Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 19 (1.10.1931)
- Article
- Inhalt
- Date
- 1931-10-01
- Page
- Seite 293 (sequence 1)
- Language
- German
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Bayerische Israelitische GememÜeZeitung KochrichtenblaU Üer Israelitischen KultuSgemetnüen in München, Augsburg/ Hamberg unö ües VerbanüeS Gagerischer Israelitischer Gememüen Erscheint am 1. unö 15. jeden Monats. — Verlag: G. heller, München, Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: Reichsmark 4.S0 für öa< pllnganserstrafte 64, Kernruf 73664 unö 73663/ Postscheck München 39&7/ Jahr. Anzeigenpreis: Sie 4 gespaltene Millimeter-Zeile 40 Reichspfermig Gchristleitung: Sr. Luöwig Keuchtwanger, München, Grillparzerstraße ZS Kamilienanzeigen, Stellengesuche unö ähnliche Angebote 15 ReichSpfeuntg VII. Jahrgang München, 1. Oktober 195t He. 1p Inhalt: Aufgaben der Gemeinden und Gemeindeverbände im kommen- Angestclltenbezüge — Bekanntmachungen der 3fr. Kulmsgemeinde Münden Jahr — Lujo Brentano — Der Dichter von „Iettchen Gebert" — chen: Bekanntmachung über Ersatzwahl — Bekanntmachung über Kür- Die Allgemeinbildung des jüdischen Religionslehrers — Aus der Gezung der Beamten- und Angestelltenbezüge auf Grund Gemeindebeschlusmeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus bayerischen ses vom 28. September 1931 — Bekanntmachung über den Gottesdienst Gemeinden — Vereine — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntin der Hauptsynagoge am Vorabend des Simchas Thora-Festes — machungen des Verbandes Bayer. Isr. Gemeinden: Bekanntmachung Personalia über Ersatzwahl — Bekanntmachung über Kürzung der Beamten- und Aufgaben der Semeinden und vemeindeverbände im kommenden lahr Von Dr. Alfred Die jüdisch-liberale Zeitung hat aus Anlaß der hohen Feiertage u. a. die Präsidenten der Landesverbände nach ihren Gedanken über die künftigen Ausgaben der Gemeinden und Verbände befragt. Die Antworten sind in der Nummer 16 der jüdisch-liberalen Zeitung veröffentlicht. Wir geben hier die Äußerung von Herrn Obcrstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer wieder. Die verehrliche Schriftleitung ersucht um Meinungsäußerung über die Aufgaben unserer Gemeinden und Landesverbände. Sie will dadurch zur Förderung des Lebens unserer Gemeinschaft beitragen. Ihre Aufforderung fällt in eine bittere Zeit. Wir haben uns in den Jahren seit der Umgestaltung der ftaatskirchenrechtlichen Verhältnisse im Reiche und in den Ländern bemüht, unsere Gemeinschaft aufzubauen, und haben vielleicht auch manche Ansätze zur Erneuerung des jüdischen Lebens erzielt. Wir haben die Gemeinden in den Ländern zusammengefaßt und ihre Angelegenheiten nach der rechtlichen und kulturellen Seite geordnet, die Großgemeinden haben.durch ihre Steuermittel den Fortbestand der lebenskräftigen kleineren und mittleren Gemeinden gewährleistet, wir haben unseren Rabbinern und Beamten auskömmliche Gehälter gegeben und ungeachtet des Währungsverfalles unsere Einrichtungen und Anstalten aufrecht erhalten, wir waren bestrebt, unsere Kräfte zu sammeln, um sie in einer Zeitenwende für die Aufrechterhaltung der Kultur einzusetzen, eingedenk des Wortes von Hermann Cohen, daß wir nur durch die Pflege unserer Eigenart zur Förderung unserer deutschen und der allgemeinen menschlichen Kultur beitragen können. Da fällt ein Reif auf die keimende Saat. Die Not des Volkes, die sich im jüdischen Mittelstand besonders schwer auswirkt, zwingt uns das Steuer rückwärts zu stellen und wir wissen nicht, ob die Not nur eine vorübergehende ist oder den Beginn einerarmen Zeit eröffnet. Als verantwortliche Leiter unserer Gemein- Neumeyer wesen müssen wir jedenfalls diese letztere Möglichkeit ins Auge fassen, von dem Wege nach vorwärts abbiegen und Richtlinien für den Abbau geben. Hierbei müssen wir uns vor allem klar sein, daß wir nicht eine Gesellschaft des Erwerbs und der Wirtschaft bilden, die mit den ihr zugrundeliegenden Interessen eingeschränkt oder gar aufgehoben werden kann, daß wir vielmehr dauernde religiöse und ethische Werte zu behüten haben, die, in ein ärmlicheres Gewand gekleidet, doch unter allen Umständen erhalten und unversehrt in die Zukunft getragen werden müssen. Wir haben zu unterscheiden, welches sind die Werte, die in keinem Fall verkümmern dürfen, und was sind die Werte, deren Pflege zurückgeftellt werden kann. Wir kommen so auf die Grundlagen unseres Gemeinwesens. — Als oberster Wert ergibt sich hier die Schule. Sie verbürgt die Zukunft unseres Bekenntnisses und muß darum unbedingt erhalten werden. An sie reiht sich der Gottesdienst. Zurücktreten müssen die kulturellen Leistungen im engeren Sinne. Wie steht es aber mit der Wohlfahrtspflege? In ergreifenden Worten richtet die Zentralwohlfahrtsstelle an die jüdischen Gemeinden in Deutschland den Ruf: Haltet die Wohlfahrtsarbeit aufrecht! Die Wohlfahrtsarbeit muß erhalte:: bleiben, aber sie muß wieder auf breitere Schulteren gelegt werden. In höherem Maße als bisher soll die Mildtätigkeit wieder Sache der jüdischen Gesellschaft als solcher sein, der einzelne und die Vereine müssen in gesteigertem Maße die Wohlfahrtsarbeit tragen, wie dies von altersher ihre religiöse und menschliche Pflicht gewesen ist, unter Leitung und in Anlehnung an die Wohlfahrtspflege der Zentrale des Reiches, der Gemeinden und Landesverbände, deren Erfahrung und systematische Leistung nicht verloren gehen dürfen. Dabei ist weiter zu sagen, daß Krisen, wie wir sie jetzt erleben, in einem kleineren Raume