Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 9 (1933)
- Issue
- 2 (15.1.1933)
- Date
- 1933-01-15
- Page
- Seite 27 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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9tr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 27 Vorzügliche Betten u„d freudigen f Hotel Bayerischer Hof Dienst am Gast;: ^-J Augsburg der Landschaft? Vor dreißig Jahren, als ich die Italienischen Reisebilder von John Addington Symonds las, fiel mir auf, wie unbeschwert dieser Kenner aller Zonen italienische Gaue mit englischen Grafschaften verglich, etwa wie um 1500 Herr Steffen von Gumppenberg in seiner „Wallfahrt zum heiligen Grab" die palästinensische Landschaft mit Albrecht Altdorfers Augen sieht: «Nicht fern vom Berg Thabor da ligt das Dorf Cana Galilea an einem Bühel, er war so lustig darumb mit Bäumen, Laub und Grass, dass nicht davon zu schreiben ist. Denn wo wir ritten, da stunden Wiesen und Anger mit allerley Färb von Blümelein, die man erdenken mag, und Bäum mit voller Blüet»." — Diese „Pilgerfahrten" von Hofmiller sind Prosadichtungen von hohem Rang und echte Reisebeschreibungen in Einem. Die erlesene buchgewerbliche Ausstattung, macht das Bändchen weit über das sonst an Büchern Gebotene hinaus zu einer Augenbfreude. F. Spinoza-Literatur des Jubliäums-Jahres 1932. Aus vielen äußeren Gründen hat sich die deutsche Öffentlichkeit in dem Jahr, in welchem der 300. Geburtstag wiederkehrte, nicht so übermäßig wie zu befürchten war um Spinoza gekümmert. Die drei vorzüglichen wirklich neuen Bücher darüber von Kayser, Dunin und Gebhardt sind in diesen Blättern behandelt worden. Die jüd. Presse war wenig ergiebig. Von den populären und konventionellen Urteilen über Spinoza als Gestalt des Judentums wich nur die bedeutende Abhandlung von Leo Strauß „Das Testament Spinozas" in der Bayer. Isr. Gem.-Ztg. vom 1. November 1932 ab. — Neuerdings ist noch zwei ausgezeichneter Veröffentlichungen zu dem Thema zu gedenken: Das letzte Heft des „Morgen" (jahrg. 8, Dez. 1932) bringt Ernst Cassirers Aufsatz „Spinozas Stellung in der allgemeinen Geistesgeschichte". Die Grundformel des spinozistischen Systems „Gott oder Natur" (Deus sive Natura), ihre Zurückführung auf die allgemeinen Tendenzen des 17. Jahrhunderts, Mängel und Mißverständnisse der Spinoza-Kritik, vor allem die Stellung des Gottesbegriffes in dem System, dann Spinozas Bibilkritik und sein Verhältnis zur Mystik, das sind die Hauptprobleme, die Cassirer in selbständiger Forschungsarbeit klar, unabhängig und jenseits des hergebrachten Urteils behandelt. — Im gleichen Heft zeichnet der Berliner Philosoph David Baumgardt, der Verfasser des wichtigen Werkes „F. v. Baader und die philosophische Romantik" (1927), Spinozas Bild im deutschen und jüdischen Denken. Eine selbständige Schrift von Baumgardt enthält unter dem Titel „Spinoza und Mendelssohn" (Berlin, Philo-Verlag) drei erweiterte Arbeiten des Verfassers aus den „Kunststudien", aus dem „Berliner Tageblatt" und einen umgeformten Rundfunkvortrag „Moses Mendelssohn, der Denker und der Jude". F. Die Gabe. Dichtungen und Aufsätze von Hans Carossa, Bruno Frank, Adolf Feulner, Peter Lippert S. J., Julius Meier-Graefe, Max Picard, Emil Preetorius, Benno Reifenberg, Hans Rose, Erwin Rosenthal, Joseph Roth, Hans Rupe, Rene Schickele, Hermann Uhde-Bernays. Regina UUmann, Max Unold. Hubert Wilm . Verlag Knorr & Hirth, München, 1932. Die in diesem wohlgelungenen Bande vereinigten Beiträge sind Wilhelm Hausenstein zum 50. Geburtstag gewidmet. Prosastücke wechseln ab mit Gedichten und Essays meist über kunstwissenschaftliche Probleme. Es sind erlesene Gaben der besten Autoren, jede einzelne Studie formal geschliffen und mit der Sachkunde des langjährigen Spezialisten behandelt. Das buchgewerbliche Gewand der Sammlung ist besonders hervorzuheben; eine Handzeichnung von Kubin und sechs charakteristische Autotypien ergänzen die 17 Arbeiten, alles in allem eine anregende Veröffentlichung von dauerndem Wert. Die Lebensarbeit Wilhelm