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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1934-02-15 · 4 (15.2.1934) · p. Seite 72

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
10 (1934)
Issue
4 (15.2.1934)
Date
1934-02-15
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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72 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 Bücherschau Eilers, Dr. Wilhelm, Berlin: Die Gesetzesstele Chammurabis. Gesetze um die Wende des 3. vorchristlichen Jahrtausends. 84 Seiten mit einem Titelbild. 8°. 1932. Der alte Orient. Gemeinverständliche Darstellungen, herausgegeben von der Vorderasiatisch-Ägyptischen Gesellschaft. Band 31, Heft 3/4. Leipzig (Hinrichs) 1932. Preis: RM. 4.20. Der schwarze übermannshohe Diorit-Stein, der die große Gesetzesinschrift König Chammurabis enthält und heute im Louvre in Paris steht, ist von unschätzbarem Wert sowohl für die Assyriologie als Sprachwissenschaft, wie für die Geschichte des Alten Orients. Seitdem das Gesetzgebungswerk dieses imponierenden Herrschers dem unseligen Babel-Bibel- Streit, der vor 30 Jahren gleich nach der Entdeckung entbrannte, entrückt ist und die Texte längst Lehrgegenstand an unseren Schulen geworden sind, hat der Vergleich mit den rechtlichen Partien des Alten Testaments seine Stacheln ver loren. Der uns jetzt gebotene Text mit dem wichtigen Register ersetzt vollgültig alle früheren Übersetzungen. Denn die Neuausgabe von Eilers enthält eine völlige Neuübersetzung des akkadischen Textes unter Berücksichtigung der seit der epochemachenden Entdeckung der Stele (1901/2) gewonnenen wissenschaftlichen Ergebnisse sprachlicher und rechtlicher Natur. Erstmalig wird auf den künstlerisch-repräsentativen Charakter des Ganzen hingewiesen und diemetrische Struktur des die eigentlichen Rechtsbestimmungen umkleidenden Proömiums und Epilogs berücksichtigt. Eine knappe Einführung sucht neben der wissenschaftsgeschichtlichen auch der literarischen und rechtshistorischen Stellung der Inschrift gerecht zu werden, um den Weg zu einer allgemein geistesgeschichtlichen Wertung dieses innerhalb des akkadischen Schrifttums einzigartigen Denkmals zu bahnen. Hinweise auf die wichtigste Literatur über den Gegenstand sowie ein ausführliches, z.T. erklärendes Sachregister beschließen das Heft, das an Stelle einer neuen, 5. Auflage des AO-Heftes IV, 4: H. Winckler, Die Gesetze Hammurabis, Königs von Babylon getreten ist. F. Fritz Rosenthal. Das Messiasspiel. München 1933. Verlag B. Heller. Preis: RM. 1.20. Fritz Rosenthal (Ben-Chorin), dem Kreis derer, die sich mit jüdischer Belletristik befassen kein ganz unbekannter mehr, versucht sich in seinem bereits vor zwei Jahren geschriebenen „Messiasspiel" zum ersten Male als Dramatiker und man kann sagen der Versuch ist gelungen. Rosenthal versteht* es mit den sparsamsten Mitteln einer stets lebendigen und dichterischen Sprache mitzureißen und zu erschüttern. Wiewohl wir wissen, daß die zeitlosen Elemente des „Laienspiels" (über dessen Verwendung für unsere Zeit hier geschwiegen sein soll) die mimischen Möglichkeiten sind, können wir nicht umhin bei einer Besprechung des „Messiasspiels" zunächst den sprachlichen Gehalt zu rühmen, denn hierin liegt des Autors eigentliche Begabung — aber auch eine große Gefahr, denn die Zeit reiner l'art pour l'art-Dichtung, der die Sprache und Mittel und Ziel in einem war, ist vorbei. Bei der gotisieren- . den Manier des Messiasspieles wäre diese Gefahr einer Sprachüberspitzung nahegelegen, allein der Dichter verstand es sich immer der Grenzen bewußt zu bleiben. — Wahrhaft wunder nimmt der klare Blick, den Rosenthal im Februar 1932 für die Entwicklung der jüdischen Frage bewies. In den Symbolgestalten seines „jüdischen Welttheaters" vollzieht er — um einen Terminus Hans Blühers zu gebrauchen — die secessio judaica, die heute in Deutschland zur Realität geworden ist. Gerade dieser Blick für die tiefsten Zusammenhänge und die überzeitliche Bedeutung des jüdischen Weltschicksals macht das Buch heute in besonderem Maße lesenswert, denn ein Dichter nimmt hier leidenschaftlich zu den Grundproblemen unseres Seins Stellung, ohne darüber zu vergessen, daß alles, was für das Theater geschrieben ist „bretterhaft" sein muß um wirken zu können. Mit Instinkt für das Bühnenwirksame hat Rosenthal das Mysterienspiel vom jüdischen Volk gestaltet. Hier wäre ein Stück für die Kulturbundbühnen im Reiche! Hier wäre ihnen eine Chance geboten, sich zur „moralischen Anstalt" im Sinne Schillers zu erheben. H.H. SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÜNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALLY-SCHUHE Schuhhaus MAX BRUCK Sendingerstraße Icke Hackenstraße 1 Braune Rabattmarken ^i^S 'Wim $ j^mJao^t vorm. Adler & Co. / Gegr. 1881 " München, Lindwurmstraße 88, Telefon 74986 — 87 Packpapiere, Wellpappen, Pappen und Altpapier. 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