Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 2 (15.1.1935)
- Date
- 1935-01-15
- Page
- Seite 31 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 31 Hermann Schey der berühmte Berliner Bariton, singt am 23. Januar im Museum Die Reihe der Konzerte hervorragender jüdischer Künstler wird mit einem Liederabend des Baritonisten Hermann Schey fortgesetzt. Der Sänger ist in Bunzlau (Schlesien) geboren. Nachdem er das dortige Gymnasium absolviert hatte, erhielt er nach erfolgter Stimmprüfung ein Stipendium der damaligen Königlichen Oper zu Berlin und begann seine Studien bei Professor Franz von Dulong. Nach Beendigung des Krieges, an dem er von 1915 an teilnahm, wandte er sich dem Konzertiaoh zu. Seine gesanglichen Leistungen und seine Vortragskunst erwarben ihm bald den Ruf eines hervorragenden Konzertsängers. Liederabende in allen Ländern Europas ließen Schey in kurzen Zeit zu den bekanntesten Vertretern seines Faches zählen, und es gibt kaum einen namhaften Dirigenten, unter dem er nicht schon erfolgreich als Konzertsolist gesungen hat. Unter den Gesangswerken, die Schey bei seinem Münchener Konzert zum Vortrag bringen wird,' sei ganz besonders auf die ..Lieder eines fahrenden Gesellen" von Gustav Mahler (1860—1911) aufmerksam gemacht. imn& in IhiYcrn Zur Aufführung des Marioneffen-Theafers am Mittwoch, den 30. Januar In München haben sich eine Handvoll ideal gesinnter Künstler und Private zusammengetan und ein Marione ttentheat e r errichtet, das am 30. Januar an die jüdische Öffentlichkeit treten wird. Nach den Absichten der Theaterleitung soll Schauspiel wie kleine Oper, soweit für das Puppentheater geeignet, gepflegt werden; vor allem Werke entweder jüdischen Milieus oder jüdischer Autoren. Die Bühne ist in der Umschulungswerkstätte der Münchener jüdischen Gemeinde hergestellt, das Wichtigste, die Puppen und Dekorationen, sind von zwei nicht unbekannten Münchener Künstlern, dem Maler Ernst und der Malerin Luiko hergestellt; Technisches wie Darstellerisches liegt ausschließlich in jüdischen Händen. Die Darbietungen sollen ernsthafter Kritik standhalten, sie sind sorgfältig eingerichtet; für die Qualität der Aufführungen bürgen Mitwirkende wie Kammersänger Dr. Paul Kuhn und Walter Rieß, beide langjährige bedeutende Mitglieder des Münchener Nationaltheater-Ensembles, Frau Sonja Ziegler, Gattin des bekannten Kapellmeisters Ziegler (München), Elisabeth Springer u. a. Für den ersten Abend sind vorgesehen ein großes Moses- Drama eines „Weltberühmten", zugleich mit einei darauffolgenden heiteren kleinen Oper; für später sind Werke besonders jüdischen In'halts geplant. Zum Verständnis des nicht überall bekannten Puppenspiel- Wesens sei folgendes gesagt: Um das Puppenspiel, das dramar tische, tragische, ebenso wie das zierliche, heitere, genießen zu können, einen nachhaltigen Eindruck von ihm zu bekommen, dazu gehört ein gläubiges Theatergemüt Heute, wo im Judentum, von der Jugend ausgehend, ein unversieglich scheinender Strom starken Idealismus, erfüllt vom Willen zum Leben, von Abwendung vom Materiellen und Intellektuellen, zu fließen begonnen hat, da müßten alle diejenigen unter uns, die nach Tageslast und hartem Kampf sich einem Schönerem, Höherem hingeben wollen, nach der Möglichkeit greifen, sich aus der Dornenhecke ihres Daseins auf einige Stunden in den blauen Himmel, in die wärmende Sonne des Spieles begeben zu können, in eine kurze Seelenfreiheit. Nicht nur die Jugend — das Alter hätte es noch nötiger, es ist noch mehr verstrickt in die Fesseln des Daseinskampfs, noch mehr bedrückt von unserer augenblicklichen Situation. — Ihnen allen sei gesagt, daß das Puppentheater kein Kasperltheater ist, kein Kindertheater (wenn selbstverständlich auch Kindervorstellungen geplant sind). Im römischen Marionettentheater wurde Shakespeare aufgeführt; die berühmten tschechischen, holländischen Puppentheater und vor allem die deutschen (Pu'honny, Brann, Binder) bringen tiefste Eindrücke mit ernsten Stücken, teils sogar religiösen Inhalts zustande; es gibt viele, sehr ernst zu nehmende Theaterbesucher und selbst Sachverständige, welche die Puppenbühne unter gewissen Umständen der wirklichen Bühne vorziehen. Ein Schriftsteller von Rang sagt, daß „das Puppenspiel nur in gläubigen, von der unberechenbaren Schöpferkraft des Lebens überzeugten Epochen gedeihe". Wer möchte behaupten, daß wir Juden augenblicklich nicht in einer solchen Epoche Ijtt^em Sie die gute Batü-Kteiduuf tttimke* Sekdtik&t SUaß$