Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 1 (1.1.1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig tUftfcldcr Cmh fy Wänden, im ftafontal berg. Strauß — Anerkennung und Dank für seine seitherige, in schwerster Zeit geleistete Tätigkeit aus. Der 2. Vorsitzende Landgerichtsrat Dr. Rosenberg- Frankenthal berichtet über die am 1. November d. J. ins Leben gerufene Wohlfahrtsstelle des Verbandes in Ludwigshafen, über die Gründung einer jüdischen pfälzischen Darlehenskasse und über die Errichtung gemeindlicher jüdischer Volksschulen. Der Ausschuß beauftratg die Vorstandschaft, alle nötigen Schritte zu tun, damit die Darlehenskasse möglichst bald ihre Tätigkeit aufnehmen kann. Der Schatzmeister des Verbandes, Synagogenvorstand L. Strauß-Bad Dürkheim, spricht mit Genugtuung von den Fahrten der Vorstandschaft in die Süd- und Nordpf alz, um insbesondere dem Zustand der Synagogen und Friedhöfe in den einzelnen Gemeinden kennenzulernen und überall das Nötige anzuordnen. Dieser Besuch sei für die wenigen jüdischen Familien in den einzelnen Landgemeinden ein Sonnenstrahl in trüber Zeit gewesen. — Mit einem schlichten Dankeswort schloß Herr Kommerzienrat Joseph die 3^stündigen einmütigen Verhandlungen. Der Sitzung wohnten die drei pfälzischen Rabbiner: Dr. Einstein, Dr. N e 11 h a u s und Dr. Steckelmacher an. Herr Rabbiner Dr. Baron war dienstlich verhindert. Die pfälzischen Lehrer und Kantoren waren durch die Herren Schottland und Bernstein vertreten. Str. Bücherschau Gertrud von Le Fort, Der Papst aus dem Ghetto. Verlag Kösel & Pustet in München. 1933. 6.—8. Tausend. Wir haben diesen Roman, die „Legende des Geschlechtes Pier Leone", beim ersten Erscheinen in diesen Blättern (Gem.-Ztg. 1931, Nr. 17) ausführlich behandelt und über den historischen Hintergrund, den Papst Anaklet II. (1030—1038), der von jüdischer Herkunft war, Näheres berichtet. Nun erscheint der Roman zum drittenmal und zwar bei Kösel & Pustet. Wir haben es mit einem ergreifenden, tief religiösen Kunstwerk zu tun, jenseits aller Tagespolitik, aber gerade heute doppelt pakkend. Denn die Judenfrage steht hier im katholischen Licht. Der schismatische Papst aus dem Ghetto Anaklet II. ist der Antichrist, der Gegenpapst Innozenz II. die leidende, ans Kreuz geschlagene Kirche. Das Stoffliche ist indes nicht das Wesentliche der dichterischen Vision, in der sich hingebungsvolle historische Studien mit tief gläubigen Auslegungen des bekannten christlichen Dogmas über die Rolle der Juden im göttlichen Heilsplan eigentümlich mischen. Wir empfehlen die Lektüre dieser bekannten Dichtung aufs eindringlichste. F. Josef Hofmiller, Nordische Märchen. Leipzig (Jakob Hegner) 1933. Wir haben zuletzt (Gem.-Ztg. 1933, Nr. 2) die prachtvollen „Pilgerfahrten" von Hof milier, des jüngst verstorbenen feinfühligen bayerischen und deutschen Essayisten, eingehend besprochen. An ihnen war eine durch und durch heimattreue, allem geschmäcklerischen und geistreichen „Intellektualismus" abgewandte Seh- und Schreibweise beispielhaft demonstrierbar, aber gleichzeitig das feinste Einfühlungsvermögen für großes fremdes Kultur- und Geistesgut. „Heute ist es Mode", sagt Hofmiller, „nur das Deutsche, das vermeintlich Germanische gelten zu lassen; was verspricht man sich von dieser gut gemeinten Borniertheit?" Die zwölf Stücke, die uns nach dem Tode Hofmillers in den „Nordischen Märchen" in der erlesenen Art des Verlags von Hegener vorgelegt werden, verraten die seltene Gabe, in einer letzten bleibenden Form einfach und volkstümlich zu fabulieren, mit einem ganz leichten satirischen Schatten, aber immer kernhaft, ohne Umwege, kurz und gerade. Diese Sprachform, ist vorbildlich; es ist wirklich ein Buch für Junge und Alte, alle Stände, für Gelehrte und Ungelehrte, ein vorbildliches Volksbuch. Die Verwandlung des nordischen Sagenstoffes in die Sprachart unserer Heimat, in die oberdeutsche, schwäbische und altbayerische Redeweise (ohne irgendeine mundartliche Wendung) spricht uns in Hofmillers nachgelassenen Prosadichtungen am meisten an. Die deutsche Sprache ist in erster Linie durch Büro-, Beamten- und Juristen-Deutsch, in zweiter Linie durch abgeklappertes Zeitüngs- und Annoncen-(Kaufmanns-)Deutsch in ihrer wundervollen Ausdrucksfähigkeit schwer beeinträchtigt worden. Daß man ganz einfach und schlicht .über die verborgensten Seelenregungen und über die scheinbar verwickeltsten Vorgänge und Zustände schreiben kann, dafür werden uns immer die Werke Josef Hofmillers Zeugnis bleiben. Emin Pascha. Im Ullstein-Verlag ist soeben unter dem Titel „Die schwarze Sonne" ein Buch erschienen, das Ehm Welk zum Verfasser hat und sich mit Emin Pascha beschäftigt. In einer Besprechung dieses Buches in der „Berliner Morgenpost" vom 3. Dezember wird auf dieses Buch als auf die Lebensbeschreibung eines deutschen Kolonialhelden hingewiesen. Der Verfasser der Besprechung, Ralph Zürn, weist darauf hin, daß das Buch „von der Tragik der deutschen Seele, von dem Zwiespalt deutschen Kampfes und von dem künftigen Morgenrot endlichen deutschen Sieges" handle. Dazr bemerkt die „Jüd. Rundschau" vom 8. Dezember: Wir freuen uns, daß auf Emin Pascha durch dieses Buch in einem Sinne hingewiesen wird, der frei ist von antijüdishcen Beimengungen. Emin Pascha oder mit bürgerlichem Namen Dr. Isaak Eduard Schnitzer aus Oppeln O.-S., war ein jüdischer Arzt, der später als Politiker und Forscher Außerordentliches im Innern Afrikas leistete. Auch im Dienste der deutschen Kolonialpolitik hat er große Leistungen vollbracht,] bis er 1892 in Ostafrika ermordet wurde. Es ist in weiteren Kreisen allerdings wohl nicht bekannt, daß dieser Mann Jude war. LLOYD TRI ESTI N O I Express-Verkehr nach Palästina I Abfahrt ab Triest jed. Mittwoch Auskünfte und Platzbelegung Generah Agentur, München, Odeonsplatz I Fernsprecher 27464 eü