Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 5 (1.3.1933)
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 75 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 75 Menschenkenntnis Wer Erfolg hat im Lebenin, vendafikt 'dies meist zum großen Teil seiner praktischen Menschenkenntnis. Darunter versteht man eine unehr oder 'rndwder angeborene Gabe, die Verhaltungsweisen der Mitmenschen zu erkennen und sich selbst dementsprechend einzustellen. Die moderne Forschung strebt dieses gefühlsmäßig angewandte Erkennen wissenschaftlich zu vertiefen, zu präzisieren und lehrbar zu machen. In dieser Richtung kommt besonders dem. erst vergangenes Jahr erschienenen Lehrbuch des Professor an der Berliner Universität, Dr. A. Kronfel'd,1 überragende Bedeutung zu. Als ein praktisches Mittel, Chakteranlagen zu studieren, bietet sich vor allem die Handschrift dar, mit wissenschaftlicher Berechtigung wohl erst, seit ihr der beikannte Philosoph Dr. Klages durch seine theoretischen Begründungen2 die Basis verschafft hat, auf der sich die Handschriftenkiunde über das Niveau des alten Graphologentums herausgehoben hat. Nach Klages ist die Handschrift das bleibend gegenständliche Ergebnis der persönlichen Schreibbewegung und damit ein Ausdruoksmittel ersten Ranges. Seit alters her ist anerkannt, daß die Handschrift nicht bloß etwas 'individuell Verschiedenes, sondern 'auch etwas Typisches darstellt, sonst wäre es z. B. sinnlos, die Rechtswirkung von Schriftstücken von der persönlichen Unterschrift abhängig zu machen. Auch pflegt man die Handschrift seiner Bekannten schon bei flüchtigem Anblick ebenso sicher zu erkennen, wie man deren Gang, Stimme oder Gesten erkennt. Die entscheidende Frage ist nur die: Kamm man aus diesen individuellen Schriftzügen auch die Gharakteranlaige oder einzelne Eigenschaften mit genügender Präzision herauslesen oder begibt man sich dabei auf ein schlüpfriges Gebiet, das der Phantasie und dem bloßen Raten Tür und Tor öffnet? Nüchterne Betrachtung führt hier zur Erkenntnis, daß zwar eine Charakteranalyse aus der Handschrift mit wissenschaftlicher Begründung heute schon in sehr weiten Grenzen möglich ist. daß aber bei dem jetzigen Stand der Auisdruckswissenschaften eine rein theoretisch fundierte Darteilung nicht restlos erfolgen kann, sondern daß ergänzend noch ein intuitives Einfühlungsvermögen treten muß. Erst dort, wo in der Person eines ernsthaften Gutachters theoretisches Wissen und intuitive Fähigkeit zusammentreffen, kann eine einwandfreie Gharakteranalyse erfolgen, deren Ergebnisse dann allerdings überraschend präzise sind. Dabei muß man natürlich als selbstverständlich voraussetzen, daß der Gutachter neben dem rein fachtechnischen Können auch über das allgemeine Bildungsniveau und die eignen Charakterqualitäten verfügt, um über Mitmenschen überhaupt ein Urteil abgeben, zu können. Von solcher Warte aus betrachtet ist die Untersuchung des Charakters aus der Handschrift eines der interessantesten und reizvollsten Arbeitsgebiete um so mehr, als hier die Ergebnisse aus fast allen übrigen Gebieten geistiger Tätigkeit zusammenströmen. Es erübrigt sich wohl, ausführlicher darauf hinzuweisen, daß Handschriftanalyse und Charakterkunde nichts mit okkulten Dingen zu tun hat, wie es leider heute noch in manchen Kreisen angenommenn wird und zwar deshalb, weil auf diesem Gebiet neben wenigen ernsthaften Forschern eine Menge sogenannter Graphologen sich breit macht, welche skrupellos das, was sie Graphologie nennen, neben Astrologie und ähnlichen fragwürdigen Dingen als Gelderwerb ausbeuten. Dr.M.F. 1 Dr. Arthur Kronfeld, Lehrbuch d. Charakterkunde, Springer- Verlag, Berlin 1932. 2 Dr. Klages, Handschrift u. Charakter, Barth-Verlag, Leipzig 1929. Installationsgeschäft OTTO GLASER Gesichts- und Schönheitspflege wie folgt wird im Monat März statt 3.50 für 2.SO verabreicht. 1. 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