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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-11-15 · 22 (15.11.1931) · p. Seite 348

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
22 (15.11.1931)
Article
Rabbiner Dr. Richard Grünfelds Beerdigung
Date
1931-11-15
Page
Seite 348 (sequence 2)
Language
German
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348 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 22 Vertretern der Stadt Augsburg und zahlreicher Behörden, Abordnungen der Bezirksgemeinden, insbesondere der Kultusgemeinden Memmingen und Binswangen, sowie anderer Körperschaften und einem unübersehbaren Kreis von Leidtragenden. Bei der Trauerfeier sprachen Bezirksrabbiner Dr. Ernst Jacob (Augsburg), Iuftizrat Dr. Eugen Strauß, 1. Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Augsburg, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer für den Verband bayerischer israelitischer Gemeinden und die Nachbargemeinde München, Direktor Wallach für die Schwäbische Loge, Rabbiner Dr. Baerwald (München) für die Bayerische Rabbinerkonferenz und den Deutschen Rabbinerverband, Dr. Mayer (Augsburg) für den israelitischen Iugendverein und die Schüler des Verstorbenen, Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg) als der Freund und Amtsbruder, der dem Verstorbenen am nächsten stand, für die Familie und die Freunde. Der Bezirksrabbiner gab in seiner Rede auch der Trauer der Gemeinde Bingen, der Bezirksgemeinden, des Israelitischen Männervereins um sein Ehrenmitglied, des Israelitischen Frauenvereins und der Beamten der Kultusgemeinde Ausdruck. Dr. Richard Grünfeld hat zwanzig Jahre lang in Bingen und neunzehn Jahre in Augsburg gewirkt. In beiden Gemeinden war er bei der Errichtung schöner, neuer Gotteshäuser miträtig und hat diesen die Weihe geben dürfen. Er verfaßte bei diesen Gelegenheiten Geschichtsdarstellungen der Gemeinden Bingen und Augsburg; er ist der Herausgeber des neuen Augsburger Gebetbuchs. Im Kriege hat er ein großes Hilfswerk aufgebaut, das auch vielen jüdischen Kriegsgefangenen im Lager Lechfeld zugute kam; damals konnte er durch seine freundschaftlichen Beziehungen zum neutralen Auslande vielen, die wirklich hungerten, Brot geben und Nackte bekleiden. Er war durch seine Güte, seinen Takt und seine Klugheit der verehrte geistige Führer und Seelsorger seiner Gemeinden, der begeisternde Lehrer seiner Schüler, der segensreich wirkende Förderer der israelitischen Wohlfahrtspflege, das Vorbild einer tiefgläubigen Persönlichkeit. Das Andenken an den liebenswerten Menschen, den Mann des Wortes, des Glaubens und Geistes, des tätigen Lebens, wird in der Gemeinde Augsburg fortleben. Rabbiner Dr. Ernst Jacob (Augsburg) über die Paulus-Forschung der letzten Jahre Das soeben erschienene reichhaltige Doppelheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums (75. Jahrgang, Heft 9/10) bringt u. a. einen Beitrag von Ernst Jacob: „Neue Literatur über Paulus und das Urchristentum." Der Verfasser unterstreicht darin die zentrale Bedeutung dieser Apostel-Gestalt für die jüdische Geschichte. Bei Paulus und nicht in den Evangelien stellt sich am klarsten dar, was im Christentum jüdisch, was unjüdisch ist. An erster Steller würdigt Jacob Albert Schweitzers großes theologisches Werk: Die Mystik des Apostels Paulus (Tübingen, %, C. B. Mohr, IYZO). „Das Buch ist die Bekrönung der wissenschaftlichen Lebensarbeit eines Mannes, der als Theologe, Orgelspieler, Musikhistoriker, Arzt, Missionar und Kulturphilosoph gleich Hervorragendes geleistet und mit seinem religiös-sozialen Liebcswerk im innnersten Afrika eine der reinsten aber auch problematischsten Verwirklichungen christlicher Ethik versucht hat." Es folgt eine tiefgehende Kritik Schweitzers, in der besonders die Erörterung über das Fehlen von Sakramenten im Judentum von Wichtigkeit ist. „Wenn alle diese Juden Johannes der Täufer, Jesus, Paulus nach Schweitzer notwendig zu Sakramenten kommen mußten, wie seltsam, daß die Beschneidung, der Kiddusch, der Sedcrabcnd u. a. nie zu Sakramenten geworden sind, auch nicht in Kreisen, die von gleicher eschatologischer oder mystischer Glut erfaßt waren wie jene Männer." (Der wahre Grund ist, daß im Judentum