Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 1 (1.1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung N>. 1 taturm sjon der pathologischen Beschaffenheit, die sie nach dem Kriege angenommen haben." In 14 Kapiteln, getränkt von Tatsachen, ohne Theorie und ohne Pathos, läßt Graf Sforza die stattliche Reihe von Diktamrcn im Nachkricgs-Europa (Italien, Ungarn, Jugoslawien, Rußland, Türkei, Polen, Spanien, Deutschland) abrollen. Das 9. Kapitel ist der „Deutschen Sphinx" gewidmet. Sforza verläßt sich natürlich in erster Linie auf seine eigenen Anschauungen und politischen Erfahrungen; im übrigen sind in diesem Kapitel aus dem Schrifttum über den Nationalsozialismus vor allem die Aufsätze in der „Neuen Rundschau", dann Fritz v. Unruhs bekannte Broschüre und die Abhandlung von Koch- Weser „Radieal forces in Germany“ aus „Foreign Affairs“ (1931) benützt. Die Hauptpunkte von Hitlers Programm (Nr. 3 „Kein Jude darf die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen") werden besprochen, die Kunst der Doppeldeutigkeit („Privateigentum? Ja und nein!") wird daran als das charakteristisches Merkmal gefunden; „der Antisemitismus ist das einzige wirkliche Bindeglied zwischen allen Nazis". „Die Bezeichnung „Iudenrepublik" hat dem republikanischen Gedanken in Deutschland mehr Schaden zugefügt als alle sonstigen Angriffe und Kritiken" (Seite 137). Dieses ganze Kapitel ist wie jeder der 13 übrigen höchst lesenswert. Mehr als ein eindringlicher Hinweis auf dieses „wichtigste politische Buch der Stunde", auf seine vorbildliche Ruhe und Sachlichkeit, seine spannungserfülltcn Bilder und Urteile, kann hier nicht gegeben werden. F. Ein jüdisches Lesebuch. Als erste Veröffentlichung des neu gegründeten Schocken-Verlages, Berlin, erschien soeben das Buch „Sendung und Schicksal" (Sammlungstitcl: Ein jüdisches Lesebuch; Sondertitel: Sendung und Schicksal. — 8°. 382 Seiten, Leinenband 5.50 RM. — Aus dem Schrifttum des nachbiblischen Judentums, mitgeteilt von Nahum Norbert Glatzer und Ludwig Strauß.) Über die Absichten des Buches unterrichtet am besten der folgende Absatz des Geleitwortes: „Die Folge jüdischer Lesetextc, die unser Buch darbictct, erhebt keinen Anspruch auf systematische Vollständigkeit. Wir waren bemüht, aus der kaum übersehbaren Fülle der Literatur Proben auszuwählen, die jede als ein Ganzes für sich bestehen können und die den heutigen Leser ,mt; sprechen', das Wort im ursprünglichen Sinne verstanden: also keineswegs nur solche, in denen unser Leser, der deutsche Jude von heute und morgen, der junge Jude insbesondere, seine Haltung und Meinung bestätigt findet, sondern nicht minder solche, die ihm widersprechen, — wenn sie nur wirklich zu ihm sprechen, ihn angchen. Sein inneres Gespräch mit dem Geist und den Geistern jüdischer Überlieferung soll hier angeregt werden, ob seine Erwiderung auf die Ansprache nun Austimmung, Widerspruch oder Frage sein mag. Gelingt es nur, ihn in lebendiges Gespräch mit den Stimmen, die hier reden, zu führen, so haben wir das unsere getan; das weitere, die Vertiefung des Gesprächs durch Studium der Quellen, die Auswirkung des Gesprächs in der Formung seines Lebens muß ihm und der Zeit überlassen bleiben." Das Buch enthält eine große Anzahl von sorgfältig ausgcwähltcn Stellen aus Midrasch und Talmud, aus dem Sohar und der mittelalterlichen jüdisch-philosophischen und poetischen Literatur, historische Abschnitte aus Iosephus, Abschnitte aus mittelalterlicher Memoiren- LiteraMr, kabbalistische und chaffidische Texte usw. Die Anordnung des Stoffes erfolgte in sachlicher Gliederung, das Ganze enthält einen den Außenseiter sicherlich verblüffenden Reichtum, aber auch für den gilt Beschlagenen eine Fülle von Belehrung und Erbauung (das Wort im besten Sinne gebraucht). Hervorzuheben ist die Schönheit der Ausstattung und Druckanordnung, die deutlich den verlegcrisch und buchgcwerblich vorbildlichen Geschmack von Lambert Schneider verrät. Der billige Preis von 5.50 RM. für das fast 400 Seiten starke erstklassig ausgesiattete Werk, sichert diesem Lesebuch einen weiten Verbreitungskreis. - Neben den Qucllenbüchern von Höxter haben wir hier ein selten geglücktes Textbuch, das in jedem Haus, vor allem aber in jedem jüdischen Haus studiert werden sollte. Wenn das Lesebuch, wie geplant ist, noch eine Fortsetzung bekommt, so sollten darin Texte gesammelt werden, in denen sich die Auseinandersetzung des jüdischen Geistes mit fremden Kulturen vom Jahre 1000 vor unserer Zeit.rech!nung bis 1932 in typischen Urkunden manifestiert. Für diese neue Sammlung wird man vielleicht aus einen anderen Kreis als um Buber, Glatzer, Ludwig Strauß den Herausgeber zweckmäßig bestimmen. Eine solche Tcxtsammlung gewinnt an Gebrauchswert, wenn alle Richtungen des Judentums bei der Herausgabe und in den Dokumenten selbst zum Worte kommen. Neuhauserstr.2? Münchens größte Pelz-Werkstatte : Cöle Ludwig (FRÜHER TEICHLEIN) INHABER: R. EBERHARDT LUDWIGSTRASSE 4 Das vornehme Familien-Cafe Eigene Konditorei auch abends VEGETARISCHE GASTSTÄTT E Löwengrube 8/1 Türkenstraße 27 Ältestes vegetarisches Restaurant am Platz! CAFE WINTERGARTEN Inhaber: Franz Schnabl Nachmittags Konzert. Abends ununterbrochen T a n z 2 Kapellen. Mäßige Preise. Kein Eintritt. Kein Weinzwang Wenn Sie Ihren Wagen ■ jetzt reparieren lassen, | geniefjen Sie Vorteile ■ Eine Durchsicht des Wagens nehmen wir kostenlos vor! Kommen Sie bitte in unsere Werkstätte, Sie werden auf das beste und zuverlässigste bedient werden Am EDlAfEDIf C vorm-HeinrichK,eyer #4 VLiC IC ff E ICIVC Aktien-Gesellschaft Filiale München, Augustenstr. 40 / Tel. 50 2 06 4255