Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 20 (15.10.1931)
- Article
- Arbeitsgemeinschaft "Jüdischer Pfadfinderbund in Deutschland" (J.P.D.) und "Junggruppen im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands"
- Date
- 1931-10-15
- Page
- Seite 316 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2727810-2727925-2727945--08251-2741364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
316 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 20 Arbeitsgemeinschaft „Jüdischer Pfadfinderbund in Deutschland" (J.P.D.) und „Junggruppen im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands". In btcfcnt Frühjahr trafen sich in Leipzig eine große Reihe von Führern jüdischer Pfadfinderformationen, die sich dort zum jüdischen Pfadfindcrbund in Deutschland (J.P.D.) zusammenschloffen. Der J.P.D. ist ein jüdischer Scoutbund und sieht er als sein Erziehungsziel den Zophc, den jüdischen Scout, der verantwortungsbewußt und verantwortungsbcrcit sich für die Aufgaben seines Volkes einsetzt. Crziehungswcg ist die durch Gesetz und Verpflichtung fundierte Scouterziehung, die unter stärkster Betonung der jüdischen Eigenart die Ideen der Weltpfadfinderbcwegung in sich schließt. Als Erziehungsbund unpolitisch und überparteilich will der J.P.D. durch seinen Weg seine älteren Mitglieder dazu befähigen, sich in freier Entscheidung Klarheit über ihre weltanschauliche und politische Haltung zu verschaffen. — Eine Delegation des J.PD. nahm an dem in Collcville für Ome stattfindenden Lager sämtlicher jüdischer Pfadfinder der Welt teil, worüber hier schon berichtet wurde. Nach Schaffung der Wcltunion der jüdischen Pfadfinder wurde ihm die Leitung des mitteleuropäischen Büros übertragen. Die seit 3 Jahren bestehenden Junggruppen im Verband der jüdischen Jugendvereine sind in ihrer Arbeit zu der Überzeugung gekommen, daß als einziges Erziehungsziel und als einziger Erzichungsweg für die jüdische Jugend in Deutschland heute nur noch Zophiuth in Frage kommen. Auf dem Bundestag des Bundes der Junggruppcn in Sorge (Thüringen) schloffen die Bundesleitungen der beiden Bünde, ausgehend von der Zersplitterung der jüdischen Jugend Deutschlands und von dem Wunsche beseelt, der jüdischen Jugend den Weg zu einer Zusamnrenfaffung aller ihrer Kräfte in einem großen jüdischen Pfadfinderbund zu weisen, eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Ziele einer Fusion. Die Leitung des Bundes der Junggruppen liegt in den Händen von Kurt London, Berlin, die des J.P.D. in den Händen von Dr. Leo Goldhaber, Leipzig. In München ist diese Arbeitsgemeinschaft bereits durchgeführt worden; sic steht unter gemeinsamer Leitung von Walter Koschland, Pettenkoferstraße 4, und Fritz Keffler, Wagmüllersiraße 20. Die Zusammenfassung des Münchener Kreises, der z. Z. 80 feste Leute zählt, dürfte die Gewähr für eine gedeihliche Arbeit und starke Erweiterung bieten. Aus der Gemeinde Augsburg Programm des Jugendbundes Augsburg. 14. Oktober: Herr Direktor- Wallach: „Der Logengedanke"; 21. Oktober: Herr cand. phil. Heiner Lcnrlc: „Religion und Philosophie"; ZI. Oktober: Herr Diplomvolkswirt Dr. Dr. Jaques Waitzselder: „Die deutschen Juden in der deutschcrr geistigen und wirtschaftlichen Krise"; II. November: Herr Richard Scheid, Leiter des Jntourisi Büros, München: „Das neue Rußland, unter Berücksichtigung der Lage der Juden"; 24. November: Außerordentliche Generalversammlung, dann: Herr cand. jur. Walter Deutsch: „Politik und Wirtschaft"; 9. Dezember: Herr Rechtsanwalt Oberbrunncr: „Die Politisierung der jüdischen Jugend"; 15. Dezember: Sondcrabend für jüdische Angestellte, Herr Dr. Bellmann, Rechtsanwalt: „Soziales Recht". Sämtliche Vorträge in den Logenräumcn, Zeuggaffe, 20.15 Uhr. Aus bayerischen Gemeinden Brückenau. Im Kreise seiner Kinder und unter freudiger Tcilnahnre unserer Gemeinde feiert heute Herr Josef Finstcrwald seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich voller körperlicher und geistiger Frische. Bereitwillig stellt er sich jederzeit in den Dienst unserer Gemeinde als Hilfsvorbeter wie auch als Rcchnungsführer. Seine