen kann. Vielleicht ließe sich die Wirkung der göttlichen Stimme in diesem Spiele durch untermalende Musik vertiefen, soweit nicht energische Striche die Erscheinung des Überirdischen auf ein Minimum beschränken. Verfehlt schien es mir die Worte des Herrn durch riesigen Stimmaufwand zu brutaler Primitivität zu steigern. \ Und damit komme ich auf die Aufführung zu sprechen. Marieluise »Kohn und Rudolf Ernst zeichneten für Figurinen und Dekoration. Der dekorative Rahmen fand jedenfalls durch strenge Stilisierung und Beschränkung auf das Notwendigste — das Feuer im Sonnentempel hätte ruhig geopfert werden können— eine geschmackvolle, vorbildliche Lösung. Auch die Puppen trugen stark persönliche Prägung. Die Ägypter schnitten in der einprägsamen Charakteristik vielleicht noch besser ab als die Juden. Die Figur des Moses überragte schon körperlich alle übrigen Gestalten und vermochte sich der in Jedem ideal verankerten Gestalt dieses Heroen rasch anzugleichen. Vielleicht glückt es Fräulein Kohn durch kleine Verbesserungen, diesen Gottesmann noch weltentrückter, überirdischer im Ausdruck zu formen. Sozusagen zur Entspannung hatte man dem „Moses" Offenbachs leichtflüssige Operette „Das Mädchen von Elizondo" als Satirspiel angefügt und sich damit auf ein Gebiet begeben, über dessen Eignung für die Puppenbühne kein Wort mehr zu verlieren ist. Schon die lustige, farbensatte Dekoration weckte beifällige Stimmung, welche sich an dem reizenden Spiel, das unter Dr. Paul Kuhns Spielleitung ganz famos herauskam, immer mehr entzündete. Ein Speziallob Herrn Kammersänger Walter Ries, welcher den verliebten Alten Vertigo, an dessen Wiege Mozarts Osmin, Rossinis Figaro und Verdis Falstaff Pate gestanden, mit von starker Musikalität getragenem, feinsinnigen Humor lebendig machte. Die umschwärmte Manuelita und der galante Miguel fanden durch Sonja Ziegler' und Dr. Kuhn die erforderliche musikalische Umreißung. Die köstlichen Ensembles kamen sehr gut zur Wirkung, Dr. Josef Waldner betreute den orchestralen Teil am Flügel mit Sorgfalt. Außer den vorerwähnten Kräften seien als Sprecher im Moses-Drama nicht vergessen: Elisabeth Springer und Bernhard Remka. Um die technisch vorzügliche Puppenführung machten ' sich die Damen Marieluise K o h n, Lotte Ernst- Schönberg, Elisabeth Springer mit Bertold Wulff verdient. Letzterem noch uneingeschränkte Anerkennung für die gelungene technische Ausstatung des kleinen Theaters, welches den Erfordernissen einer modernen Bühne nichts schuldig blieb. Allen, die sich für das Zustandekommen dieses Abends eingesetzt, sei gedankt. Nachdem der Münchner Kulturbund zunächst nicht in der Lage ist, das Gebiet der kleinen Spieloper zu betreten, kann vielleicht auf dem Umweg über die Puppenbühne ein Notweg gefunden werden, um diese fühlbare Lücke wenigstens eingermaßen auszufüllen. Wir haben alles Vertrauen zu Herrn Wolff, daß er und seine Mitarbeiter Mittel und Wege finden werden, um eine Heimstätte aparter Kleinkunst zu schaffen. Der starke Beifall der Erschienenen mag ihn belehrt haben, daß er trotz seines problematischen „Moses" auf dem rechten Wege ist. Ba. Hermann Schey im Münchner Kulturbund Nun fand auch München Gelegenheit, den Meistersänger Hermann Schey zu bewundern. In Liedern von Beethoven, Schubert, Gustav Mahler und Hugo Wolf erwies sich dieser Künstler nicht nur als Träger einer klangvollen, in allen Registern trefflich ausgeglichenen Baritonstimme, sondern auch als geistvoller Gestalter, welcher den Gehalt der Gesänge voll zu erschöpfen vermag. Daneben ein hervorragender Techniker, welcher sein prächtiges Material restlos beherrscht und ihm nicht nur leuchtende Tonfülle, sondern auch das tragfähigste Piano abzulocken versteht. Seine vorbildliche Aussprache läßt den Text miterleben, seine absolute Musikalität trifft mit erstaunlicher Sicherheit die stilistische Eigenart des Komponisten. Neben seltener gehörten Liedern! von Beethoven, Schubert und Hugo Wolf, überraschte das Programm mit Mahlers „Lie:- der eines fahrenden Gesellen", darin über seeligem Naturschwelgen eine verhaltene Melancholie fühlsam wird, welche sich zum jähen Schmerzensaufschrei steigert. Eine aparte Schöpfung, welche durch Schey's echtes Künstlertum zu ergreifender Wirkung gelangte. Ein Kabinettstück wahrer Vortragskunst bedeutete auch das im leisen Legato gebrachte Schubert'sche „Wohin?" Und daß es dem Sänger auch nicht an Humor gebricht, bewies seine Wiedergabe von Wolfs „Ein Ständchen Euch zu bringen" aus dem „italienischen Liederbuch". Erich Erck begleitete mit der ihm eigenen Hingebung und Einfühlsamkeit. Die Hörerschaft spendete begeisterten Beifall und erzwang sich zum Schlüsse noch Zugaben. Leider wies der Saal wieder empfindliche Lücken auf; es rechtfertigt sich daher die Frage, ob just das Münchner Publikum so unmusikalisch ist, daß es Künstler von Rang zu ignorieren vermag. Der Zulauf zu snobistisch aufgemachten Veranstaltungen läßt beinah dies© Frage bejahen. Und solches ausgerechnet in der Musikstadt München! Ba. Wiederholung der Marioneften- Vorsfellung am 25. Februar im Museum Der überaus lebhafte Beifall, den das Marionettentheater mit seinen Darbietungen gefunden hat, veranlaßt die Kulturbundleitung, diese Veranstaltung am Montag, den 25. Februar, abends 8 Uhr im Museumssaal zu wiederholen. Zur Aufführung gelangen wieder „Moses", dramatische Skizze von Strindberg, und „Das Mädchen von Elizondo", Operette in einem Akt von Jacques Offenbach. Der großen Zahl der Interessenten, welche zur letzten Vorstellung keine Karten mehr erhalten konnten, wird so Gelegenheit geboten, diese sehenswerte Veranstaltung zu besuchen. Die Bühne ist bei der 2. Aufführung noch erhöhter angebracht.

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