Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 2 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- Seite 28 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28 Bayerische Israelitische Gemeindezeitüng Nr. 2 sie war da mit dem ersten Menschen, der im Angesicht des Magischen zu gestalten begann. Von -dieser Begegnung mit dem ' Magischen geht Behn in seiner Darstellung aus. Er erblickt in dem unbefangenen, primitiven Menschen sowohl der Vorzeit als der Mitwelt denjenigen, dem das echte Wesen des Kunstwerks am deutlichsten aufdämmert. In der gesamten Geschichte der Kunst gibt es keinen Fortschritt vom weniger Schönen zum Schöneren. Das entscheidende Kunstwerk überwindet die Zeit in großartiger Weise, es ist aber auch vor allem weiter als etwa das Gebiet edner Nation oder einer Sprache. — In dem Kapitel über die „Dichtung" führt Behn seinen Grundgedanken vom magischen Ursprung der Kunst am beweiskräftigsten aus. In der wahren Dichtung bewahrt die Mneme der Menschheit eine Fülle sonst verschollener Urerinnerungen auf. Mehr als einige, andeutende Hinweise können wir hier über das Buch von Behn nicht geben. Hier liegt viel mehr als ein kluger, gut geschriebener Grundriß der Ästhetik vor: mit Seele und Geist wird darin Vergangenheit und Gegenwart des menschlichen geistigen Seins feinfühlend und verstehend durchdrungen, wie man es so nur ganz selten antrifft. Der humanitäre Liberalismus des 19. und 20 Jahrhunderts hat jedenfalls bis heute kein Werk hervorgebracht, das in dieser Klarheit, Weltoffenheit und kongenialen Einsicht die ewige und zeitgebundene Funktion des Kunstwerks beschreibt. F. Konrad Heiden, Geschichte des Nationalsozialismus. Die Karriere einer Idee. 304 Seiten. Verlag Rowohlt. Berlin 1932. Preis 4.80 RM. Heiden hat von Anfang an die nationalsozialistische Partei in München miterlebt und ihr Entstehen bewußt verfolgt; er hat vor allem die Münchener Atmosphäre nach 1919 miterlebt und Hitlers Anfänge aus der Nähe beobachtet. Er hat dann außer den Dokumenten der Partei-Literatur die Partei-Presse, besonders den „Völkischen Beobachter" 1919 bis 1930, sine ira et studio durchgearbeitet. So ist eine flüssige, zuverlässige Geschichte der Bewegung bis 14. September 1930 entstanden. Wir dürfen hier auf die vorzügliche Inhaltsanalyse des Buches von RA. Dr. Eugen Schmidt (München) 'in der /Zetatralverednszeitung vom '30. Dezenfoer 1932 verweisen. Die dokumentierten Charakteristiken der führenden Personen, besonders der Drexler, Eckart, Epp, Esser, Feder, Frick, Goebbels, Göring, Hitler, Killinger, Pfeffer, Pöhner, Reventlow, Röhm, Rosenberg, Straßer, Streicher sind am besten gelungen. Sehr interessant die russische Herkunft des nationalsozialistischen Antisemitismus, den der Deutschrusse Alfred Rosenberg importiert hat! Seitdem ist es Dogma der Partei, „daß im Grunde fast jeder Jude Bolschewist ist", daß vor allem die jüdischen Finanziers in Frankreich Verbündete der Bolschewiki sind und daß letzten Endes die Juden nichts anderes im Sinne haben, als Revolution zu machen, fremde Rassen zu bastardisieren und daß — diese Teufel — „jeder einzelne Jude auf seinem Platz dm Rahmen dieses letzten großen Zieles tätig ist, und zwar politisch tätig ist" (S. 47). Heiden schreibt sehr gut und plastisch, ohne überspitzte Formulierungen. Den billigsten aller Vorwürfe gegen Hitler, den der Halbbildung, hält er für ungerecht. „Was die bare Summe der Kenntnisse angeht, so übertrifft Hitler das Heer der Durchschnittsakademiker" (S. 60). Was allerdings nicht viel sagt, denn diese Spezies ist ein unzulänglicher Maßstab. Heiden ist geradezu ein Ersatz für -Hitlerversammlungen. Man