Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 16 (15.8.1931)
- Article
- Wolfratshausen
- Date
- 1931-08-15
- Page
- Seite 253 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 253 Kampf um die bürgerliche Cmanzipasion ausgenommen haben/ entfaltet Holzschuher eine rege Tätigkeit, um ihnen direkt oder indirekt entgegenzuarbeitcn. Auf das 1832 erschienene „Schabbes-.Gärtel für unnere (unsere) Leut" folgt (1833), um den jüdischen Handel zu diskreditieren und als schädlich darzustellcn: ein „Lexikon der jüdischen Geschäfts- und Umgangssprache", das, wie alle dieser Art, die Aufgabe hat, die „jüdische Geheimsprache zu entlarven" und eine. Schrift, die dieses Ziel schon im Titel klar herausstellt: „Linke Massematten der houchlöbliche Jüdenschaft. Epfillelich (Fibel) zon Unterricht unn zor Erbauung fer unnere Leut. C Telettspicgel für die houchlöbliche Jüdenschaft. Don wetn alle Juden unn alle Gojim e Sftnche (Freude) drahn haben. Die Spitzbübereien imd Gaunerstreiche der Juden und ihre, verderblichen Umtriebe unter.den Christen." (1833.) Zur gleichen Zeit veröffentlicht Holzschuher „"Die Manzipaziuhn", in der er zu einem letzten Schlag gegen die Cmanzipätionsbcstrcbungen der Juden aushölt. Der Titel , will die um diese Zeit von den Juden 'eingereichten Petitionen und' Denkschriften nachahmen.' „Die Manzepaziun der houchlöbliche kieniglich bayerische Jüdcnschaft. .En (ein) Edreß an die houchverehrliche. Harren Landständ ousgestodirt fun Schächter Eisig Schmuhl in Kriegshaber un drücken gelofft fun Jßig Feitel Stern." Die Schrift selbst zerfällt in eine „Einleitung" und „Edreß". Die erstere stellt ein angebliches'Gespräch dar zwischen „Rebbi Schlome unn (und) Schächter Schmuhl, wu die Verahnlassing ousdrückt, worum ass die Edreß is. gedrückt gcworn". In satirischer Form spottet er einerseits über die Unwissenheit der Juden, von der änderen Seite will er die jüdischen Forderungen als schädlich für die übrige Bevölkerung darstellen. „Die Manzepiring" (Emanzipation), erklärt Schmuhle, heißt „aß mir Jüden alle vorniehme unn beduche (berühmte). Leut wern,. dazu Staatsberger unn Staatsbiamte, Minister unn Srores (Herren) über uns unn über die Gojim, aß mir dörfen thuhn Unn treiben was mir not wellen, äß mir as' Handwariksleut äs Gutbesißer, as Kahsunn Handelsleut, as Guttelbalmachomes (Offiziere)- as Srores unn Takefen (vornheme)... noch viel mehr as bisher die.Gojim meramme seyhn (.betrügen) könne unn wern derbei. grundünn stahnreiche Leut". Die Forderung der Juden in den kleinen Orten und Dörfern schachten zu dürfen, wird verzerrt durch die angebliche Behauptung eines Juden, daß.die Juden „die Gojim schächten könne. ouhne ihr Blut", daß. sie sie in allen Formen ausbeuten sollen „unn dondorrich eitel, .naschires (reiche). guttle Jschim (Leute) wern".. Dabei vergißt man nicht zu behaupten, daß der Talmud „e großes Verdienstliches Werk ist", das lehrt „die Gojim meramme seyhn"./Die Edreß (Adresse) selbst parodiert die verschiedenen gedruckten und. überreichten Denkschriften der Juden unr ihre Rechte. Ausgelacht werden die jüdische Bildung und verspottet ihre Sitten tmb ihr Umgang mit Menschen; dabei wird ihre Erwcrbstätigkcit stark angegriffen. Als adlig gelte bei Juden „Messummen"'(Bargeld); von-den Gewerben sei der Handel das vorzüglichste, weil „er brengt Geld onter die Leut, unn hot mer Geld hot mer Alles". Landwirte seien die Juden dadurch, daß sie bei den verschuldeten Bauern ihren Böden billig wegkaufen oder das Vieh zu spottbilligen Preisen wegführen. Sie wünschen in allen Städten wohnen zu dürfen, dann wird „unner koscherer Jüdengeruch überall zu riechen seyhn". Dabei spürt man schon hier Anklänge an die in unseren Zeiten so populäre „Reinrassigkeit". Auch getaufte Juden sind Juden:.