Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 20 (15.10.1931)
- Article
- Aus dem jüdischen Jugendheim
- Date
- 1931-10-15
- Page
- Seite 319 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2727810-2727925-2727945-2741313--08265-2741367- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 319 Vereine Aus dem jüdischen Jugendheim Arbeitsgemeinschaft Dr. Cahnmann. Die Arbeitsgemeinschaft des Jugendheims über Probleme der Emanzipation und der jüdischen Gegenwart in Deutschland wird im Wintersemester fortgesetzt. Erster Abend: Dienstag, den 20. Oktober, abends 8.30 Uhr im Jugendheim, Herzog-Rudolf-Straße l/I. Thema: Die moderne Rasientheorie. Da mit diesem Abend die Behandlung eines neuen, in sich abgeschlosienen Fragenkreises beginnen wird, sind auch neue Teilnehmer willkommen. Jugendheimabende: Montag, den ly. Oktober, abends 8.30 Uhr, im Lessingsaal: Geselliger Abend. Montag, den 26. Oktober, im Jugendheim: Nahrungsmittel und Ernährung. Leiter: Herr Hugo Droller. Presseabende: Mittwoch, den 21. Oktober, 8.30 Uhr, im Jugendheim: Besprechung von Zeitschriftenartikeln. Leiter: Herr Friß Ullmann. Arbeitsgemeinschaft Junggruppe-J.P.D. Plugah Nescher: Kwuzah Sch ual: Heimnachmittag Samstag l5 Uhr. Kwuzah Arjeh: Heimnachmittag Samstag 17.30 Uhr, Mittwoch 19.30 Uhr. Kwuzah Namer: Heimnachmittag Samstag 17 Uhr. Plugah Seew: Kwuzah Nez: Heimnachmittag Samstag 16 Uhr. Kwuzah Janschuw: Heimnachmittag 'Samstag 16 Uhr. Kwuzah Naschasch: Heimnachmittag Samstag 18 Uhr. Kwuzah K e l e f: Heimabend Samstag 20 Uhr. Altercnkreis: Heimabend Dienstag 20 Uhr. Jüdischer Frauenbund, Ortsgruppe München Die Winterveranstaltungen beginnen mit einem Teenachmittag in der Bonboniere am Donnerstag, dem 29. Oktober, nachmittags. Weitere Mitteilungen ergehen in den nächsten Tagen. vückerjchau Carl Landauer, Planwirtschaft und Verkehrswirtschaft. München 1931. Dieses neueste Werk über die uns alle jetzt tief bewegende Frage: „Freie oder gebundene Wirtschaft?" soll hier besonders deshalb erwähnt werden, weil der Verfasser, aus München hervorgegangen, jetzt als Privatdozent an der Berliner Handelshochschule lehrend und als Herausgeber des „Deutschen Volkswirtes" von maßgebendem Einfluß hier Grundsätzliches und Entscheidendes zu den Grundlagen unseres heutigen Wirtschaftssystems sagt. Wir geben die Jnhaltsanalyse des Landauerschen Buches aus der führenden sozialökonomischen Zeitschrift, der „Sozialen Praxis" (im letzten Heft des 40. Jahrganges) wieder: Das Buch konfrontiert das sozialistische Wollen, das im Marxismus kein ausreichendes Fundament mehr besitzt, mit'der modernen Wirtschaftstheorie. Es bietet im ersten Teil eine hervorragende Analyse der freien Derkehrswirtschaft, ihrer Leistungen und Fehlerquellen, zeigt dann die planwirtschaftlichen Bestandteile der Verkehrswirtschaft auf und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß die Verkehrswirtschaft nur ein beschränktes Maß von Wirtschaftskontrolle erträgt, daß mithin der planwirtschaftlich regulierte Kapitalismus unbefriedigend funktionieren muß und nur ein Übergangssystem darstellen kann. Ein zweiter Teil bringt den Versuch einer sozialistischen Utopie, die Skizze der allgemeinen Struktur einer sozialistischen Gesellschaft. Wie der Verfasser selbst betont, kann es sich dabei nur um eine abstrakte Umrißzeichnung handeln. So angreifbar diese Skizze im einzelnen sein mag — und sie bietet zahlreiche Angriffspunkte wie etwa die ungelöste Problematik des Konsumentenschußes oder der Garantie für das gemeinnützige Handeln des Staates —, so wertvoll ist doch die kluge und vorsichtige Aufnahme der Diskussion, die seit dem Scheitern der Sozialisicrungsversuche verstummt ist. Die möglichst umfassende Diskussion der Landaucrschen Gedanken könnte uns helfen, die schwierigen Gegenwartsfragen zu klären. Zum 5 0. Todestag des Begründers der modernen Operette ist die erste grundlegende, quellenmäßige, modern-wissenschaftliche Offenbach-Biographie von Dr. A. Henseler erschienen. Über , 500 Seiten Text, 107 Notenbeispiele, 24 meist unveröffentlichte Bilder und Faksimiles, gebunden in Ganzleinen NM. 18.