Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1931-08-15 · 16 (15.8.1931) · p. Seite 254

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
7 (1931)
Issue
16 (15.8.1931)
Article
Ein Buch für den jüdischen Lehrer [Rezension]
Date
1931-08-15
Page
Seite 254 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2727810-2727925-2727941-2740908--07996-2740953
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

254 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 Lin Such kür den Angezeigt von Dr. Er „Es ist gänzlich gleichgültig, was in der Schule gelernt wird, solange es nur den Schülern zuwider ist." Mit diesem amüsanten Zitat eines ungenannten amerikanischen Humoristen wendet sich Professor John Dewey von der Columbia- Universität in New-Pork in seinem, nun auch deutsch vorliegenden Buche „Demokratie und Erziehung, eine Einleitung in die philosophische Pädagogik"* gegen die sogenannte „formale Bildung". So lebhaft und frisch, ja sprühend ist jedes Wort beinahe in diesem dickleibigen und streng systematischen Buche. Seine Gedankengänge sind für den deutschen und noch weniger für den bayerischen Lehrer nicht immer neu, weil Kerschenfteiner, von Dewey zum Teil beeinflußt, sie oft ähnlich vertreten hat, aber trotzdem wird die Lektüre des Bandes jedem Pädagogen und darüber hinaus jedem mit dem Rätsel der Erziehung beschäftigten Menschen von höchstem Werte sein. Es ist ein streng rationales und angelsächsisch klares, aber doch eigentümlich warmes Buch. Der Übersetzer, ein preußischer Ministerialreferent, hat 1928 die „Schule der Demokratie" das heißt die Schule Nordamerikas, in einem eigenen Buche dargeftellt und liefert nun, in treuem nachschaffendem Sprachdienft, die systematische Ergänzung. In der Tat muß man sich stets die tatsächlichen Voraussetzungen Amerikas gegenwärtig halten, wenn man die theoretischen Formulierungen Deweys verstehen will: insbesondere die grandiose Schul- und Lehrmittelfreiheit, die in dieser Konsequenz heute nur noch bei Amerikas wirtschaftlichpolitischem Gegenpol, in Sowjetrußland, existiert. Aber trotzdem gelten die Folgerungen und Forderungen 1 überseht von Professor Erich Hylla, Verlag Ferd. Hirt in Breslau, 1930, 565 S. jüdischen Lehrer ft Simon, Haifa Deweys auch für andere Länder, auch für uns, und insbesondere auch für den Unterricht an jüdischen Schulen und Religionsschulen. Auch für uns ist es richtig, daß wirkliches Erkennen sich im Tun erproben muß, daß ein „humanistisches" Ideal, das sich im Gegensatz zu Naturwissenschaft, Technik und Handfertigkeit setzt, in Wahrheit der ideologische Überbau einer „Mußklasse" ist, wie Dewey sagt; daß nicht nur die Schüler, sondern auch die Fächer untereinander Gemeinschaft halten müssen und daß ohne wirMch innere, nicht nur reproduktive Aktivität des Schülers seine erlernten „Kenntnisse" und erworbenen „Fertigkeiten" totes Gut bleiben, nicht aber lebendige Werkzeuge zur Ergreifung und Formung auch neuen, bisher unbekannten Stoffes werden. Wie gesagt: all dies ist uns nicht neu, wenn es auch durch die Beweisführung und mit reichem historischen Material gesättigte Darstellung Deweys, der implieite die wichtigsten pädagogischen Klassiker und Theorien kritisch mit abhandelt, sowie seine eigene Philosophie, einen sozialen Pragmatismus, mit darftellt, manches neue Licht erhält. Aber es kommt ja gar nicht darauf an, ob Dinge neu sind, sondern ob sie richtig und verwirklicht sind. Und da muß ich bekennen: Ich habe mich bei der Lektüre des Dewey'schen Buches, insbesondere auch der Darlegungen über einzelne Fächer, z. B. Geschichte und Geographie, des öfteren nicht ohne Beschämung einzelner Stunden erinnern müssen. Und solche Art Bücher gerade sind für Lehrer die wichtigsten: die ihnen in einem hohen Spiegel zeigen, was sie selber wissen und wollen und was ihnen doch in der Not der täglichen 4 und 5 Stunden immer wieder zu entgleiten droht. Da vor dieser Gefahr gewiß auch der jüdische Unterricht nicht gefeit ist, so ist Deweys Buch eben auch „ein Buch für den jüdischen Lehrer". Line vorbildliche Semelndeeinrichtung Ein neues jüdisches Zentrum in London Am 26. Juli fand in London die Grundsteinlegung zu einem jüdischen Gemeindehaus statt, in dem alle religiösen, erzieherischen, philanthropischen, politischen und sozialen Institutionen der englischen Iudenheit beherbergt werden sollen. Die Kosten dieses neuen „Jüdischen Zentrums" sind auf 100 000 Pfund veranschlagt. Das Gebäude wird in Tavistock Square-Bloomsbury errichtet und soll in einem besonderen Flügel u. a. das englische Rabbinerseminar, das Iews' College, das bisher in einem Gebäude in Queens Square untergebracht war, aufnehmen. Man rechnet damit, daß der Bau bereits Ende dieses Jahres beziehbar sein wird. Die Feier der Grundsteinlegung wurde unter großer Beteiligung und m Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten der englischen Iudenheit abgehalten. Der Vorsitzende des Rates des Iews' College, S. Iaphet, nahm die Grundfteinlegungszeremonie, Rev. A. Mayerovitsch die religiöse Weihe vor. Die Festrede hielt Chief Rabbi Dr. I. H. Hertz. Ein Saal des neuen Gebäudes wird dem Andenken der verstorbenen Gattin des Chief Rabbi Hertz gewidmet sein. Zu den bedeutendsten Organisationen, die in dem neuen Gebäude ihren Sitz haben werden, gehören die United Synagogue, der Iewish Memorial Council und der Board of Deputies. Auch die jüdische Gesundheitsorganisation für England (OSE), der Orden Bnei Brith und die Gesellschaft für Erziehungshilfe sind an dem Neubau interessiert. Zu den Baukosten haben die United Synagogue, der Iewish Memorial Council und das Iews' College große Beiträge geleistet. Die noch erforderlichen Summen sollen durch eine öffentliche Sammlung unter der Leitung von Lionel de Rothschild ausgebracht werden. Die Durchführung des Unternehmens liegt in den Händen einer Gesellschaft, an deren Spitze ein Direktorium steht, bestehend aus den Herren: Lionel de Rothschild. Vorsitzender; Sir Robert Waley-Cohen und S. Iaphet, stellvertretende Vorsitzende; O. E. d'Avigdor Goldsmid, S. Moses, Major Salmon (Unterhausmitglied), F. C. Stern, F. Samuel, Major H. L. Nathan (Unterhausmitglied), B. A. Fersht. (Meldung der I.T.A.) Verwendet bei allen Anlässen die Ablösungs-Telegramme des jüdischen jfranenvereins von Md

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.