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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-11-15 · 22 (15.11.1931) · p. Seite 341

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
22 (15.11.1931)
Article
Inhalt
Date
1931-11-15
Page
Seite 341 (sequence 1)
Language
German
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Llachrichtenblatt Öer Israelitischen KuttusgemelnÖen in München, Augsburg, Hamberg unö Öes VerbanÖeS Hagerischer Israelitischer Gemeinden Bayerische Israelitische GemeLnöezeitung Erscheint am t. unö 15. jeöen Monats. — Verlag: H. heller, München, VezugspreiS für nicht etngewiesene Bezieher: Reichsmark 4.S0 für Öa, plinganserstrahe 64, Zernruf 75 664 unö 75 <$<$5, Postscheck München 59$7, Jahr. Anzeigenpreis: Die 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Reichspfennlg Vchristleitung: Dr. LuÖwig Zeuchtwangcr, München, Grillparzerstraste ZS Zamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 75 Reichspfennlg VII. Jahrgang München, 15. November 1931 Ur.LL Inhalt: Sigmund Fraenkel und Lujo Brentano — Boykott jüdischer Geschäftsleute — Eine Geschichte der Juden — Reich Gottes, Marxismus, Nationalsozialismus — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus bayerischen Genreinden — Vereine — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Bekanntmachung über Ersatzwahl — Bezirksrabbinat Regensburg: Bekanntmachung betreffend rituelle Aufsicht über die ^chechita — Personalia Sigmund SraenKel Kurz nach dem Tode Brentanos, des berühmten Münchener Nationalökonomen, im September dieses Jahres wurde in diesen Blättern versucht, von seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit und auch von seiner Stellung zu den Juden in Vergangenheit und Gegenwart ein kurzes Bild zu geben. Jetzt wird die von uns verehrte Persönlichkeit noch plastischer durch die Lebenserinnerungen, die der eben Verstorbene, noch wenige Tage vor seinem Tode glücklich beendigen konnte. Die Erinnerungen liegen in einem liebevoll ausgeftatteten Band von mehr als 400 Seiten mit 21 sehr interessanten Familienbildern vor? Das an geistigen Auseinandersetzungen überaus reiche Werk bringt keine sensationellen Enthüllungen wie die Flut von Memoiren berühmter Staatsmänner und Feldherren in den letzten 12 Jahren; um so größer ist sein über den Tag hinausreichender Wert zur Erhellung und Verlebendigung des Zeitalters nach 1870, in dem Technik, Wirtschaft und die großen sozialen Probleme die Herrschaft in der Weltgeschichte antreten. Das Studium dieser Memoiren mit ihren fesselnden familiengeschichtlichen Aufzeichnungen über Clemens Brentano, Bettina und weiter zurück bis zu Goethe, mit ihrer Schilderung der sozialen und sozialwissenschaftlichen Kämpfe der Epoche auf der anderen Seite, ist auf das angelegentlichste zu empfehlen. Wir veröffentlichen hier einen Auszug aus einem in dem Memoirenband enthaltenen Brief Brentanos aus dem Frühjahr 1917 an seinen Vetter, den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Hertling. Den Anstoß zu dem Brief gab Sigmund 1 Lujo Brentano, M ein Leben im Kampf um die soziale Entwicklung Deutschlands. Jena (Verlag Eugen Diederichs) 1931. und Lujo vrentano Fraenkel, der Führer der bayerischen und Münchener Juden. Dieses Schreiben Brentanos an Hertling ist eine wichtige Ergänzung zu dem Brief über die Kriegsziele, den Fraenkel im Dezember 1917 an die Redaktion von „Handel und Industrie" gerichtet und der in den jüngst erschienenen „Aufsätzenund Rede n" des Verewigten (Verlag B. Heller 1930, S. 43 f.) abgedruckt ist. Schon dieser Brief zeugte von seiner frühzeitigen weitblickenden Erkenntnis der Lage, deren Verbreitung und Herrschaft Deutschland vor dem späteren großen nationalen Unglück hätte bewahren können. Das historische Schreiben an jene Zeitung gipfelte in der aufs klarste begründeten, im Jahre 1917 ganz seltenen Auffassung, „daß unser Wirtschaftsleben nur wieder aufgebaut werden kann, wenn die Völker von neuem anfangen, zueinander Vertrauen zu gewinnen und durch friedliche Verständigung in Zukunft alle politischen Meinungsverschiedenheiten zum Auötrag zu bringen". Der neu veröffentlichte Brief Brentanos an Hertling zeigt noch deutlicher diese Voraussicht Fraenkels, die zu unserem Unglück nie über die herrschende Auffassung „Viel Feind, Viel Ehr!" siegen konnte. Der Zusammenhang ist folgender. Brentano erzählt: „Zwei Tage vor dem Tode meines Bruders (des großen katholischen Philosophen Franz Brentano, geft. 17. März 1917) hat die erste russische Revolution stattgefunden. Sie hat Deutschland keine unmittelbare Erleichterung gebracht, denn Kerenski, der an Stelle des abgedankten Zaren die Regierung ergriff, hat im Einverständnis mit seinen Feinden den Krieg weitergeführt. soziale Geüanken unö Einrichtungen im Juöentum L Vorträge in öer Ägnagoge am 15. unö L§>. November Näheres s. Se.te 347

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