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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-11-15 · 22 (15.11.1934) · p. Seite 475

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
22 (15.11.1934)
Date
1934-11-15
Page
Seite 475 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 22 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 475 JiiiL Kultur Zum Konzert des Synagogenchores am 21. November Die Vortragsfolge des Chores soll einen Querschnitt durch das Schaffen jüdischer Komponisten synagogaler Musik vermitteln. Josef Zieglers Orgelpräludium verwendet die überlieferten Themen des „Kol nidre'"; es ist als Einleitung zum Gottesdienst am Vorabend des Versöhnungstages gedacht. — Das „Ono tovo" von S. S u 1 z e r bringt zunächst ein breit angelegtes, im Charakter echt chasonisches Thema, mit den Stimmen des A-capella-Chores zum Fugato aufgebaut; hieran schließt sich ein melodischer Teil und ein rezitatorischer Ausklang. Dem Inhalt des Gebetstextes entsprechen die verwendeten musikalischen Ausdrucksmittel. — Emanuel Kirschner bemerkt in der Vorrede zu den Kompostionen,, welchen sein „Berosch haschonoh" entnommen ist: „Ich war bedacht, traditionelles musikalisches Erbgut älteren und jüngeren Gepräges in weitgehender Weise zu verwenden." Bemerkenswert ist, daß der Chor in diesem Werk nicht im geringsten Gegensatz zur Vortragsweise des Kantors behandelt ist, sondern vielmehr den vorangehenden Gesang des Kantors im gleichen Charakter aufnimmt und in seinen Stimmen festhält. — Heinrich S c h a 1 i t zeigt sich in der „Sehnsucht" benannten Chorkomposition vor allem in harmonischer Hinsicht als Anhänger gemäßigt fortschrittlicher Tendenzen; weniger trifft dies in linearer Hinsicht zu. Der Charakter seines Melos weist auf orientalische Stileinflüße hin. — Das „Mah tovo" von Josef Ziegler trägt besonders in seiner Melodiebildung jüdisch-charakteristische Züge, und gibt sich technisch als Orgelpunktstudie mit betont unabhängiger Linienführung. Nach der Orgeleinleitung wechseln Teile für Kantorsolo und Chor ab. — Der in Wien lebende Komponist IsraelBrandmann verwendet zu „Haroeh" eine originale palästinensische Hirtenmelodie, die er in diskreter Weise für Chor setzt; die Orgel tritt nicht hervor, sie stützt den Chorsatz nur durch leise Akkorde. — „Ribbono schel olom", ein Werk des in London wirkenden Chordirigenten S. A1 m a n, ist von betont ostjüdischem Charakter. Der Chor ist rezitativisch behandelt; zum Solo des Kantors tritt er teils mit Brummstimmen, teils imitierend hinzu. Thematisch ist das Werk dreiteilig angelegt. — Zum Beschluß gelangt der 98. Psalm in der Vertonung von Mendelssohn zur Aufführung, ein Werk, das mit seinem romantisch-klassizistischen Gepräge typisch für das Chorschaffen des Komponisten ist und in der Anlage auf große Massenwirkung zielt. Der 1. Satz beginnt mit einem Allegro („Singet dem Herrn ein neues Lied") und schließt mit einem langsamen Teil („Der Herr läßt sein Heil verkündigen"), während der 2. Satz mit einem ruhigen Zeitmaß („Jauchzet dem Herrn alle Welt") anhebt und in ein Allegro mündet („Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit"). Besonders reizvoll wirkt in diesem Psalm die gegenätzliche Behandlung des Soloquartetts zu den starken Farben der Chorsätze. Der Solist des Abends, Oberkantor J. Alter-Hannover, wird sowohl hebräische Kantorgesänge eigener Kompostion als auch schlichte jiddische Weisen ernsten religösen Inhalts vortragen. IiiiimI in lbiYeni Autorenabend Frifz Rosenfhal (Ben-Chorin) im Kulturbund Am Samstag, den 6. Okt., las der Münchener jüdische Dichter Fritz Rosenthal — den Lesern der jüdischen Presse unter seinem Pseudonym Ben-Chorin bekannt — vor einer zahlreichen Hörerschaft aus eigenen Werken. Der Abend wurde eingeleitet durch Rezitation einiger Gedichte aus den „Liedern des ewigen Brunnens" (Wien 1934, Verlag R. Löwit.) Der Auftakt war zugleich der Höhepunkt, denn Rosenthal ist in erster Linie Lyriker. Die an Stefan George und Rainer Maria Rilke geschulten Verse des Dichters gehören zu dem Wenigen, was die neuere jüdische Lyrik deutscher Zunge aufzuweisen hat. Mit einer sinnenfreudigen, sprachlich kühn durchkomponierten Novelle um Sabbatai Zewi „Das zerstörte Heiligtum", die stellenweise Reminiszenzen an das Vorspiel zu Jakob Wassermanns „Juden von Zirndorf" aufkommen Heß, führte der Autor in sein episches Schaffen ein. Den Schluß des Abends bildete das erste Kapitel des Romans „Affäre Dymjanow", der Chronik eines politischen Mordes in Palästina. Es fragt sich freilich, ob der Dichter nicht Abstand gewinnen muß, um die Dinge übersehen zu können, ob er sie nicht besser erst „historisch" werden zu lassen hat, bevor er sie in seiner künstlerischen Wirklichkeit neuerschafft? Es spricht viel für diese Annahme. Reicher Beifall seiner Leser- und Hörergemeinde dankte jedenfalls dem Autor dieses nicht ganz unproblematischen Abends. ST. Bialik-Abend Es bleibt Hauptaufgabe des Kulturbunds an der Pflege arteigner und eigenständiger jüdischer Kulturgüter mitzuwirken, während allgemein künstlerische Veranstaltungen, die sich von den anderen in der großen Öffentlichkeit nur durch die Mitwirkung jüdischer Kräfte unterscheiden, aber keine unterscheidende jüdische Note haben, Ausnahme bleiben müssen; die Gründe sind oft erörtert worden, sie sind nicht nur grundsätzlicher Art. Die Einladung, die der Kulturbund an Herrn Rabbiner Abraham Schlesinger in Buchau am Federsee (in Württemberg), an den besten Kenner Bialiks in Deutschland, ergehen ließ, war eine mutige Tat, die dem Kulturbund neue Freunde zuführen wird. In Herrn Rabbiner Schlesinger lernten wir die uns jetzt besonders nötige Art von Rednern kennen, die durch reine Sachkunde und eindringliche Vermittlung eines doch verhältnismäßig fremden Stoffes jenseits konventioneller Beredsamkeit die Zuhörer, auf die es ankommt, gewinnen. Der Vortrag, in dem jedes Wort schlicht ohne rhetorisches Geklingel gesetzt war, hätte auch dem feinsten Sprachkünstler Ehre gemacht. Durch Vereinigung des besten modernen westlichen Bildungsgutes in der anspruchsvollsten Auslese mit einem seltenen jüdischen und hebräischen Wissen gelang dem Redner eine Interpretation Bialiks, die durch Entdeckung des Tragischen, Widerspruchsvollen dieser Gestalt, seines zwischen Europa und dem Judenland hin- und hergerissenen Herzens fco?**« Sie die ^uk Batk-KleidukQ HtiutikeH SetattinQU Sttaßi

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