Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 4 (15.2.1935)
- Date
- 1935-02-15
- Page
- Seite 75 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr.. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 75 tadellos angezogen — tadellose Qualität — und soo billig — das ist ItosciifcUlcr Bayerstraße 5. Gegründet 1878 macht, ebenso um die Wohlfahrtsarbeit der Israelitischen Kultusgemeinde in München, deren „Pensionat" er miterrichten half. Die Kultusgemeinde wird das Andenken des Entschlafenen in Ehren halten. 80. Geburtstag. Wie wir erst nachträglich erfahren, konnte eines der ältesten Gemeindemitglieder, Herr Sigmund Kahn in München, am 24. Januar in unverminderter Schaffenskraft seinen 80. Geburtstag begehen. Sigmund Kahn, der Vater von Herrn Rechtsanwalt Dr. Fritz Kahn I in München, wurde am 24. Januar 1855 in Altenstadt a. d. Iiier (Schwaben) geboren und lebt seit 1872 in München, wo er vor 56 Jahren ein von ihm betriebenes Lebensmittel-Engros-Geschäft gründete, das er noch heute selbst leitet. Dem Achtzigjährigen gelten unsere Glück- und Segenswünsche! Vorträge der letzten Wochen. Die Zahl der Vorträge in den letzten 14 Tagen gestattet keine ausführliche Berichterstattung über die Fülle der Anregungen, die von den Rednern geboten wurden. Herr Rabbiner Dr. B a e r w a 1 d sprach im Rahmen einer Feierstunde über die Phasen der Entstehung unseres Gottesdienstes und Gebetbuches. Von den ältesten Zeiten des Opferdienstes über die Gebetsordnung des Machsor Vitry bis zu den Reform- Ordnungen bekam man ein anschauliches Bild dieser wesentlichen Seite des Judentums. Im Jüdischen Frauenbund fand Frau Cora Berliner mit ihrem Vortrag über das Generationenproblem eine aufmerksame Zuhörerschaft. Ihre besonnenen und verantwortungsbewußten Ausführungen galten der Überwindung der unvorstellbaren Schwierigkeiten der jungen Generation. Rabbiner Dr. R. Geis, jetzt in Mannheim, war von den Zionisten zu einem Vortrag über „Palästina als Lebensaufgabe einer neuen jüdischen Jugend" eingeladen worden und wußte ein besonders zahlreich erschienenes Publikum aller Altersklassen und aus allen Lagern zu fesseln. Er stritt dem Liberalismus das Recht und die Legitimation ab, den jungen nach Palästina Auswandernden Ungeistigkeit und Abwendung von der jüdischen Religion vorzuwerfen. In den Vorträgen der Rabbiner Eick, Prinz und Geis hatten die Münchener Gemeindemitglieder eine reichliche und allgemein willkommene Gelegenheit, das Gedankengut der jüngeren zionistischen Rabbiner- Generation kennenzulernen. Eine ungewöhnlich wertvolle Ergänzung dazu boten die Ausführungen, die Dr. Friedrich Brodnitz (Berlin) im Kulturbund über den weiten Aufgabenkreis des heutigen deutschen Judentums machte. Indem der Redner, der im Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau, ferner als Presseleiter der Reichsvertretüng und als Vorsitzender des Reichsausschusses der Jüdischen Jugendverbände wichtigste praktische Arbeit leistet, alle „Ideologien" beiseitestellte und über die Tätigkeit des Zentralausschusses berichtete, gab er einen tiefen Einblick in das heute so gefährdete Gebilde „Deutsches Judentum". — Wanderung, Schule, Wohlfahrtspflege, Berufsumschichtung, Erwachsenenbildung, Allgemeine Haltung des deutschen Judentums, das waren die großen Themen, die Brodnitz phrasenlos mit Sachkunde behandelte. Die Existenz des deutschen Judentums über die Krisenzeit hinweg erhalten, vor dieser ungeheuren und vielgestaltigen Aufgabe treten Richtungskämpfe, Konstruktionen über das Sollende und Werdende absolut zurück; angesichts dieser schweren Aufgabe verlieren Schlagworte ihre Bedeutung. Ein Aussprache-Abend tagszuvor bot Dr. Brodnitz Gelegenheit, die mit der heutigen Jugendarbeit zusammenhängenden Fragen nach allen Richtungen in voller Klarheit zu erörtern. 30jähriges Geschäftsjubiläum. Am 1. Februar konnte Herr Metzgermei'ster Julius Lindauer, München, Schwanthalerstr. 37, sein dreißigjähriges Geschäftsjubiläum feiern. Aus bayerischen Gemeinden Hammelburg, 5. Februar. Nach vollendetem 82. Lebensjahre starb eines der ältesten Mitglieder. unserer Gemeinde, Herr Josef Berk. Am Grabe würdigte Lehrer Mahlermann die Persönlichkeit des Heimgegangenen. Aus dem Reiche Neue Bestimmungen für Handwerker Durch Verordnung vom 18. Januar 1935 ist die Berechtigung zur Ausübung eines Handwerks an Voraussetzungen geknüpft worden, die von dem bisherigen Rechtszustand erheblich abweichen. In Zukunft ist der selbständige Betrieb eines Handwerks als stehendes Gewerbe nur den in der Handwerksrolle eingetragenen Personen gestattet. In die Handwerksrolle kann wiederum nur eingetragen werden, wer die Meisterprüfung für das von ihm betriebene oder für ein diesem verwandtes Handwerk bestanden hat oder die Befugnis zur Anleitung von Lehr- •^>S%S::$S%S%S^SS^ Der Aufbruch Von Manfred Sturmann Welch ein Erwachen nach diesem Schlaff Verjagt sind die Träume. Wie Rehe Sprangen sie fort in der Klarheit des Morgen. Schlafwarm noch nimmt die Frühe dich auf Ferne Gewitter, Reste der Nacht, Rufen dich wach. O Auf Bruch, Morgenlicht! Jetzt überschüttet Windesübermut den Leib. Aufgerüttelt taucht er in den Tag, Den jungen, wie in den Lenzkühlen Bach. Aufgereckt, vom Willen gepeitscht, Eile voraus! In der Asche Vergessenheit Glimmt noch ein Funke. Hebe ihn auf, Lohe ihn an, reiße ihn mit! Ist er entlodert zum Brand — Feuersäule wird er dir sein Beim Weg durch die Wüste. Lasse zurück das Joch, Das dich zwang in den Staub, Die kleinen Dinge, die Angst, Das Fürchten um Habe. Arm und nackt sollst du schreiten, Aber die Stirn sei gekrönt dir mit Stolz! Also bereitet gehe — wenn auch dem Morgen Des Aufbruchs Fährnis und Finsternis drohen - Mitten hindurch, es winkt dir das Ziel In nahender Ferne. Dort, an dem Ursprung, sind neue Quellen, sie warten auf dich. Labe den dürstenden Mund! Wachse, sprosse, du Reis, empor Zum Baume, er wurzelt im Erdreich breit, Über ihm aber verströmt der Herr seinen Atem. Trinke, Geborgener, — und lebe! •/"^s^/Ti^/^y^s^j^'^