Hausensteins steht im Hintergrund der Bemühungen der 17 Mitarbeiter und bildet die Melodie zu allen Stücken. ' F. Gedichte von Ludwig Strauß. Der Verlag von Jakob Hegner in Leipzig eröffnet eine Subskription, um trotz der Ungunst der Zeit die Ausgabe einer neuen Gedichtsammlung von Ludwig Strauß zu ermöglichen. Der Band, der im Laufe des Winters erscheinen soll, enthält die in den letzten 13 Jahren entstandenen Gedichte, die bisher nur verstreut in Sonderdrucken und Zeitschriften erschienen oder noch unveröffentlicht sind. — Der Preis des etwa 180 Seiten starken Bandes beträgt für Subskribenten kartoniert RM. 4.50, in Halbleinen gebunden RM. 5.50. Nach Erscheinen des Buches wird der Preis erhöht. Die sdbskribierten Exemplare werden vom Autor gezeichnet. Ludwig Strauß ist auch in München ein hochgeschätzter Name, an den hier mit Nachdruck wieder erinnert sei. Schönheit und Magie. Ein Versuch von Siegfried Behn. 251 Seiten. Geb. RM. 5.80. Verlag Jos. Kösel <k Fr. Pustet, München, 1932. Mit steigender Aufmerksamkeit und Mitbewegung gibt man sich dem Gedankenzug des bedeutenden Bonner Gelehrten hin. Seine „Philosophie der Werte" im „Handbuch der Erziehungswissenschaft" hat Aufsehen erregt; seine kritischen Aufsätze zu den Ideenströmungen der Zeit im „Hochland", etwa zu Freud, sind positive selbständige Arbeiten von Eigenwert, die über den Tag hinaus Geltung beanspruchen dürfen. Das Ganze und die Einzelheiten des neuen hier angezeigten Werkes sind bei allem Geistreichtum und der bestechenden Formulierungsgabe erstaunlich haltbar und tragsicher; man überzeugt sich bei der zweiten und dritten Lektüre von dem sicheren Bau dieser neuen Ästhetik und von der geistigen Beständigkeit ihrer Teile. Hier sagen Waschzettel, Buchschleife und Umschlagklappe viel zu wenig. Durchstoßen wir besser das Netz, das diese Leistung feinmaschig gliedert, und geben Beispiele der Behandlungsweise des Stoffes, aus den gelungensten Kapiteln „Architektur" und „Dichtung": „Daß die Architektur eines siegreichen Kultus mit ihrem eigentümlichen Stil sich mit Vorliebe über der untergegangenen Architektur des überwundenen Kultus lagert, daß sich Höhle über Höhle, Grabschrift über Grabschrift legt, hat man an vielen Zentren großen Bauwillens zu beobachten immer wieder Gelegenheit." Die Beispiele (Ausgrabungen aus Troja — Christliche Architektur: „Wie die Madonna ihren Fuß auf die Mondsichel der Artemis setzt, so triumphiert das Kunstwerk des siegreichen Stils in aller Naivität über das Kunstwerk des untergegangenen, wobei oft die allerreizvollsten Formen entstehen") sind frappierend. Der Verfasser verfolgt dann in einigen eindringlichen Deutungen die Einsicht, daß jede große architektonische Decke, insonderheit aber das Gewölbe, ein Himmel ist. Scharf und untrüglich vermag er die Gebilde, erwachsen aus der ersten Mystik lautern Glaubens von den Gestalten, entstanden aus magischem Aberglauben, zu unterscheiden. Das prachtvolle Kernstück des Werkes, das diese Gedanken vollkommen präzis, ohne in unkontrollierbare verschwimmende Wortmystik abzugleiten, näher begründet (S. 45 bis 50), gehört zu den wenigen grundlegenden Einsichten der Kunstgeschichte über die magische Herkunft der christlichen Dome. Wie die Gestalten des magischen Glaubens zwar erhalten bleiben, aber einen Sinnwandel erfahren, darüber sagt uns Behn das begrifflich-wissenschaftlich Mögliche. Daß die ganz großen Denkmäler unserer Baukunst, die Kathedralen, keine Museen, sondern Kirchen sind, hat eben Kardinal Faulhaber in seiner Sylvester-Predigt, die der Renovierung der Frauenkirche in München gewidmet war, ausgeführt. In ähnlichen Gedankengängen bewegt sich Behn. Der Westeurpäer des 20. Jahrhunderts hat nach ihm nur" ein sekundäres, vermitteltes und museumshaftes Verhältnis zu den Meisterwerken der Kunst; die moderne Freude am schönen Werk ist durch Kritik, Katalogwissen, durch gespreizte Manieristik des Kennertums verdünnt, entblutet, ja vergiftet worden. Dagegen ist die Kunst so alt wie die Menschheit; sie hat keine Vorgeschiche,