Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 17 (1.9.1931)
- Article
- Neumarkt Opf.
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 270 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 Neumarkt Opf. Nach fast 200 jährigem Bestehen löste sich mit dem I. August ds. Jhrs. das Rabbinat Sulzbürg auf, nachdem der seitherige Bez.-Rabbiner Herr Dr. Weinberg nach Regensburg berufen wurde und es dem immer kleiner und wirtschaftlich schwächer gewordenen Bezirk unmöglich war, sich weiter auftecht zu erhalten. Vor der Übersiedelung des Herrn Dr. Weinberg nach Regensburg veranstaltete die Israelitische Kulmsgemeinde Neumarkt eine herzliche Abschiedsfeier, der sich auch fast alle Mitglieder der Kultusgemeinde Sulzbürg angeschloffen. Kultusvorstand Baruch sprach Herrn Dr. Weinberg in bewegten Worten den Dank der Gemeinde Neumarkt aus. Oberlehrer Nußbaum schilderte den Scheidenden als religiöses und geistiges Oberhaupt wie als vortrefflichen Menschen und weltlichen Führer, der es meisterlich verstanden die Forderung tauroh im derech erez seinen Betreuten vorzuleben. Zum ■ Schluffe dankte er Herrn Dr. Weinberg im Auftrag des Männer- und Jünglingsvereins für die vielen geistvollen Vorträge, die den Vereinsmitgliedern immer wertvolle Anregung boten. Kultusvorstand Grünebaum, Sulzbürg, widmete dem scheidenden Rabbiner Worte des Dankes. Kom.-R. Dreichlinger, Mitglied des Rats, sprach ebenfalls herzliche Abschiedsworte und gab der Freude Ausdruck, daß wir auch ferner deffen religiöser Führung unterstehen, da ja unser Rabbinatsbezirk dem Regensburger angegliedert worden sei. Am Schlüffe der Feier, die von musikalischen DarbieMngen der Frau Kraus und deren Sohn umrahmt war, dankte der Gefeierte in launigen Worten für die ihm dargebrachten Ehrungen. — Möge Herrn Dr. Weinberg mit seiner Familie auch in seinem neuen Wirkungskreis Gottes Segen begleiten! Neumarkt Opf. Am 30. August des Jahres konnte unser derzeitiger Vorstand Herr Adolf Baruch auf eine 25 jährige Tätigkeit als Mitglied unserer Gemeindeverwaltung zurückblicken. Er gehört zu den seltenen Männeren, denen das Gemeindewohl wahre Herzenssache ist und der in Freud und Leid bei größter Selbstverleugnung und Bescheidenheit zu jedermanns Verfügung steht. Möge er uns noch lange erhalten bleiben und es ihm ad meo schono vergönnt sein in seinem Edelsinne zum Wohle der Allgemeinheit weiter wirken zu können! ttus dem Neiche Bundestag des Bundes der Junggruppen. In der Nähe von Ilmenau in Thüringen fand vom 3.—6. August der dritte Bundestag des Bundes der Junggruppen im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Am ersten Tag schien es, als zerriffc die tiefgehende Uneinigkeit, die heute in der jüdischen Jugend herrscht, auch den Bund der Junggruppen. Aber die Tage intensiver Arbeit und ehrlicher Auseinandersetzung mit den jüdischen Fragen erzielten eine völlige Einheit in Grundhaltung und Erziehungsmethode: Der Bund der Junggruppen steht auf dem Boden der gesamtjüdischen Idee, die die jüdischen Bewegungen und Einzelmenschen, die nur ihre Partei kennen, umbiegen und zurückwenden will zur Mitte, zum gesamten Judentum als jüdischem Kollektiv. Er sieht in der gesamtjüdischen Haltung seiner Menschen die Revolutionierung, die heute notlut, die Abkehr von überalteten Begriffen und Schlagworten. Für den einzig möglichen Erziehungsweg hält der Bund das jüdische Scouting, auf das er im Laufe des nächsten Jahres seine Arbeit umstellen wird. — Die innere Geschlossenheit des Bundes zeigte sich in der einstimmigen Wahl des neuen Bundesleiters Kurt London; das Streben nach Cinbeit innerhalb der jüdischen Jugend kam in der auf dem Lager beschlossenen engen Arbeitsgemeinschaft mit dem jüdischen Pfadfinderbund in Deutschland zum Ausdruck. In erster Linie war der Bundestag der Junggruppcn gerade wegen feines erfreulich guten Verlaufs ein Versprechen an die Zukunft. Der Bund der Junggruppen wird in diesem Jahr zu zeigen haben, ob er in der Lage