lese etwa die großen authentischen Zitate Seite 66f.: „Womit er hinreißt" und das Kapitel „Die Verschwörung der Rabbiner": „Der Jude ist schuld, war der beste Trost für schlechte Verlierer." Bei Heiden kann man auch nachlesen, wie von München der . Plakatvermerk „Juden haben keinen Zutritt" ausgegangen ist. Alles in allem eine r unvergleichliche Chronik, frischer und eindrucksvoller als jeder Deutungsversuch oder eine I de engeschichte. Indem Heiden auf die ideologische Kontroverse verzichtet und nur erzählt und zitiert, gelingt es ihm. die ganze turbulente Buntheit dieses noch nie dagewesenen Spukes einzulangen. Eine große journalistische Leistungvon großer Eindruckskraft und dauerndem Wert! F. Israelitisch.Volksschule München Die Einschreibung für das Schuljahr 1933/34 findet Mittwoch, den 1. Februar 1933, vormittags Ö-12 Uhr, in den Schulräumen, Herzog-Rudolf-Straße 5, statt Die Entdeckung Europas. Von Paul Cohen- Po rthei m. 297 Seiten. Berlin, Verlag Paul Neff, 1933. Preis 6.50 RM. Ein wehmutsvolles, kultiviertes gutes Buch über die Seele der europäischen Städte und über die Gefahren des russischen oder amerikanische Ideals. Dieser Gefahr der Amerikanisierung oder Bolschewisierung ist Europa heute weniger ausgesetzt als noch vor zehn Jahren! Man hat inzwischen erkannt, daß nur die Wendung zur geistigen Qualität uns retten kann: schon diese Erkenntnis ist von großer Bedeutung. Die Paradoxie ist heute, daß etwa Palästina jenen Gefahren der Prosperity oder des „Kollektivs" viel mehr ausgesetzt, ist als West- und Mitteleuropa. Cohen-Portheim, 'der Vielgereiste, stellt uns trotz der trüben Perspektiven der Entstehungszeit seines Buches (März 1932) den Sieg der „Westlichen" in Aussicht. Außerhalb Europas gibt es keine Rettung für Europa. Wie uns der Verfasser die alten großen Kulturzentren unserer Welt wieder hervorzaubert, ist von ungewöhnlichem Reiz und macht sein Buch über die Entdeckung Europas zu einem Verdienst um den gefährdeten kulturkonservativen Gedanken. F. Spenden, Glückwunsch- und Kranzablösungen in der Gemeinde München Herr Ernst Ulrich, Herr u. Frau Robert Ballin, Frau K.-R. R. Steinharter, Frau Nelly Mosbacher, Frau Ida Halle anläßlich des Todestages ihres Gatten, Frau Samuel Haas, Herr Julius Oppenheimer anläßlich des Todestages seiner Mutter, S. B., Frau Therese Mohr, Herr Oscar Böhm, Herr u. Frau Julius Bloch, Frau Paula Cornelius, Frau Mina Leiter anläßlich des Todestages ihrer Schwester. — Herr M. Rosenthal, Frau Anna Einstein, Frau Rosa Reis, Frau Helene Holzer, Frau Sofie Rosenbaum, Frau Rosa Picard, Frau Therese Heß, Frau Pauline Neuburger, Frau Fanny Hirsch anläßlich des Ablebens der Frau Peppie Railing statt einer Kranzspende. — Herr A. Bensinger, Fräulein Maria Leinwand. Gesdiäffsnadiricrif en Aus der Augsburger Geschäftswelt Das bekannte Ohlingersche Südfrüchten- und Obstgeschäft an der Königsplatz-Ecke (Kaiserstraße) hat Herr Hans Gronauer von der Markthalle übernommen. Dieser bietet in dem neuhergerichteten Eckladen alle Sorten in den bisher bekannt guten Qualitäten zu zeitgemäß billigen Preisen. Dam entaschen Koffer Mappen u. sonstige Lederwaren zu radikal gesenkten Preisen m unserem Inveniur-Verkflul vom 10. bis 24. Januar Überzeugen Sie sich bitte: Wassermann Theatinerstr. 44 (Roeckl-Haus) Spanisches FrucMHöus M. A D RO V E R la frische Hawaiian-Ananas ff. Grape-fruit, Pumelo, neue sUBe Jaffa-Orangen, hochfeinste Muskatdatteln, feinste DelikateBfeigen, Spanische Zwiebel, Chi» coree und allersch. Brüsseler Trauben nur Rosenstr. 7, Tei.9i864 liöi * Mir}Amu«AMfayetHochgebirge920m Mirrenwäiuzmn I Zimmer mitu.otwe Pension