—. Max Hestes Verlag, Berlin-Schöneberg. Immer mehr greifen Rundfunk und Theatern auf Offenbach zurück; ein neues Interesse an seiner einst vielmnstrittenen Kunst und seiner fesselnden, aber bisher nur in verschwommenen Umrissen gekannten Persönlichkeit ist erwacht. Nicht nur längst bekannte Werke werden wieder aufgeführt, sondern auch unter den verschollenen Herrlichkeiten dieser riesenhaften Produktion gräbt man bereits nach verborgenen Schätzen. Hier ist das neue Buch ein zuverlässiger Führer. Cs ist die erste Darstellung, die auf eingehendem Studium der Gesamtproduktion des Meisters beruht. Es gibt nicht nur eine schwungvolle Beschreibung der erstaunlich steilen Kurve dieser Künstlerlaufbahn aus dem hier zuerst durchleuchteten Dunkel bescheidenster Anfänge zur Höhe des Weltruhmes, es führt auch hin zum unbekannten Offenbach. Gerade die verschollenen Werke sind besonders analysiert und durch reichliche Notenbeispiele verdeutlicht. Das Werk stellt durch Archivstudien, familiengeschichtliche Untersuchungen und durch Verwertung von etwa 1000 unveröffentlichten Briefen des Komponisten die Osfenbach-Biographie auf neue Grundlagen. Hier wird der Boden ausgezeigt, auf dem die moderne Operette erwuchs. Die Einwirkung jüdischer Synagogenweisen und rheinischer Karnevalsmusik wird hier an Hand von Gegenüberstellungen in Notenzitaten erstmalig wirklich bewiesen. Die Abschnitte über das Kölner Lokalstück, das „Divertissementchen", und den Kölner Karneval enthalten neue amüsante Beiträge zur rheinischen Volkskunde, während die eingehende Würdigung des Kölner Kantors Jsacc Offenbach auf die damalige geistige Lage des Judentums bemerkenswerte Streiflichter wirft. Offcnbach wird gewürdigt als der sentimentale Cellovirtuose, als der idyllische Melodiker der frühen Einakter, der dionysische Tanzmcister und Sittenschilderer des zweiten Kaiserreiches, der vehemente Satiriker gegen die Auswüchse der Zeit in Kunst und Leben, dem heute wieder neue Aktualität zuerkannt wird, der Begründer der Groteskoper, der romantizistische Musiker, dessen Weg zu „Hoffmanns Erzählungen" von den frühesten Jungwerken an verfolgt wird. Hierbei ist überall auf die Beziehungen des Offenbachschen Schaffens zu Vorgängern und Mitstrebcndcn Rücksicht genommen — ein erster Versuch morphologischer, stilkritischer und phänomelogischer Betrachtung seines Gesamtwerkes, ein Beitrag zur Geschichte der Oper und Operette, der Musik- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. Dr. —i— Der Begriff des Begriffes. Die Geschichte des Begriffes und seine metaphysische Deutung von Dr. Emanuel Horn, München. Mit einem Vorwort von Geh. Rat Professor Dr. Hans Driesch. IV, 104 Seiten. Subskriptionspreis broschiert RM. 3.80, in Leinen gebunden RM. 5.—. (Nach Erscheinen wird der Preis auf broschiert RM. 4.80, in Leinen RM. 6.50 erhöht.) Verlag Ernst Reinhardt, München. Der Begriff ist eines der wichtigsten Probleme der Philosophie, er ist der Grundpfeiler einer philosophisch fundierten Weltanschauung. In der vorliegenden Schrift hat der Versaper den „Begriff" historisch aufgezeigt und ist zu interessanten Schlußfolgerungen gelangt. Aus dem sonst bescheidenen Lehrstück „Begriff" wurde zuletzt eine alles umfassende Philosophie, die in ihrem Aufbau und in ihrer Prägung von einem selbständigen, originellen Denken zeugt. Gehcimrat Prof. Dr. Hans Driesch schreibt darüber: „Die Untersuchung C. Horns ist im ersten Teil philosophiegeschichtlich, im zweiten klassifikatorisch, im letzten logisch metaphysisch. Aber die Art, wie der Verfasser im ersten, weitaus breitesten Teil Philosvphiegeschichte treibt, ist nicht die übliche. Nicht behandelt er philosophische Systeme als Ganze und in Beziehungen zu einander, sondern er greift ein Problem heraus, mit dem jeder Philosoph sich auseinandersetzen muß, den Begriff des „Begriffes" und verfolgt dieses Problem durch die ganze Geschichte der europäischen Philosophie hindurch. Windelband hat in seinem bekannten Lehrbuch der Geschichte der Philosophie eine solche Art philosophiegeschichtlichcr Untersuchungen angebahnt, wenn auch nicht in allen Teilen seines Werkes durchgeführt. Daß diese Form des Arbeitens der philosophischen Forschung sehr dienlich ist — aber allein als Grundlage für spätere Sonderuntersuchungen —, unterliegt wohl keinem Zweifel. Auch die klassifikatorischc Verarbeitung des durch die historische Untersuchung gewonnenen Materials ist zu begrüßen. Es ist zu wünschen, daß Horns Arbeit den Anfang einer Reihe ähnlicher Untersuchungen bilde." Das Buch ist auch dem Nicht-Fachphilosophen sehr zu empfehlen. Modellbaus Sophie Oeldenberger FEINSTE MASSAN FERTIGUNG »ZEITGEMÄSSE PREISE m. Aufgang Tel. 92074