Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 6 (15.3.1932)
- Date
- 1932-03-15
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Heine und Richard Wagner. Dieser hatte in seiner Schrift „Das Juden- Nnn in der Musik" einen leidenschaftlichen Kampf gegen Meyerbcer eröffnet. Kapp enthüllt jetzt den wahren Sachverhalt; sein Schlußcrgebnis ist: „In ihrem gegenseitigen rein menschlichen Verhalten stehen Recht und Vornehmheit unbestreitbar auf seiten Meyerbeers, während Wagner sich ihm gegenüber von Anfang an ziemlich taktlos und wenig anständig benommen hat." Dieses Urteil erscheint noch sehr milde, wenn man die Urkunden nachprüft. Wagner hatte sich in Paris geradezu kriecherisch um die Protektion des auf dem Gipfel des Ruhmes stehenden jüdischen Komponisten beworben; in überschwänglichen, höchst unsympathischen Briefen dankt ihm Wagner für die Empfehlungen an den Leiter der Berliner Oper. Aber Meyerbeer schweigt hinterher, läßt alles souvcrain auf sich sitzen, als Wagner in einem überaus häßlichen Angriff sich plötzlich gegen den früher Umschmeichelten wendet. „Der Fall Meyerbeer" als Judcnschicksal ist überaus charakteristisch. „Es wäre ihm (Meyerbcer) ein leichtes gewesen, Wagner durch Veröffentlichung der in seinen Händen befindlichen Huldigungsbriefe aufs schlimmste bloßzusiellcn; ...doch er folgte diesem taktlosen Beispiel, das ihm Wagner mit seinen beleidigenden Anwürfen selbst gegeben, nicht. Diese belastenden Dokumente sind erst in jüngster Zeit aus Meyerbeers Nachlaß ans Tageslicht gekommen." Äußerst wichtig, wie Kapp gänzlich unvoreingenommen über die „jüdische" Kunst Meyerbeers urteilt, wie gerecht er über den Zeitgeist spricht. Auch dieser berühmte Jude des 19. Jahrhunderts glaubte im Überschwang seines Ruhmes und seines Wcltansehens, daß „Ahasver" zur Ruhe gekommen und er selbst wie die Umwelt, ihr bester Zeitgenoste, geworden sei. Als dann Wagner gegen ihn ansprang, zeigte er keine Regung der Enttäuschung und hielt sich auf der Höhe seines überlegenen Menschentums. F. Max Zodykow: Stimme aus dem Dunkel. Berlin, Felix Lehmann. Hier ist ein Buch, das nicht nur literarisch bewertet werden kann. Vielleicht wird sich der Dichter dagegen sträuben und es allein auf seine Gestaltung hin gelesen und beurteilt haben wollen. Dennoch: es ist als moralische Leistung, als Beispiel menschlicher Geistesenergie zuerst und zuletzt wieder zu würdigen. Denn: Max Zodykow ist ein Blindgeborener. Nicht nur das: sein ganzes Schicksal ist das eines besonders Ausgestoßenen, von Gott Vergessenen, von der Mutter Verlassenen... Cr wuchs auf in Rußland, von wo seine Eltern vor einem Menschenalter fliehen mußten. Er bleibt zurück bei der uralten Großmutter, vegetiert da, kein Mensch erbarmt sich des Kindes. Die Alte stirbt, man schickt es den Eltern nach Berlin nach, aber die Eltern gehen nach Amerika, und wieder lassen sie das beschwerliche Kind zurück. Es sind jüdische Eltern ... Aber nun kommt das verlassene Kind in eine Blindenanstalt, es beginnt zu lernen, die Welt kommt zu ihm durch das Radio, das Kind ist nun schon Jüngling, Mann; und nun spricht aus ihm der Genius. Ein blinder Genius, der dennoch die leibhafte Welt sich gewonnen hat. Es gibt Novellen in dieser Auswahl aus des Dichters Manuskripten, aus denen niemand auf einen blinden Verfasser schließen könnte. Die Welt hat nicht nur ihre Gestalt, ihre Töne, sie hat auch ihre Farben; vielleicht inbrünstigere Farben, als der Sehende sie ihr