Verdienste ehrte die Gemeinde durch Ernennung zum Ehrenmitgliede. Fechenbach. Herr L. Lustig, über deffen 70. Geburtstag wir jüngst berichten konnten, ist am Aom Gcdaljo in Stuttgart seinem schweren Leiden erlegen. Bei der Überführung nach Fechenbach hatten sich aus Nah und Fern die zahlreichen Freunde des Entschlafenen zu seiner letzten Ehrung eingefunden. Vor dem Trauerhause zeichnete Lehrer Abraham Heß aus Miltenberg ein Lebensbild des Verstorbenen. Im Namen der Familie Lustig nahm Herr Rechtsanwalt Dr. Lustig, München, in bewegten Worten von dem Heimgegangenen Abschied. Bad Kissingen. Anläßlich des 80. Geburtstages des in diesen Tagen viel gefeierten Philanthropen und Kunstsammlers Dr. h. c. I a m e s Simon ließ die Israelitische Kultusgemeindc Bad Kissingen dem Jubilar, der sich hier zur Kur aufhielt, ein Blumenarrangement mit eincnr Glückwunschschreiben überreichen. Aus dem Reiche Schemarjah Levin spricht über jüdische Schicksalsfragen Das ist einer der wenigen „geborenen Redner" die unsre Zeit noch hat. Leise spricht er, fast tonlos zuweilen; und erreicht doch den Hörer auf der letzten Bank des übervollen Saales im Berliner Herrenhause. Und er spricht nicht von der Not des Tages, nicht von der Sorge fürs Kommende; sondern von der Wahrheit. Wahrheit des Tages, mathematische Wahrheit der Wissenschaft; Wahrheit der Nacht, Wahrheit der Prophetcn-Ahnung. Ihr ist unsre Zeit, die Zeit der Nacht, verhaftet; in ihr, im Vertrauen auf die Ahnung der Propheten, liegt die große Aufgabe der Zeit, der Ausbau der alten Väterheimat. — Erschütterndes Erlebnis aus dem Berlin der Nachkriegsjahre erzählt er: 1920, Unter den Linden, im Hotel Adlon, wohnen die Belgier, jeder Tag bringt neue Lasten, neue Bedrohung. Aber in der Universität findet zur selben Zeit ein Kongreß der Philologen statt. Er geht hinein und hört den Rector Magnificus, den greisen Brandl, über die Zukunft Deutschlands sprechen: nicht auf dem Wasser, nicht auf dem festen Lande — die Zukunft Deutschlands liegt im B u ch, liegt in: Geist. Brandls Bekenntnis ist auch das seine: die Zukunft der Juden, die Zukunft der Menschheit liegt inr Geist. Denn der Geist der Propheten ist der Geist der Versöhnung, der Verbrüderung der Nationen, des Völkerbundes iin eigentlichen Sinne des Wortes — des Bundes zwischen den Völkern. Eine neue jüdische Zeitung Berlin, 6. Oktober. Soeben erschien Nr. I der „Berliner Jüdischen Zeitung (BIZ), Organ für die Gesamtintereffen des Judcntmns". Als verantwortlicher Redakteur zeichnet Curt Kramarski. In dem Programmartikcl „Ein neues Blatt" seht sich die neue Zeitung zum Ziel, Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft abzuwehren und dabei neue Wege zu suchen rrnd neue Mittel zu erproben. Die Zeitung will auch dem Zwiespalt im jüdischen Lager, der Vergeudung jüdischer Energien entgegenwirken; sic will unparteiisch, aber nicht ohne Meinung sein. Sie will ein Berliner Blatt sein und dafür kämpfen, daß die Berliner Jüdische Gemeinde Repräsentantin des geistigen und sozialen Lebens der 200 000 Juden in Berlin sei. Der jüdischen Sportbewegung will die Zeitung „den Platz einräumen, den sic sich längst irn Leben erobert hat". Jta Bitte! Es wird für einige Monate in der Rituellen Speiseanstalt, Klenzestraße 4, eine Wärmestube für Erwachsene eingerichtet. Um den Erwerbslosen Unterhaltung und Anregung biet.n zu können bitten wir herzlich um leihweise Überlaffung oder Schenkung von Büchern und Unterhaltungsspielen. Außerdem wären wir dankbar, wenn uns für diese Zeit ein Radioapparat mit Lautsprecher zur Verfügung gestellt werden könnte. Die Sachen werden angenommen in der Rituellen Speiseanstalt, K l e n z e st r a ß e 4, bei Frau F e i b u sch, Fernsprecher 2 96 I 16. CAFE WINTERGARTEN Inhaber: Franz Schnabl Nachmittags Konzert. Äbends ununterbrochen Tanz 2 Kapellen. Mäßige Preise. Kein Eintritt. Kein Weinzwang FOrNachkuren.bel Herz-, Nerven-, Frauenleiden BiOX-SAUERSTOFF-BÄDER Es gibt nichts Besseres zur Beruhigung von Herz und Nerven, ebenso zur Erfrischung bei Mattigkeit u. Ueberanstrengung. Bad M 1.80 n Apoth. u. Drog. Max Elb A.-G., Dresden 28