ist, sein Versprechen cinzulösen. Um der Zukunft der jüdischen Jugendbewegung willen, in der er als jüngster Bund steht, ist es zu hoffen und zu wünschen. K. I. Vereine Jüdischer Gesangverein München. Den 70. Geburtstag beging in diesem Monat in voller körperlicher und geistiger Frische unser verdientes Ehrenmitglied Herr C m i l C a h n, Generalagent der „Allianz und Stuttgarter Lebensversicherung". Aus der Fülle der Ehrungen und Zuschriften, die dem Jubilar aus diesem Anlaß zugingen, ist ersichtlich, welch geachtete Stellung Herr Cahn innerhalb der Gemeinde.einnimmt. Besondere Verdienste erwarb er sich um die Pflege jüdischer Musik sowie als eines der ältesten freiwilligen Mitglieder des Synagogenchores, wie als Gründungsmitglied und langjähriger I. Vorsitzender des „Jüdischen Gesangvereins", deren Ehrenmitglied er bereits ist. Wir wünschen unserem lieben Sangesbrudcr noch eine Reihe weiterer glücklicher Jahre, die ihm sein Humor und seine Liebe zur Kunst verschönern möge! Jüdischer Jugendverein München. Der Jüdische Jugendverein nimmt am Donnerstag, dem 3. September, 20.30 Uhr, seine öffentlichen Veranstaltungen wieder auf (nachdem die Sommermonate zu interner Vereinsarbeit benutzt worden sind) und zwar spricht an diesem Abend der in weiten Kreisen rühmlichst bekannte Kunsthistoriker Herr Theo Harburger über das Thema: „Kunst im jüdischen Leben". (Mit ca. 60 Lichtbildern.) Thema und Referent dürften auch außerhalb unseres Vereins Interesse erwecken. (Eintritt ist frei!) Wir bitten aber, Folgendes beachten zu wollen: Mit Rücksicht auf die Proben des Synagogen-Chorvcreines finden im September unsere Veranstaltungen nicht im Lessingsaal, sondern der oben angezeigte Vortrag im Saal der „ Concordia " (Prannerstr. 4), alle anderen Veranstaltungen im „Bibliotheksaal" (Herzog-Maxstr. 7) statt. Man beachte also: 3. Sept. 20.30 Uhr Concordia: „Kunst im jüdischen Leben." (Referent: Herr Theo Harburger.) 10. Sept. 20.30 Uhr Bibliothekssaal: Preffeabend. 17. Sept. 20.30 Uhr Bibliothekssaal: Vortagsabend: „Die Wirtschaftskrise, neue Wege zu ihrer Beseitigung." (Referent: Herr Artur A u f o ch s-Nürnberg, Leiter der bayerischen Gilde.) Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe München e. V. Unser nächster kameradschaftlicher Abend findet am Mittwoch, den 2. September, in der Gaststätte Schwarz, Schlosserstraße 2, statt. Jüdisches Erholungs-Kinderheim in Wyk auf Föhr Das Kinderheim des Jüdischen Frauenbundes in Wyk auf Föhr war bis Ende August bis auf den letzten Platz belegt. In der kurzen Nachsaison bis 6. Oktober werden voraussichtlich noch einige Plätze frei. Auf diese besonders günstige Kurgelegenheit an der See für erholungsbedürftige Kinder möchten wir auf Wunsch des Kuratoriums für das Wyker Heim besonders Hinweisen. Dazu schreibt uns das Kuratoriunr: Selbstverständlich wird das Heim in dieser Zeit nicht ganz so belegt sein wie zurzeit der großen Ferien, sodaß ein Aufenthalt für Kleinkinder, die noch nicht schulpflichtig sind und zarte Kinder, die besonders individueller Betreuung bedürfen, sehr zweckmäßig ist. Wir würden in dieser Zeit auch den an sich ja nicht sehr hohen Pslcgcsatz von Mk. 4.50 pro Tag in vielen Fällen, in denen er keinesfalls aufgebracht werden kann, etwas ermäßigen können. Der Besuch sehr guter und nicht teurer Schulzirkel am Ort ist nröglich. Schochtim-Verband Bayerns. Unsere Mitglieder werden ersucht die fälligen Beiträge für das zweite Halbjahr 1931 auf Postscheckkonto 36559, Amt Nürnberg (unter I.' Lubinski) einzuzahlen. Schweinfurt, den 23. August 1931. Lubinski, Kassier. Vereinigte Vereine „Linath-Hazedek" und „Agudas-Achim" Die Nachfrage nach den Synagogcnplätzen war außerordentlich rege, sodaß nur noch eine geringe Anzahl von Plätzen verfügbar ist. Es wird den Interessenten dringend empfohlen, sich bei den Herren Leopold Buchaster, Reichenbachstr. 23 (Telefon 25903) und M. Sticfelzieher, Columbusstr. 2 (Telefon 41692) noch einen Platz zu sichern.