Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 8 (15.4.1934)
- Date
- 1934-04-15
- Page
- Seite 164 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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164 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 8 LUDWIG GRÜBER Odeen.pIat«17 Ge8chäft des Quälitätsrauchers! zeugs, der Macht und der Kämpfe hat das Judentum nie eine Rolle gespielt; höchstens Objekt der Politik war dieses Grüppchen versprengter Menschen. Das Wunderbare seiner Historie ist, daß es nicht wegen, sondern gegen das Werkzeug, nicht durch die Macht, sondern trotz der Mächte zu bestehen vermochte. Und ist das Einzelleben eine Offenbarung vom Leben, von Zeit und Mensch; diese Offenbarung ist von Geschlecht zu Geschlecht weiter zu tragen. Diese lebensfordernde und lebensgebietende Kunde hat Israel von Volk zu Volk zu übermitteln; und das Mommsensche Wort von Judentum als „Ferment der Dekomposition", als Gärungsmittel wird verpflichtend, dadurch, daß wir Selbstzufriedenheit und satte Ruhe nicht dulden dürfen. Der Jude, der von der Verbundenheit der Geschlechter, von dem verpflichtenden „Bund" mit Gott, nichts mehr weiß, hat innerlich jede Bindung mit seiner Gemeinschaft verloren. So hat das Judentum die Forderung der Einheit im Geistigen und Sittlichen zu erheben und darin den Sinn der Geschichte zu finden: von Geschlecht zu Geschlecht, bis zur Erfüllung der Zeiten. H. L. Liederabend Lotte Leonard Nachdem der Jüdische Kulturbund in seinem ersten wohlgelungenen Konzert ausschließlich einheimische Kräfte hatte zu Wort kommen lassen, rief er am 22. März seine Getreuen zu einem Liederabend einer Künstlerin von internationalem Ruf. Er rief — und wahrlich, nicht alle, alle kamen! Im Gegenteil, es war für die Gemeinde München, für ihren Kunstsinn, wie für ihre Verbundenheit mit der Gemeinschaft beschämend, daß der Museumssaal große Lücken aufzuweisen hatte. Die Sängerin des Abends, Frau Lotte Leonard, bot trotz stimmlicher Indisposition, deren sie aber vermöge ihrer ausgezeichneten Technik Herr wurde, schlechthin Vollendetes. War schon das Programm mit erlesenem Geschmack zusammengestellt — es gab neben alten deutschen Liedern Werke von Schumann, Mahler, Schubert und Hugo Wolf, wobei ausgefahrene Geleise vermieden wurden — so verstand es die Sängerin, den geistigen und musikalischen Gehalt jeder einzelnen Nummer in unübertrefflicher Weise auszuschöpfen und den Hörer in den Bann ihrer Persönlichkeit zu ziehen. Begeisterter Beifall lohnte der großen Künstlerin. Die Begleitung lag in den Händen des Herrn Otto Lehmann, der sich seiner Aufgabe gewissenhaft entledigte, ohne jedoch den Eindruck einer ausgesprochenen künstlerischen Persönlichkeit zu erwecken. Die Leitung des Kulturbundes hat mit dieser Veranstaltung erneut bewiesen, daß sie bestrebt ist, sich hohe Ziele zu stecken. Möge sie sich durch den geringen äußeren Erfolg des Abends nicht abschrecken lassen, auf diesem Weg weiter zu schreiten, sie wird so am sichersten das Publikum mit der Zeit zur Gefolgschaft zwingen. Graphische Ausstellung des Kulturbundes Der Kulturbund zeigt in zwei Räumen der Herzog-Rudolf- Straße 1 eine Reihe von graphischen Arbeiten und Aquarellen lebender jüdischer Künstler. Das Niveau dieser Ausstellung hält etwa die Mitte zwischen gefälligen Dilettantismus und wirklichem Künstlertum. Der Eindruck einer starken Konventionalität und einer mehr oder minder großen Anpassungsfähigkeit an bekannte Vorbilder herrscht vor. Die Ausdrucksmöglichkeiten der Schwarz-Weißsprache sind verschieden genutzt, je nach Art der persönlichen Veranlagung. Anspruchslos in Format und Naturauffassung sind die technisch sauberen Blätter von James Bieberkraut und Horschetzki, die Linoleumschnitte von L. Bloch. Bei der Mehrzahl der Bleistiftzeichnungen fällt die Neigung auf, den Schwarz-Weißgegensatz möglichst ausschließlich zur Erzielung starker Schatten- und Lichtwirkungen zu verwerten, etwa bei den fleißig gezeichneten Porträtköpfen von Urwand. In den orientalischen Figurenstudien von F. Aus eher sind die Schwarz- Weißkontraste beinahe schon übertrieben — in dieser Schärfe sollten sie der Photographie oder dem auf Weitsicht berechneten Plakat vorbehalten bleiben. Die Arbeiten von Maria Luiko, Rudolf Ernst und Lotte Schönberg-Ernst bewegen sich in einer gemäßigt-expressionistischen Richtung; die Holzschnittfolgen von R. Ernst zeigen besonders deutlich das erschütterte, verzerrte Weltbild der Nachkriegszeit. Hier wird spürbar, daß eine Gesundung des künstlerischen Empfindens aus einer ganz anderen Richtung kommen muß. Solange die innere Anschauung noch nicht stark überzeugend genug ist, um sich im Bilde zu realisieren, müssen wir uns bei einer einfachen Nachahmung der Natur bescheiden; das Ergebnis wird vielleicht weniger „interessant", sicher aber fruchtbarer für das eigene und fremde Talent sein. Vorbildlich in diesem Sinne sind die kräftigen und sicher komponierten Blätter von R. Hönigsmann; der breite Strich geht fast schon über die Leistungsmöglichkeit des Stifts hinaus und weist in das Bereich der Ölmalerei. Man möchte Bilder von der gleichen Hand sehen. Die Aquarelle zeigen alle, wie fremd wir noch (im Unterschiede zum Ausland, z. B. England) dieser Technik gegenüberstehen, deren Schwierigkeiten so leicht unterschätzt werden. Die wichtigste Forderung eines leichten Hinsetzens von Farbflecken zur Erzielung einer möglichst lebhaften visionären Gesamtwirkung findet sich nirgends befriedigend erfüllt. Die Landschaften von L. Bloch sind farbige Pinselzeichnungen; die Blumenstücke von A. Grünewald haften so sehr am Gegenständigen, daß der Hintergrund fast ganz ignoriert wird und eine farbige Totalwirkung sich so nicht einstellen kann. Das Wenn r Möbel i dann zu Eben Schwanfhalerstr. 9 nächst SonnenstraOe <$a* &MH*£* rfWOwffWt R.INDBR.MAR.KT 9» ^/a ^^tw*^ LaV We bitten hau*Wi[a<htn nur mii (gj) fqufter machen! £ergeffettt m fcen perffttoerfen!