Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 7 (1931)
- Issue
- 15 (1.8.1931)
- Article
- Friedrich Wilhelm Maier [Rezension]
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 239 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 239 von der Verstocktheit und Verworfenheit der ungläubigen Juden nur verstehen, wenn mm: den Römerbricf über „Israel in der Heilsgeschichte" kennt. Wie hier die Sätze des „Alten Bundes" gegen das „unselige" Israel gekehrt werden, wie jede Wendung der Anrede von höchster Spannung erfüllt ist, das ist nur dem zugänglich, der den ungeheueren Bezichungsreichtuin dieser drei Kapitel genau kennt. Das Thema ist in 10,4 enthalten: „Christus ist das Ende des Gesetzes." „Das Ende der Lehre", „Das Ende der Mischna" kommt auch im Talmud (Baba mczia 85d—86a) vor: Rabbi (gest. 217) und R. Nathan (um 160) sind das Ende der Mischna, Nab Aschi (gest. 427) und Rabina (gest. 499) sind das Ende der Gemara. Diese Ausdrücke bedeuten aber nicht, daß Mischna und Geinara mit diesen Autoren aufgehoben, sondern daß sie mit ihnen abgeschlossen seien. — Jeder Gedanke, den Paulus ausspricht, ist aufs allcrcngstc mit Thora, Midrasch und Talmud verflochten; keine einzige Wendung ist hier ohne die jüdische Lehre und ihre, nur ihr eigentümliche Vortragsforur verständlich. Wie Prof. Friedrich Will). Maier in den strengsten hergebrachten, außerordentlich subtilen Methoden katholischer ncutestamentlicher Exegese die Sätze des Apostels entwickelt und erklärt, ist ein spannender geistiger Prozeß für sich, der mit der philosophisch-kritischen Methode etwa der modernen protestantischen oder etwa mit der Art, in der wir heute an jeden antiken Text Herangehen, nichts zu tun hat. So ist dieser hochstehende Kommentar selbst wieder exegetischer Stoff von eindringlichster Wirkung, für jeden Juden mit ausgesprochenem Herkunfts- und Situationsbewußtscin von doppelter Kraft des Eindrucks. F. Dr. Josef Unna, Statistik der Frankfurter Juden bis zum Jahr 1866. Herausgegeben vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a.M. 1931. Diese Arbeit verrät eine gute fachliche Schulung und ist recht ergebnisreich. Ohne ein unsachliches Wort gelingt es der ruhigen und rein wissenschaftlichen Darstellung, einen tiefen Einblick in die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse der alten Iudcnstadt tun zu lassen. Eine wertvolle Ergänzung zu Kracauers zweibändigem Werk über die Geschichte der Frankfurter Juden. Auf Einzelheiten kann hier nicht eingoegangen werden. F. Ricarda Huch, Alte und neue Götter — 1848. Die Revolution des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Berlin-Zürich (Deutsch-Schweizerische Vcrlagsanstalt) 1931. Gesinnung wie künstlerische und wissenschaftliche Leistung verdienen unsere uneingeschränkte Bewunderung. Die politischen Einsichten von höchstem Gcgcnwartswert werden vermittelt durch etwa 70 Porträtzeichnungen aus der deutschen Geschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Längst vergessene oder nur mehr dem historischen Fachmann bekannte Gestalten des Vorinärz, politische Konstellationen und uns klein vorkommendc Sorgen dieser Biedcrineicr erwachsen zu neuem Leben und runden sich zu einer eindrucksvollen Ideen- und Pcrsoncngcschichte der Epoche um das Jahr 1848. Die eigenwilligen Persönlichkeiten sind der Verfasserin Anlaß, Einblick in die sozialen und staatlichen Zustände der Zeit zu geben. Aus der Denkschrift des rheinischen Bankgründcrs David H.ansemann hört sie den Nachhall Steinschen Zornes und schreibt für unsere eigene Zeit die paar Sätze gegen das viele Regieren und die Auswüchse der Bürokratie heraus: „Lilles tnuß da administriert werden; das lebendige Wort und die rasche Handlung weichen den schriftlichen, weitläufigen Formen, so daß von dem vielen Schreiben die Kraft des Denkens und Handelns wesentlich geschwächt wird." Man lese in dein schönen Kapitel „Frankfurt", wie 1813 Anfang November Kaiser Franz in die kaiserliche Republik, die alte Krönungsstadt, kam, wie er den Sprecher der Bürgerkapitäne, den Advokaten Dr. Friedrich Sigismund Fepcrlcin cnrpfing, der die Hoffnung auf Wiederherstellung des heiligen römischen Reiches und vor allein auf Aufhebung der Iudcnemanzipation aussprach. Denn die Befreiung der Juden, die Dalberg als Großherzog von Frankfurt durchgeführt hatte, wurde von vielen als verhängnisvolle Maßregel angesehen und man sprach mit Abneigung von seiner französisch-jüdischen Regierung. Der Gegensatz der Juden zur romantischen Reaktion von 1830 wird von Ricarda Huch eindringlich und verständnisvoll behandelt. „Verherrlichung des Mittelalters, der Zeit ihrer Erniedrigung, hatte für sie etwas fast Beleidigendes. Sic machten deshalb, wie namentlich Heine tat, die Zeit der Freiheitskriege und der alten Burschenschaften als Barbarei und Frömmelei lächerlich und trugen sehr dazu bei, die Verbindung init dein Ursprung der deutschen Revolution zu zerreißen .... In dem bäuerlichen und handwerklichen Deutschland war kein Platz für sie gewesen; nun konnten sic bedeutende Rollen spielen als Herrscher, wie Regenmäntel Ulster und Paletots Eigene Herstellung. Nur hochwertige Qualitäten Vollkommen’in Schnitt und Verarbeitung Hauptpreislage: 138.- 148.- 165.- SAKKO-ANZÜGE ab RM. 260.— In unserer bekannt exquisiten Ausführung LOTZ & LEUSMANN München PerusastraBe RICHARD GÜLDENSTEIN Vertreter der BUCHDRUCKEREI B. HELLER Plinganserstraße 64 / Tel. 73 664/65 Privat: Schubertstraße 3/II Telephon 540 62 Gaststätte und Kaffee Maximiliansplatz „Neue Börse“ Garten- und Terassenbetrieb Täglich Künstlerkonzerte \ Sophie Velisch Spezialistin der modernen, auf Wissenschaftlieber Basis aufgebauten Schönheitspflege Fernruf Maximilianstraße 38/1 297128 gegenüber dem Hotel „Vier Jahreszeiten“