Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 20 (15.10.1932)
- Date
- 1932-10-15
- Page
- Seite 305 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Väterliche Israelitische GemeinÜezeitung ülachrichtenblatt öer Israelitischen Kultusgemeinöen in München/ Augsburg/ Hamberg und des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden Frsoksmt am l.u. 15. jeden Monats. —Verlag: B.Heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Plinganserstr.64, Tel.73664 u. 73665, Postscheck München 3987, Jahr. Anzeigenpreis: Die 4gespaltene Millimeter-Zeile 40 Rpf. Schriitleitung: Dr. L. Feuchtwanger, München, Grillparzerstr. 38 Familienanzeigen, Stellengesuche u. ähnliche Angebote 15 Rpf. VIII. Jahrgang München, 15. Oktober 1932 Nummer 20 Inhalt: Die Hebraica in der Bayerischen Staatsbibliothek — Ein lieber Anzeiger: Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusneues Geschichtswerk über die Juden in Bayern im ausgehenden gemeinde München: Bekanntmachung über den Gottesdienst Mittelalter — Der schwarze Schwan Israels — Aus der Gein der Hauptsynagoge am Vorabend des Simchas Thora-Festes meinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Mitteilungen — Personalia des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Vereine — Amt- Die Hebraica in der Bayerischen Staatsbibliothek Die Bayerische Staatsbibliothek in München feiert in diesem Jahr den 100. Jahrestag der Grundsteinlegung ihres wundervollen Baues, der damals alle Bibliotheksbauten der Welt überragte. Eine instruktive Ausstellung in den letzten Monaten und ein reich illustriertes Festheft über die Geschichte der Staatsbibliothek deuten nur im Vorbeigehen die ungewöhnliche Wichtigkeit der Staatsbibliothek für das Studium des hebräischen und gesamt]üdischen Schrifttums an. Die hier geborgenen und aufs sorgfältigste gepflegten Schätze an hebräischen Handschriften und Druckwerken haben die Wissenschaft vom Judentum nachhaltig befruchtet, ja erst möglich gemacht. Eine zusammenhängende gemeinverständliche Übersicht über die Hebraica unserer bayerischen' Staatsbibliothek fehlte bisher. Die Schriftleitung hat daher das Jubiläumsjahr benützt, den Direktor der bayerischen Staatsbibliothek, dem die Pflege der hebräischen Handschriften und Drucke besonders anvertraut ist, Dr. Emil Gratzl einzuladen, diese Übersicht hier zu geben; sie bildet eine unentbehrliche Ergänzung zu dem schönen Gedenkheft und ruft den Lesern dieser Blätter die großartigen Denkmäler der alten jüdischen Kultur, die hier aufbewahrt sind, in Erinnerung. M. Steinschneider, der zu einem vergleichenden Urteil befähigt und berechtigt war wie nicht leicht ein anderer, hat von den hebräischen Handschriften der Münchener Staatsbibliothek gesagt, daß man sie „dem Inhalt nach im Verhältnis zum Umfang den größeren Sammlungen in Oxford, Parma, London und dem Vatikan mindestens gleich“stellen dürfe. Die Sammlung sei „die umfangreichste in den Ländern deutscher Zunge, schon ihrer Anlage nach alt, auch nicht in den engen Grenzen der Theologie gehalten, sondern alle Gebiete umfassend, auch solche in denen die hebräischen Schriften und Bearbeitungen den Wert literaturgeschichtlicher Quellen behalten werden, wenn das begrenzte Interesse unter veränderten Anschauungen sich verloren hat. Es fehlt auf keinem Gebiet an seltenen und hervorragenden Schriften“. Das Alter der Sammlung, das Steinschneider betont, bedingt zum Teil ihren Wert; denn von den 432 hebräischen Codices, die wir besitzen, waren 231 bereits im Jahre 1571 im Besitz der damals herzoglichen Bibliothek, so daß es sich bei allen diesen um Stücke erheblichen Alters handelt. Auch der inhaltliche Wert ist zum guten Teil aus der Geschichte der Sammlung zu erklären. Denn ihren Grundstock bilden jetzt drei Sammlungen gelehrter Humanisten, durch deren Erwerb Herzog Albrecht V. (1528—1579) die herzogliche Bibliothek schuf, d. h. mit anderen Worten, diese drei Privatsammlungen kommen aus jenen Kreisen einer neuen weltlichen Gelehrsamkeit, die unter Durchbrechung alter Schranken ihren Gesichtskreis und ihren Wissensdrang weit über den Rahmen des mittelalterlichen Curriculum hinaus dehnten. Diesen Humanistenkreisen hatte Giovanni Pico della Mirandola in Italien, Reuchlin in Deutschland den Weg zum hebräischen Schrifttum gewiesen. Ihnen folgend, aber nicht nur an Sprache und Theologie, sondern ebenso und mehr an Philosophie und Mathematik, Astronomie und Naturwissenschaften interessiert, haben Hartmann Schedel, Johann Albrecht Widmanstetter und Johann Jakob Fugger hebräische Handschriften gesammelt. Der älteste von ihnen ist der Nürnberger Arzt Hartmann Schedel (1414—1514), dessen Sammlung freilich erst viel später mit den Büchern Fuggers, der sie 1552 erworben hatte, in den Besitz Albrechts V. gekommen ist. Acht hebräische Codices hat er besessen, wovon ein Teil früher im Besitz Giovanni Picos gewesen war.