die Entwicklung des religiösen Apparates zur Kirche gewaltsam unterbrochen wurde). — Jacob bespricht dann rroch den Artikel „Paulus" von Bultinann in: 4. Band des Handwörterbuchs „Religion in Geschichte und Gegenwart". Eine Würdigung von vier modernen theologischen Dpezialarbcitcn über Paulus schließt die besonders lehrreiche Übersicht ab. Hus bayerischen Semeinden Unsleben. Herr Oberlehrer M. Blumenthal schreibt uns: In seltener körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische begehen Herr Karl Mittel und Frau Babette geb. Rosenstock am 8. November das Fest der goldenen Hochzeit. Das goldene Jubelpaar erfreut sich allgemeiner Beliebtheit und Verehrung. In seiner Vorliebe für landwirtschaftliche Arbeiten betätigt sich der Jubilar in jugcndfrischer Schaffensfreude in der Landwirtschaft und im Viehgeschäft in der sorgfältigen Pflege seines Viehstandes. Eine stattliche Reihe von Jahren wirkte er in der israelitischen Kultusverwaltung, ferner als trefflicher Hilfsvorbcter, wozu er sich stets in uneigennütziger Weise zur Verfügung stellte. Noch heute nimmt das Jubelpaar regelmäßig Anteil an den Synagogenandachten und beide gelten dank ihres musikalischen Verständnisses und religiösen Empfindens als dankbare Zuhörer der Kantor- und Chorgesänge in der Synagoge. Mit größter Beflissenheit und gewissenhafter Sorgfalt trägt der Jubilar bei zur Pflege der altüberlieferten Traditionen und Gebräuche in der Gemeinde. Wir wünschen dem Jubelpaar in großer Verehrung ein segensreiches Grciscnaltcr in unwandelbarer Rüstigkeit und Gesundheit ad mcoh w' csrim schono. Jchenhausen (Bayern). Unsere altehrwürdige Gemeinde hat den Verlust eines ihrer besten Mitglieder zu beklagen: Am Freitag, den 30. Oktober, wurde Herr Aaron S. G. Heller inr Alter von nahezu neunundsiebzig Jahren zur ewigen Ruhe gebettet. Der Verblichene gehörte der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde beinahe fünfundvicrzig Jahre an, war fünfundzwanzig Jahre deren erster Vorsitzender und wurde, als er aus Gesundheitsrücksichten dieses Amt niederlcgte, zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Auch den städtischen Kollegien gehörte er viele Jahrzehnte als Stadtrat an und erwarb sich in dieser Eigenschaft durch seinen Weitblick und insbesondere durch seine Friedfertigkeit unvergängliche Verdienste um die Stadt. Sein Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer, erhebenden Trauerkundgebung, an der sich die Angehörigen aller Bekenntnisse beteiligten. Unter Vorantritt der Freiwilligen Feuerwehr, der der Verblichene nahezu ein halbes Jahrhundert als aktiver Feuerwehrmann angehört hatte, begab sich der eindrucksvolle Trauerzug in den Hof der weihevoll erleuchteten Synagoge, wo Herr Rabbiner Dr. Neuwirth in tiefgefühlten Worten der Trauer und der Dankbarkeit der Gemeinde und der zahlreichen Körperschaften beredten Ausdruck verlieh. Im Namen des Landesverbandes bayerischer israelitischer Gemeinden sprach alsdann Herr Schloß, Augsburg, Mitglied des Rates des Verbandes. Der Vorsitzende der Kultusgemeinde Jchenhausen, Herr Krämer, würdigte hierauf in herzlichen Worten die Verdienste des Heimgegangenen, worauf dessen Schwiegersohn Herr Wäglein der Trauer der Familie Ausdruck verlieh. Gerade in unserer Zeit, in der die jüdischen Landgemeinden von der Gefahr des Niedergangs mehr als früher bedroht sind, reißt der Verlust eines Mannes wie Aaron S. G. Heller eine besonders schmerzliche Lücke; denn er verband tiefe Frömmigkeit mit dem Willen und der Fähigkeit zu hingebender Mitarbeit an den Aufgaben der religiösen und der politischen Gemeinde und er trug so zu beider Gedeihen und zur friedvollen Zusammenarbeit der jüdischen und der nichtjüdischen Bürger unseres, von ihm so heißgeliebten Vaterlandes bei. I. L. Verkaufsstellen J Hiltensbergerstraße 8 Fernsprecher 3706 46 Glückstraße 10 Fernsprecher 2 96944 Thierschstraße 19 Fernsprecher 220 82 Franz-Josef-Straße 29 Fernsprecher 30452 SdileißheimerStraßelOO Fernsprecher 370 326 Winzererstraße 92 Belgradstraße 28 Für Säuglinge und Kinder nur Boschhof«Vorzugsmilch Hauslieferung durch Boschhof-Verkaufszentrale Schleißheimer Stiaße 100/ Tel. 3703 26

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