gibt. Und nun: diese Gedichte und Novellen und Aussätze, die der Band vereint. Sie haben oft noch die Schlacken der Geburt, die holden Fehler der Jugend, des Anfangs, die Redescligkeit des zur Sprache Erlösten; aber überall: ein Dichter! Einmal spricht er von sich als dem „unreif-überreifen Kind". Ja, das ist er. Das hängt mit seinem Dunkel zusammen, in dem er die Welt, den Menschen nicht nur erfühlen, sondern auch phantasieren muß. Aber jenseits der Literatur: welche Anklage hier! welche Versöhnuna da! welcher Aufschluß einer Persönlichkeit! Und wie trostvoll: kein Unglücklicher! Denn er sagt: „Auch mir sich lichtet Tag und Traum / Und der zutiefst verwundet, / Wird Ohr und Sinn in Gottes tiefem Raum." — Stefan Zweig hat das Buch zart und einfühlend cingelcitct. Kurt Münzer, Berlin Neuerwerbungen der (lotzmann-Merner-vibllolhek der IsraettlisMen kullusgemeinde Müncden Geöffnet: Montag und Donnertag von 5 bis 7 Uhr, Mittwoch von l l bis I Uhr, Freitag von 2 bis 4 Uhr und Sonntag von 9 bis ll Uhr. 2613 Grundwald, M.: Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 18II. 1791 XI Buber, M. und Rosenzweig, Fr.: Das Buch Jirmejahu. 1217 XIV Berliner, A.: Der Einheitsgesang, eine literar-historischc Studie. 2303 IV Der babylonische Talmud, neu übertragen durch Lazarus Goldschmidt, Band IV. 2614 Brunner, C.: Höre Israel und Höre Nicht-Israel (Die Hexen). 2615 Salomon, K.: Die Lösung des sozialen Problems: Die Bibel. 2616 Türck, H.: Pandora und Eva. 2617 Wohlgemuth, I.: Grundgedanken der Religionsphilosophie Max Schelcrs in jüdischer Beleuchtung. 508 Saalschütz, I. L.: Form und Geist der biblisch-hebräischen Poesie. 2618 Rosenmann, M.: Dr. Adolf Jellinek. Sein Leben und Schaffen. 2619 Einhorn, D.: Memorial volume. 2620 Mayer, Sigmund: Die Wiener Juden. 2621 Leisegang, Hans: Lessings Weltanschauung. 2622 Bloch, C.: Lebenscrinnerungen des Kabbalisten Vital. 2625 Kahane, A.: Das Judenbuch. 891 (797) Wormser, M.: Rabbi Meir von Rotenburg. Tragödie. 891 (798) Moritz-Mannheimer-Stistung: Preisausschreiben: Jacobus, A.: Der Völkerbund — wie er sein sollte. Ockel: Menschcndiebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit. Frank, R. P.: Einzelmensch und Volksgemeinschaft. 1779 Auerbach, B.: Das Landhaus am Rhein. 891 (799) Hümmert, Ludwig: Die finanziellen Beziehungen jüdischer Bankiere und Heereslieferanten zum bayerischen Staat. 2624 Montefiore, Cl. G.: Umrisse des liberalen Judentums. 444 Rosenfelder, S.: Merkbuch für den israelitischen Religionsunterricht. 891 (800) Nathan, S. P.: Die Tonzeichen in der Bibel. 891 (801) a, b. Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Jüdischen Lehrervereins für Bayern e. V. 891 (802) Carlebach, I.: Öffentliche Dank- und Huldigungsadressc eines Odisten an den Sonnenmenschen. Dr. Siegsr. Passarge. 1401 Heinisch, P.: Die Traucrgebräuchc bei den Israeliten. 891 (805) Gotthelf, I.: Histor.-Dogmat. Darstellung der rechtlichen Stellung der Juden in Bayern. München 1851. 891 (804) Adebar: Abraham. Dramatische Dichtung in sechs Bildern. Verkaufsstellen J Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 370646 Glüdcstraße 10 Fernsprecher 2 969 44 Thierschstr^ße 19 Fernsprecher 220 82 Franz-Josef-Straße 29 Fernsprecher 304 52 SrhleißheimerStraßelOO Fernsprecher 370 326 Winzererstraße 92 Belgradstraß« 28 Für Säuglinge und Kinder nur BoschhofsVorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-Verkaufszentrale Schleißheimer Straße 100/ Tel. 370326