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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-09-01 · 17 (1.9.1931) · p. Seite 269

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
17 (1.9.1931)
Article
Dinkelsbühl
Date
1931-09-01
Page
Seite 269 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 17 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 269 Als unser großer Lehrer Moses den Schauplatz seines irdischen Wirkens verlassen sollte, hat er seinem Schüler und Nachfolger aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen nicht etwa einzelne Anweisungen gegeben. Nur zwei Worte sprach er zu ihm: Chasak wecmoz! Sei stark und fest! Das sei auch als Mahnruf dem neuen Lehrer wie auch der Gemeinde zugerufen. Stark sein und fest, nicht abweichen vom rechten Weg, der zu Gott führt, sei die Aufgabe des Lehrers. Stark sein und fest sei die Aufgabe der jüdischen Gemeinde, um bestehen zu bleiben in dem Sturm und der Not, die das Judentum umbrausen und bedrängen, besonders aber in Dinkelsbühl, das schon an sich eine exponierte Stelle einnehmc. Lehrer und Gemeinde haben die gleiche Aufgabe, den gleichen Kampfruf, einig und mit engster gegenseitiger Unterstützung zusammenzugehen. In den Sprüchen der Väter (I, 2) heißt cs, daß die Welt auf drei Dingen steht: Thauro, Awaudo und Gemilus Chasodim. Je größer die Not und die wirtschaftliche Bedrängnis sei, um so mehr müssen wir uns zur Erhaltung unserer selbst in die Geistigkeit der Thauro hineinvcrsenken. Unser Stolz muß es sein, die Thauro wieder so zu unserem geistigen Eigentum zu machen, wie cs unsere Väter und Mütter taten und wie es seit jeher der Stolz unserer Vorfahren war. Alles läßt sich leichter tragen, wenn das Vertrauen auf Gott uns tragen Hilst, denn Gott verläßt uns nicht; je größere Orgien der Materialismus feiere, um so größer muß die Herrlichkeit des Thaurogeistes, der Thaurogcistigkcit werden. Und Awaudo ist nicht nur der Gottesdienst in der Synagoge. Es ist die Tat jüdischer Pflichterfüllung. Als wichtigstes der Sabbath, die jüdische Küche und die Reinheit der Familie. Gemilus Chasodim, das jüdische Lev, das niemanden leiden sehen soll. Glaubet nicht, daß die Wohltätigkeit nachlasten darf, wenn man selbst finanziell schwächer wird. Im Gegenteil, denn alle guten Taten werden belohnt, und wir armseligen Menschen kennen die Vorsehung des göttlichen Willens nicht. — Hierzu führte der Herr Rabbiner als Gleichnis die Erzählung von der Tochter des Rabbi Akiba an, die an ihrem Hochzeitstage durch eine Liebestat vor dem Tode errettet wurde. Aus diesem Willen zu Gemilus Chasodim müste die Opferbereitschaft erwachsen auch der Gemeinde gegenüber, damit das erhalten und ausgebaut werden könne, was unter so großen Mühen geschaffen worden ist. Man opfere so oft und so viel für andere Dinge und man müste stch auch ein Beispiel nehmen an unseren Feinden, die Unsummen opfern zu Zwecken, die doch zum größten Teil gerade gegen uns gerichtet sind. Deshalb sei cs heiligste Pflicht jedes einzelnen, alles zu tun zur Erhaltung einer jüdischen Gemeinde und ihrer Institutionen. Was bleibe denn von unserem Judentum noch als die uns umgebende Kultur, wenn wir diese drei Grundsäulen der Welt nicht zu unserem Eigentum machen. Thauro, Awaudo, Gemilus Chasodim. Dann werde auch der allsabbathliche Segen, der nach der Thaurovorlcsung erbeten werde, in Erfüllung gehen. — In tiefster Andacht sprach dann Herr Rabbiner vor der geöffneten heiligen Lade den sabbathlichen Mischeberach, und erflehte den Segen Gottes für die Gemeinde. Amen. Herr Lehrer Krebs dankte dann für das Vertrauen, das man ihm durch seine Berufung entgegenbringe und gelobte, dasselbe zu rechtfertigen, darnit an der Gemeinde das Wort der gestrigen Sidrah wahr werde: Er wird dich lieben, dich segnen und dich vermehren. (V,?, 13.) Mit dem Vortrag eines Abschnittes aus dem Hallelgebet endete die Feier, die ein Beweis dafür war, was jüdischer Wille zu leisten vermag in einer Zeit tiefster Not, da jeder einzelne die schwersten Kämpfe um seine Existenz ausfechten muß. Wie manche Träne wird geflosten sein und manches Herz gezuckt haben in dem Gefühl, daß doch nicht alles verloren ist, wenn wir einig sind, zusammenstehen und Gott mithelfen lasten, das schwere Los zu tragen, unter dem wir alle seufzen. Und in aller Not trotzalledem: Boruch schehechejonu, wekijemonu, wehigionu las'man Hase. Julius F. B a e r Fechenbach, 14. August 1931. Heute beging Herr Leser Lustig seinen 10. Geburtstag; leider nicht bei vollster Gesundheit, da der Jubilar schon längere Zeit an das Krankenbett gefesselt ist. Nichtsdestoweniger zeigt er noch regsten Anteil und warmes Intereste an allen Obliegenheiten seiner Familie und der Kultusgemeinde, in der er schon über Jahrzehnte das Amt des Vorstandes bekleidet. Ob seines aufrechten Charakters, seiner rastlosen Energie und als biederer Geschäftsmann erfreut sich der Jubilar nicht nur in der hiesigen Gesamtbevölkerung, sondern darüber hinaus in weitesten Kreisen größter Achtung und Wertschätzung. Möge ihm eine baldige Genesung und ein sonniger Lebensabend beschicken sein. Israelitische Kultusgemeinde Giebelstadt. Die Witwe Babette Neumann von hier kann am 12. September dieses Jahres ihren 80. Geburtstag feiern. Auch Sic ^finden das für Ihre Figur # richtige moderne Korsett M i n jeder Preislage nur im bewährten Spezialhaus MAX LOWENTHAL MÜNCHEN, Kaufingerstraße 31 DIE NEUE SCHWINGHEBEL- ADLER Standard ist ein Erzeugnis hochwertiger Qualität! Ihre Vorzüge sind: Ruhiger Gang, bequeme Handhabung Höchste Schreibgeschwindigkeit Starke Durchschlagskraft, lange Lebensdauer Lieferbar in allen Extra-Ausführungen Außerdem die bekannten Stoßstangen-Modelle Fordern Sie Prospekt und Vorführung Adlerwerke, vorm. Heinrich Kleyer Filiale München, Augustensfrafye 40 - Te5KS Regenmäntel Ulster und Paletots Eigene Herstellung. 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