„Losst sich e Jüd schmatten (taufen), wahs (weiß) er, worum aß ers thut", und er bleibt „döstwiegen doch e koscherer Jüd". In diesem Ton von galligem Haß und beißendem' Spott geht es weiter. Er gibt ein verzerrtes Bild eines jüdischen Viehhändlers „e gewaltig ahngeblosene Geldkatz uum dien Leib, wu. kahm der Hoselatz zugeht, sieht mer ihn. holchen (gehen) af der Stroß, wie aß er simolirt die Gojim Guts zu thün... unn wu trägt er ers rahn? Zu die Gojim trägt ers rahn, zu die klahne unn gemahne (arme) Gojim unn handelt derfür e Viehch eihn, dermit aß der Onterthan seihn. Steuer unn Abgaben zahlen könn.. Man kann sich vorstellen, was für eine Wirkung solche unter den Nichtjuden verbreitete Schriften haben konnten. Das verzerrte Bild, das hier von den Juden gegeben wurde, dargeboten durch einen angeblichen Juden selbst, die Nachahmung seiner Sprache konnte bei vielen den Gedanken erwecken, daß es sich hier um lebensgetreue'jüdische Gespräche und Forderungen handle. Cs ist sicherlich nicht.ausgeschlossen, daß die „Manzepaziohn" den bayerischen Juden auch -bei der Ständeversammlung in den dreißiger. Jahren, auf die die Juden große Hoffnungen gehegt haben, geschadet hat. In den späteren Jahren hat Holzschuher noch einige Schriften dieser Art veröffentlicht. Die Holzschuher-Feitel- Stern-Schriften waren sehr populär; sie erlebten mehrere Auflagen und sie fanden sogar Nachahmer. Im Jahre 1848 wurde in Wien eine Flugschrift gegen die jüdischen Journalisten herausgegeben, die in Anlehnung an Holzschuhers Schrift „Das Schabbes-Gärtcl vunn unnere Leut" (Meißen 1832) die Überschrift trägt: „Max Feitel Stern: Die jüdischen Feldhelden oder das politisch-literarische Schabbes-Gärtel in Wien." (Neu herausgegeben Wien 1912.). Der Verfasser ist aber hier nicht mehr Holzschuher und. unter dem Pseudonym Feitel Stern .steckt vielleicht C. v. Veith oder Sebastian Brunner. Jetzt gehören die Ereignisse der dreißiger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts, wie der Kampf der bayerischen Juden um ihre Gleichstellung zur Geschichte. - Die Schriften Holzschuher-Sterns sind nur noch eine Rarität und können für den Philologen und Historiker von gewissen: Wert sein. Aber in einer Zeit, in der Judenhaß wieder zum Ausdruck gekommen ist, ist es nicht nur aus geschichtlichem Interesse von Wert, die Methoden der Hetzer des früheren Jahrhunderts kenncnzulcrnen. Wolkratshausen Ständig wächst die Zahl der alleinstehenden Frauen, wie auch der Ehepaare, die sich außer Stande sehen, die Kosten für einen selbständigen Haushalt weiterhin aufzubringen und die daher in einer Familie oder in einem Heim Wohnung und Verpflegung suchen, um auf diese Weise die gebotene Verbilligung ihrer Lebensführung zu erreichen. Allerorts entstehen Mittelstandsheime, meist natürlich in großen Städten. Die Münchner Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes hat vor Kurzem auf dem Lande, freilich nur eine Bahnstunde von München entfernt, in reizvollster Umgebung ein behagliches, streng rituell geführtes Mittelftandsheim eröffnet. Im Landheim WohlfratShausen stehen schöne, luftige, sonnendurchflutete Räume, leer oder hübsch möbliert für Damen oder Ehepaare zum vorübergehenden oder dauernden Aufenthaltbei mäßigen - Preisen f H A US D ER Q U A zur Verfügung. 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