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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-10-15 · 20 (15.10.1931) · p. Seite 320

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
20 (15.10.1931)
Article
Ragout fin: "Mischehe in Frankreich" [Rezension]
Date
1931-10-15
Page
Seite 320 (sequence 1)
Language
German
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320 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 20 BiOX-ULT/SA -- Zahnpasta BiOX-ULTRA ist die schSu, mende Sauerstoff-Zahnpasta, deren biologische Wirkung wissenschaftlich anerkannt ist. Ragout fin: „Mischehe in Frankreich" Sarah Lewy, Henri und Sarah. (Erich Reiß Verlag, Berlin 1931. Ein katholischer Geistlicher — weißer Kopf, violette Soutane, schöner Tenor ■—, der einen kleinen Raphael, den Sohn der Jüdin Sarah Lcwy und des Katholiken Henri, in Ermangelung von Weihwasser mit einem Rest von_Tee aus seiner Tectaste tauft; eine Jüdin, die mit Hilfe ihres jüdischen Freundes eine Kirchenglocke stiftet und den Bischof bei der Cinwcihungsfcier mit — „Karpfen auf jüdische Art" bewirtet: Wo kann man solche Märchen aus Tausend und einer Nacht erleben?... Wenn nicht auf dem Monde, dann in Frankreich; wenn nicht im wirklichen Frankreich, dann in den Büchern der Sarah Lcwy, in denen berufene Kritiker „Dokumente von künstlerischer und kultureller Bedeutung" erblicken. Haben stc recht mit diesen „tiefen Blicken?" so fragen wir. Man erinnert sich des ersten Buches dieser in Frankreich und alsbald auch in Deutschland viclgclcscncn Schriftstellerin, das seinen Sensationscrfolg wohl nicht zum mindesten seinem verblüffenden Titel verdankte. „O mon Goye!“ hieß es im Französischen; die rasch erfolgende deutsche Übersetzung nannte cs noch offenherziger „Geliebter! O mon Goye!“ — Denn der Inhalt war, wie Sarah Lcwy jetzt selbst sagt, ein nicht ganz diskretes Bekenntnis: eine junge jüdische Witwe wird, ehe sic sichs versieht, die Geliebte eines „reizenden Goye", läßt sich von ihm heiraten, als er sie zur unehelichen Mama gemacht hat und bekommt einen Sohn, der nicht nur unvorschriftsmäßig beschnitten, sondern auch wie oben erwähnt gleich unvorschriftsmäßig getauft wird. Halb Satire —- etwas dünne Satire; halb erotischer Roman — was die Kritik in den höchsten Tönen pries. Verlockt von diesen preisenden Reden erzählt nun die gleiche Sarah, jetzt Weib des Katholiken Henry, die Geschichte ihrer Ehe und ihres Kampfes unr ihre Einordnung in das Leben des Mannes, das sich bisher nur zum Teil in Paris, wo er sic traf, aber im Grunde doch auf dem alten Familicngut abgespielt hat, wo die tiefen Wurzeln seiner Kraft liegen, wo jeder ihn kennt und von Kindesbeinen an gekannt hat. Scharf beobachtet ist das Widerstreben der Großstadtjüdin und die heimliche Sehnsucht der innerlich Heimatlosen, die in ihrem Glauben niemals daheim war und von ihren Glaubensgenossen nicht viel mehr kennt als Geldlcute und Witzcrcisscr. Scharf gesehen auch der Kampf um die Seele ihres Kindes, das sich nach dem viel bewunderten Vorbild des Vaters bildet, beiin Schweineschlachten ungerührt zuguckt und mit Wonne Tiere tötet oder auf die Wilderer mit dem Förster Jagd macht. Die Konflikte sind da, sind scharf und lebendig gesehen. Die Lösung aber ist... Tecwasser, wie das Ingrediens bei der Taufe des kleinen Raphael. Die Stolze, die Verführte, die Liebende kehrt nach cincrn sehr harmlosen Ausfluge nach Paris mit Sohn und Jugendfreund in die Arme ihres Henri zurück, spendet das Brillantcnarmband des Freundes für die Kirche und ist vollkommen glücklich, wenn diesinal stc den etwas widerstrebenden Mann wieder gewonnen und den mürrischen Judenhaß der Dörfler und Dienstleutc als „Gutshcrrin" überwunden hat. Krönung ihres Lebens: ein Wirtshaus will sie an der Loire gründen für die Annen von St. Felicicn; das soll heißen „Zur zerlassenen Buttcrsauce. Leitung: Sarah Lewy." Und mit solchem Leben — nur deshalb muß hier darüber gesprochen werden! — meint sie „die schönste Hoffnung ihrer Brüder zu verwirklichen, die ohne Vaterland über die ganze Welt verstreut sind"! — So erzählt ihr cs der Onkel Jesuit; so glaubt es ihn: die Jüdin — die trotz aller Lockung zum Niederknicn doch — vorläufig — Jüdin bleibt; und darauf offenbar besonders stolz ist. „Mach Schabbes davon!" ist die einzige jüdische Antwort auf dies Buch. Mag das geistvoll finden wer will — es hat eine merkwürdig gute Presse gehabt — ein unbefangener Jude kann cs nur gcschmacklos finden; und nicht witzig genug, um die Geschmacklosigkeit zu entschuldigen. Gehen Sic ruhig zur Messe, Madame Sarah, wenn die von Ihnen gestiftete Glocke Sie ruft. Das Judentum hat nicht viel an Ihnen verloren. Und ... die Kunst auch nicht. Dr. Bertha Badt-Strauß „Ein frisches Ei ist gesünder als jede andere Speise l" sagt schon der Talmud. Die moderne Forschung hat die wissenschaftliche Bes gründung dafür gefunden, denn ein tagfrisches Hühnerei enthält: 145 mg Cholesterin, 1800 mg Lezithin, grohe Mengen von Vitaminen (ABD) und lebenswichtige Mineralstoffe— Das grofjeWaldtrieden.Ei wird wegen seinesWohlgeschmacks von jung und alt besonders geschätzt und kostet audi . k k nicht mehr wie andere, j* Fernsprecher: Moritz Kowalski . Geiselgasteig GeflUgelhof „Waidfrieden“ Pensionspreis 6.— RM. Ehepaare, alleinstehende Personen beiderlei Geschlechts, linden angenehmes Dauerheim oder Erholungsaulenthalt im bisherigen Sanatorium Neu-Ulm. Vornehme, helle Räume mit mod. Ausstattung, wunderbarer Park, ausgezeichnete, au! Wunsch rituelleVerpflegung. Ref. Rabb. Dr. Cohn, Ulm. Bes.: F. Leiber, Neu-Ulm, Parkstraße« Neuhauserstr. 29 Münchens größte Pelz-Werkstatte: 309

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